Nach Urteil René Benkos Laura Privatstiftung meldet Insolvenz an

Gefallener Milliardär: René Benko bei einem seiner letzten Auftritte in Freiheit. Der ehemalige Immobilienlöwe sitz seit Januar 2025 in U-Haft.

René Benko, ehemaliger Immobilienmilliardär, sitzt seit Januar 2025 in U-Haft. Bildquelle: Imago Images / photonews.at

Die Laura Privatstiftung, eines der letzten bedeutenden Vermögensvehikel im Umfeld des Signa-Gründers René Benko, hat beim Landesgericht Innsbruck einen Eigenantrag auf Insolvenzeröffnung gestellt. Die Stiftung war 2006 von Benko und seiner Mutter Ingeborg Benko gegründet und Anfang 2007 im Firmenbuch registriert worden, wie der KSV1870 festhält. Auslöser sind Zahlungsverpflichtungen aus zwei Schiedssprüchen des International Court of Arbitration der Internationalen Handelskammer (ICC) in Höhe von insgesamt rund einer Milliarde Euro, wie die Stiftung in einer Aussendung mitteilte. Das Landesgericht Innsbruck bestätigte den Eingang des Antrags.

Den Löwenanteil der Forderungen hält der Staatsfonds Mubadala Investment aus Abu Dhabi. Das ICC hatte Mubadala in einem Schiedsverfahren gegen mehrere Gesellschaften aus dem Signa-Komplex rund 700 Millionen Euro zugesprochen, zuzüglich Zinsen. Da bei den bislang herangezogenen Signa-Gesellschaften kaum verwertbares Vermögen vorhanden ist, rückte die Laura Privatstiftung in den Fokus: Sie hatte Garantien für Finanzierungsströme im Zusammenhang mit der Signa-Gruppe abgegeben und war die einzige Beklagte, die bis zuletzt nicht insolvent war.

Keine Aussicht auf Rechtsmittel

Der seit Anfang 2025 amtierende neue Vorstand der Stiftung hatte nach eigenen Angaben umfassende Maßnahmen zur Stabilisierung eingeleitet und eine nachhaltige wirtschaftliche Neuaufstellung als „greifbar" bezeichnet – so die Stiftungsaussendung. Doch die Schiedssprüche machten diesen Weg zunichte. Da keine Aussicht auf erfolgreiche Rechtsmittel bestehe und die Stiftung die geforderte Summe nicht aufbringen könne, seien die Insolvenzgründe der Zahlungsunfähigkeit und der Überschuldung gegeben, erklärte der Vorstand.

 

Dem Kreditschutzverband KSV1870 zufolge besitzt die Stiftung vollständiges Eigentum an mindestens 25 österreichischen Tochtergesellschaften sowie Beteiligungen an zehn weiteren. Hinzu kommen mögliche Auslandsengagements. Laut einer KSV1870-Stellungnahme erklärte Klaus Schaller, Leiter des KSV1870 in Tirol: „Nach einer ersten Analyse des Konzernorganigramms sind hunderte Gesellschaften der Einflusssphäre der Laura Privatstiftung zuzuordnen." Der Verband bezeichnet das Verfahren als eines der komplexesten Insolvenzen in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte.

Mögliche Folgen für andere Signa-Gläubiger

Die Insolvenz dürfte die Sanierung anderer Teile des Signa-Komplexes erschweren. Insolvenzverwalter verschiedener Signa-Gesellschaften hatten Vermögenswerte von der Stiftung zurückfordern wollen, um damit ihre eigenen Gläubiger zu bedienen. Dieser Weg ist nun versperrt: Forderungen können nur noch im Rahmen des Insolvenzverfahrens angemeldet werden. Damit sei kaum noch mit einer vollständigen Rückzahlung zu rechnen, so Schaller.

In der Stiftung werden Vermögenswerte im dreistelligen Millionenbereich vermutet – darunter Luxusimmobilien wie eine Villa in Innsbruck und ein Chalet am Arlberg sowie Kunstwerke. Es handele sich jedoch vor allem um Beteiligungen im Immobilienbereich, nicht um frei verfügbare Liquidität, wie das Nachrichtenmagazin profil berichtet.

Hintergrund: Mubadala und Signa

Die Geschäftsbeziehung zwischen dem Signa-Konzern und dem Staatsfonds Mubadala geht auf eine österreichische Wirtschaftsdelegation unter dem damaligen Bundeskanzler Sebastian Kurz zurück, die 2018 nach Abu Dhabi reiste. Das Signa-Imperium brach Ende 2023 unter der Last steigender Zinsen und Baukosten zusammen. Zu der Gruppe gehörten unter anderem das KaDeWe in Berlin, der Elbtower in Hamburg, das Chrysler Building in New York sowie Londons Kaufhaus Selfridges. Die Signa-Insolvenz gilt als die größte in der europäischen Wirtschaftsgeschichte.

Benko selbst hat als Einzelunternehmer ebenfalls Insolvenz angemeldet und befindet sich seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft. In zwei Strafprozessen wurde er wegen Gläubigerschädigung schuldig gesprochen; die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) rechnet die Laura Privatstiftung dem Signa-Gründer zu; sie spielt daher auch eine wichtige Rolle bei den laufenden Ermittlungen. Laut Bloomberg ermitteln Staatsanwaltschaften in mehreren weiteren Ländern wegen zusätzlicher Betrugsvorwürfe.

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