Linkedin hat sich wohl auch in der Finanzbranche zum zentralen B2B-Netzwerk entwickelt. Doch wie engagiert nutzen die Vorstände der größten deutschen Banken die Plattform tatsächlich? Das Beratungshaus Digital8.ai hat für seine aktuelle Social-Media-Studie 2026 alle Vorstandsmitglieder der 25 Top-Institute hierzulande auf Linkedin analysiert (Stand Ende 2025).
Nahezu alle Top-Führungskräfte vertreten, aber keineswegs alle aktiv
Konkret sind 127 von 140 Vorstandsmitgliedern – also 90,7 Prozent – auf Linkedin vertreten. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 87 Prozent. Die mittlere Followerzahl stieg von 4.081 (2024) auf 5.207, das durchschnittliche Followerwachstum betrug 35,9 Prozent. Doch Präsenz und Aktivität klaffen weiterhin auseinander: 103 von 140 Vorstandsmitgliedern haben 2025 mindestens einmal gepostet – ein Drittel hingegen veröffentlichte höchstens einen Beitrag im gesamten Jahr.
Christian Sewing bleibt unangefochten an der Spitze
Mit 104.445 Followern und einem Wachstum von 37 Prozent bleibt Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing der reichweitenstärkste unter den deutschen Bankvorständen auf Linkedin. Der meistgelikte Beitrag des Jahres war ein Post, den Sewing gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz veröffentlichte – er erzielte 2.965 Likes, 36 Kommentare und 29 Reposts. Kein deutsches Bankvorstandsmitglied erreichte 2025 einen Beitrag mit mehr als 10.000 Likes.
Rangliste: Erfolgreichste Bank-Führungskräfte auf Linkedin
Die größten Aufsteiger: Orlopp, Kehr und Riese
Bettina Orlopp von der Commerzbank verzeichnete mit einem Followerwachstum von 129,5 Prozent den stärksten Zuwachs unter den Top-10-Accounts auf Linkedin – sie kommt inzwischen auf 21.600 Follower. Melanie Kehr von der KfW legt sogar um 141 Prozent zu und erreicht 16.834 Follower. Cornelius Riese von der DZ Bank ist neu in der Top 10 und kann 12.852 Followern zum Jahreswechsel vorweisen.
Fleißigster Poster war Stefan Wintels von der KfW mit 75 Beiträgen im Jahr – deutlich mehr als der Durchschnitt von 12,5 Posts pro Vorstandsmitglied. International zeigt ein Vergleich, dass noch einiges mehr geht: Ray Dalio von Bridgewater kam allein im vierten Quartal 2025 auf 117 Beiträge.
Die beste Mannschaft: Deutsche Bank
Im Team-Ranking belegt die Deutsche Bank Platz 1 mit einem Durchschnitt von 18.817 Followern pro Vorstandsmitglied auf Linkedin und einer Accountquote von 100 Prozent – alle zehn Vorstandsmitglieder sind vertreten. KfW und Commerzbank folgen mit Durchschnittswerten von 7.837 beziehungsweise 7.728 Followern.
Den bemerkenswertesten Aufstieg verzeichnet die DZ Bank: von Platz 25 auf Platz 4, mit einem Durchschnitt von 6.086 Followern pro Vorstandsmitglied. Den größten Aufholbedarf hat laut Studie die L-Bank mit durchschnittlich 592 Followern und einer Accountquote von 66,7 Prozent.
Relative Stärke: Die Follower-Employee-Ratio
Neben absoluten Followerzahlen ermittelte Digital8.ai die sogenannte Follower-Employee-Ratio – eine Kennzahl, die die Followerzahl ins Verhältnis zur Mitarbeiterzahl des jeweiligen Instituts auf Linkedin setzt. Spitzenreiterin ist dort Nikola Steinbock von der Rentenbank mit einem Verhältnis von 11,54: Ihre 3.890 Follower übersteigen die 337 auf Linkedin vertretenen Mitarbeitenden der Bank als um mehr als das Elffache.
Nancy Plaßmann von der Berliner Sparkasse folgt mit 768,8 Prozent. Sewing liegt bei dieser Kennzahl trotz seiner enormen absoluten Reichweite bei 1,295 – den Studienmachern zufolge ein Hinweis darauf, dass bei großen Häusern internes Mobilisierungspotenzial noch weitgehend ungenutzt bleibt. Besonders deutlich wird das bei Birgit Dietl-Benzin von der Deka (0,538) oder Ljubisa Tesic von der Hypovereinsbank (0,238).
Weibliche Vorstände bekommen schneller mehr Follower
Ein auffälliges Muster zeigt die Studie beim Vergleich nach Geschlecht: Weibliche Vorstandsmitglieder wuchsen 2025 auf Linkedin im Schnitt um 42,2 Prozent – gegenüber 33,2 Prozent bei ihren männlichen Kollegen. Zudem posten sie häufiger: im Schnitt 15,2 Beiträge pro Jahr, verglichen mit 11,4 bei Männern.
Die durchschnittliche Engagement-Rate der zehn reichweitenstärksten Accounts auf Linkedin sank von 4,25 Prozent (2024) auf 2,7 Prozent (2025). Das ist laut Digital8.ai ein typisches Muster: Engagement skaliert nicht proportional zur Reichweite – wer mehr Follower gewinnt, sieht die relative Interaktionsrate in der Regel sinken. Cornelius Riese (DZ Bank) erzielte mit 5,65 Prozent die höchste Engagement-Rate unter den Top-10-Accounts, gefolgt von Rainer Neske (LBBW) mit 5,24 Prozent.
Social-Media-Kompetenz als Führungsaufgabe
Die Autoren der Studie ziehen ein klares Fazit: Linkedin ist 2026 kein optionaler Kommunikationskanal mehr, sondern ein Führungsinstrument. Wer als Vorstand komplexe Entscheidungen treffen und erklären muss – zu Transformation, Regulierung, Gebühren oder künstlicher Intelligenz – kommt demnach an einer klaren, persönlichen und verlässlichen öffentlichen Kommunikation nicht mehr vorbei.
Vorstände erzielen auf Linkedin im Schnitt zehnmal mehr Likes, Kommentare und Reichweite als vergleichbare Firmenaccounts. Hinzu kommt: 73 Prozent der B2B-Entscheider bewerten Thought-Leadership-Inhalte als vertrauenswürdiger als klassische Marketingmaterialien.
Die Studienautoren empfehlen Bankvorständen eine klare Strategie zur Positionierung mit definierten Themenfeldern, verlässlich getakteten Postings und authentischer Tonalität – unterstützt von einem kleinen Support-Team, das Struktur gibt, ohne die persönliche Handschrift zu ersetzen.