Alternative Investments sind längst kein exklusives Thema institutioneller Investoren mehr. Mit der jüngsten Eltif-Novelle hat der Gesetzgeber den Zugang für private Anleger deutlich erleichtert – doch wie groß ist der reale Wandel, und was bedeutet das für die Portfoliokonstruktion?
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Alternative Investments sind längst kein exklusives Thema institutioneller Investoren mehr. Mit der jüngsten Eltif-Novelle hat der Gesetzgeber den Zugang für private Anleger deutlich erleichtert – doch wie groß ist der reale Wandel, und was bedeutet das für die Portfoliokonstruktion?
Wir haben ein Experten-Trio von JP Morgan Asset Management mit Shay Schmidt, Co-Portfoliomanagerin des JPM Eltifs Multi Alternatives, Karim Leguel, Global Alternatives Client Strategist, und Jörg Dahle, Senior Sales Executive mit Fokus auf (Nord)-Deutschland, zum Gespräch getroffen.
private banking magazin: Wir haben nach langen Jahren homöopathischer Zinsen eine Normalisierung erlebt. Ist das strukturell förderlich oder negativ für Alternatives?
Karim Leguel: Strukturell positiv – aber mit Nuancen. In der Nullzinsphase waren viele Anleger quasi gezwungen, in Alternatives zu gehen, um überhaupt Rendite zu erzielen. Jetzt, wo Anleihen wieder eine echte Anlageoption darstellen, muss sich jede alternative Strategie stärker über ihren eigenen Mehrwert rechtfertigen. Das ist gesund. Strategien, die von billigem Kapital lebten – etwa bestimmte Segmente von Private Debt oder stark gehebelte Buyout-Strukturen – stehen unter stärkerem Druck. Andere Bereiche, etwa Infrastruktur mit inflationsgebundenen Erträgen oder Strategien mit echter Diversifikationswirkung, profitieren hingegen vom neuen Umfeld.
Frau Schmidt, sehen Sie das aus Sicht einer Portfoliomanagerin ähnlich?
Shay Schmidt: Ja, grundsätzlich schon. Was ich ergänzen würde: Die Zinsnormalisierung verändert auch die Erwartungshaltung der Investoren. Wer früher mit Alternatives vor allem Rendite suchte, fragt heute stärker nach dem Diversifikationsbeitrag und nach lInflationsschutz. Das ist eine Reifung, die dem Markt langfristig guttut – auch wenn es kurzfristig den Vertrieb komplexer macht.
„Das erleben wir im deutschen Markt sehr konkret. Die Nachfrage ist gewachsen, aber die Qualität des Gesprächs hat sich noch nicht überall mitentwickelt.“
Viele sprechen bereits von einem neuen Zeitalter für Private Markets. Wie viel davon ist strukturelle Realität – und wie viel noch Narrativ?
Leguel: Beides. Die strukturellen Argumente sind real: Private Markets haben sich professionalisiert, das Anlageuniversum hat zugelegt, und regulatorische Rahmenbedingungen wie Eltif 2.0 öffnen den Zugang für neue Investorengruppen. Gleichzeitig ist ein tiefes Verständnis über die Besonderheiten der Private Markets und ihrer langfristigen Vorteile erforderlich.
Jörg Dahle: Das erleben wir im deutschen Markt sehr konkret. Die Nachfrage ist gewachsen, aber die Qualität des Gesprächs hat sich noch nicht überall mitentwickelt. Häufig werden Alternatives noch zu sehr über das Renditeversprechen kommuniziert und zu wenig über die strukturellen Eigenschaften, die ein Produkt tatsächlich auszeichnen. Das schafft Erwartungen, die im Zweifel enttäuscht werden können.
Eltif 2.0 beschreiben viele Marktteilnehmer als Durchbruch. Wo sehen Sie den größten realen Wandel – in der Struktur, im Zugang oder in der Investorennachfrage?
