Die Kritik an sogenannten semi-liquiden Fonds, auch Evergreen-Fonds genannt, ist so alt wie die Produkte selbst. Insbesondere in den vergangenen Wochen ist diese Kritik wieder entflammt, nachdem zahlreiche Evergreen-Vehikel in den USA Anteilsrücknahmen limitieren mussten – ähnlich wie wir das in 2022 in einem schwierigen Marktumfeld bereits in einigen Fällen erleben konnten.
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Die Kritik an sogenannten semi-liquiden Fonds, auch Evergreen-Fonds genannt, ist so alt wie die Produkte selbst. Insbesondere in den vergangenen Wochen ist diese Kritik wieder entflammt, nachdem zahlreiche Evergreen-Vehikel in den USA Anteilsrücknahmen limitieren mussten – ähnlich wie wir das in 2022 in einem schwierigen Marktumfeld bereits in einigen Fällen erleben konnten.
Wie bei jeder Anlageklasse gibt es auch für semi-liquide Fonds berechtigte Kritikpunkte. Diese reichen von der grundsätzlichen Sinnhaftigkeit der unterliegenden alternativen Anlagen, über die oft höhere Gebührenbelastung, bis hin zur mangelnden Transparenz in den unterliegenden Portfolios.
Nun möchten wir jedoch den größten Kritikpunkt an semi-liquiden Fonds angehen, den insbesondere die Gegner von Private Equity und anderen alternativen Anlageklassen sowie dem Evergreen-Konzept an sich aktuell viel äußern: Dass semi-liquide Fonds in Krisenzeiten keine Liquidität bieten.
Von den vielen – oft berechtigten – Kritikpunkten an Evergreen-Fonds halten wir diesen für den bei weitem am wenigsten gerechtfertigt. Wieso das so ist, möchten wir aus drei Perspektiven erläutern: Die Anlageallokations-Perspektive, die Funktionsperspektive, sowie die Perspektive des aktiven Managements.
Die Allokationsperspektive
Jeder Investor, egal ob Privatanleger oder institutioneller Fonds, sollte sich immer vor Anlage die Frage stellen, ob eine gewisse Anlage zu ihm passt. Genau diese Frage stellt sich auch bei Anlage in ein semi-liquides Produkt. Doch viele Anleger fokussieren sich etwas zu stark auf das Liquiditätsprofil (semi-liquide) und dessen Vorteile, aber zu wenig auf die tatsächliche Anlageklasse.
Und genau da liegt das Missverständnis: Private Equity, aber auch andere alternative Anlagen wie zum Beispiel Private Credit sind risikoreiche, langfristig orientierte Anlagen und sollte im Portfolio entsprechend eingesetzt werden. Bei Cape May betrachten wir Private Equity als langfristigen Renditetreiber, typischerweise als Satellit neben einem Kern bestehend aus einem diversifizierten, liquiden Portfolio.
Damit kommen wir zurück zur Frage des semi-liquiden Fonds. Viele Investoren haben den Glauben (teils auch bestärkt durch überambitionierte Vertriebsmitarbeiter bei Banken, Verwaltern bzw. den Fonds selbst), dass die semi-liquide Eigenschaft eine Anlage in Private Equity, aber auch andere alternative Strategien wie etwa Private Credit, weniger riskant macht.
Vielleicht ist er durch seinen Liquiditätspuffer und eine breitere Streuung als ein normaler, geschlossener Fonds geringfügig weniger riskant. Am Ende ist das aber nur marginal: Ein Investor kauft sich, egal ob semi-liquider oder liquider Fonds, in ein Portfolio von Private-Equity-Beteiligungen ein, mit all deren Risiken, individueller Illiquidität, und langfristiger Orientierung.
Man mag technisch gesehen Recht haben, wenn man sich beschwert, in turbulenten Märkten einen semi-liquiden Fonds verkaufen zu wollen, aber es nicht zu können. Aber rational betrachtet besteht eine gute Chance, dass man einen semi-liquiden Fonds für einen Zweck (Liquidität in Krisenzeiten) genutzt hat, der seinem eigentlichen Verwendungszweck (langfristige Renditen über einen vollständigen Marktzyklus) widerspricht.