Schmidt: Den größten Wandel sehe ich im Zugang – und zwar nicht nur technisch, sondern auch strukturell. Eltif 2.0 hat die Mindestanlageschwellen gesenkt, die Produktregeln flexibler gestaltet und den Vertrieb über Banken und Vermögensverwalter erleichtert. Was noch hinterherhinkt, ist die Breite der Nutzung. Der Zugang ist geöffnet, aber Beratungsstrukturen und das Produktverständnis auf Beraterseite, wie ein diversifiziertes Portfolio inklusive alternativer Anlageklassen konstruiert wird, müssen noch nachreifen.
Dahle: Das kann ich aus der Vertriebsperspektive nur bestätigen. Im deutschen Markt sehen wir, dass das Interesse da ist – gerade im mittleren Segment, also bei Kunden mit einem liquiden Vermögen zwischen einer und fünf Millionen Euro. Diese Gruppe ist groß, wird aber von vielen Anbietern noch nicht systematisch mit Alternatives-Lösungen adressiert. Eltif 2.0 schafft hier strukturell neue Möglichkeiten, aber das Angebot hat die Nachfrage noch nicht vollständig eingeholt.
Was ist das häufigste Missverständnis, das Ihnen bei privaten Wealth-Kunden im Zusammenhang mit Multi-Alternatives begegnet?
Schmidt: Dass Multi-Alternatives vor allem ein Diversifikationsvehikel ist – also ein Korb, der einfach vieles enthält und dadurch sicher wirkt. Das greift zu kurz. Ein gut konstruiertes Multi-Alternatives-Portfolio ist keine passive Ansammlung, sondern eine aktive Allokation über Strategien, Liquiditätsprofil und Marktphasen hinweg. Der Mehrwert liegt nicht im Sammeln, sondern im Selektieren und im aktiven Management der Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Bausteinen.
Leguel: Ein verwandtes Missverständnis betrifft die Korrelationen. Viele Anleger gehen davon aus, dass Alternatives per se gering mit traditionellen Anlageklassen korrelieren. Das stimmt in ruhigen Marktphasen – aber in Stressphasen kann diese Annahme zusammenbrechen. Diversifikation muss deshalb tiefer gedacht werden als nur über historische Korrelationsmatrizen. Die Private Markets umfassen zudem eine Vielzahl unterschiedlicher Strategien und Anlageklassen – daher ist es wichtig, die Vorteile einer breit diversifizierten Ausrichtung zu verstehen.
Wie konstruieren Sie ein Multi-Alternatives-Portfolio in einer Welt, in der Korrelationen weniger verlässlich sind als früher?Schmidt: Wir bauen das Portfolio nicht primär auf historischen Korrelationen auf, sondern auf Grundlage unseres kurz- und vor allem langfristigen Ausblicks. Der langfristige Blick ist entscheidend für die strategische Asset-Allokation, die wir auf das zukünftige Marktumfeld statt auf die historische Entwicklung ausrichten. Dabei setzen unsere langfristigen Kapitalmarktannahmen LTCMA (Long Term Capital Market Assumptions) den Rahmen für das Portfolio.
Das eingangs erwähnte veränderte, strukturell höhere Zinsumfeld hat beispielsweise konkrete Auswirkungen darauf, wie welche Alternatives im Portfolio gewichtet werden sollten. Aber auch das kurzfristige Management ist wichtig: hier geht es um das Rebalancing und die Evolution des Portfolios, um mit dem aktuellen Marktumfeld im Einklang zu stehen und neues Kapital gezielt und gleichzeitig im Sinne der langfristigen Ziele einzusetzen.
Und wie verhindern Sie dabei, dass Diversifikation Überzeugungen verwässert?
Schmidt: Jede Strategie im Portfolio muss eine klar definierte Funktion erfüllen: Rendite, Inflationsschutz, Diversifikation oder Liquiditätsmanagement. Mit einem aktiv gemanagten Multi-Alternatives-Portfolio verläuft das Investment insgesamt ruhiger und Anleger profitieren von einer dynamischen, an den Marktbedingungen orientierten Allokation bei weniger Portfoliorisiko – und dass, ohne dabei die Rendite zu verwässern.