Eine Switch 2 für 1.000 Euro gefällig? Nur wenige Tage nach dem Release schießen die Preise für die Konsole auf der Plattform „Kleinanzeigen“ nach oben. Angebote für 800 Euro sind häufig, einige Verkäufer verlangen sogar 1.000 Euro. Das ist mehr als doppelt sie viel wie die unverbindliche Preisempfehlung: Beim Hersteller kostet die neue Switch nur 470 Euro.
Dabei ist die Idee der Gebrauchtwaren-Plattform eigentlich eine andere. Wer Geld für unerfüllte Wünsche oder einfach nur Platz braucht, verkauft das eingestaubte Peloton. Und wer keine 2.000 Euro für einen Heimtrainer ausgeben will, der kann es auf Kleinanzeigen für 1.000 Euro kaufen; wer länger sucht, noch günstiger. Verkäufer bekommen Liquidität, müssen dafür aber manchmal unter Wert verkaufen. Käufer verzichten auf Neuwaren und Garantien und bekommen dafür teilweise deutliche Abschläge auf den eigentlichen Warenwert. Je seltener ein Produkt gehandelt wird, je kleiner also der Markt ist, desto größer sind die Preisspannen.
Ähnlich funktioniert der Sekundärmarkt für Private Equity. Wer Liquidität braucht, holt sie sich hier. 2023 fiel das globale Exit-Volumen des Primärmarkts auf ein Zehnjahrestief, wie aus dem Bain Global Private Equity Report 2025 hervorgeht. Das ist deutlich weniger als die Hälfte des Volumens des Rekordjahres 2021. Weil der Handel auf dem Primärmarkt stockte, flüchteten sich viele Akteure auf den Sekundärmarkt.
Und der Trend hält an, denn der Primärmarkt kommt unter Donald Trumps erratischem Regierungsstil, inklusive der von ihm angezettelten Zollkonflikte sowie der zögerlichen Zinsschritte der Zentralbanken, nicht in Schwung. 2024 ist das Exit-Volumen im Vergleich zum Vorjahr zwar um ein Drittel gestiegen, liegt damit aber immer noch unter den Volumina von 2021 und 2022. Ob der Markt dieses Jahr wieder Fahrt aufnimmt, ist Bain zufolge fraglich. Das gefürchtete U-Wort „Uncertainty“ hält die Märkte weiterhin in Atem.
Gelähmter Primärmarkt
Lorenz Jüngling, Co-Vorstandsvorsitzender und geschäftsführender Direktor der Private-Equity-Plattform Moonfare, sagt über die Situation am Private-Equity-Primärmarkt und Trumps Zollpolitik: „Die Euphorie vom Januar hat sicherlich nachgelassen – und die anhaltende Unsicherheit ist schädlicher als die Zölle selbst.“
Fondsmanager (General Partners, kurz GPs) warten auf bessere Gelegenheiten für Exits durch Verkäufe oder Initial Public Offerings. Investoren (Limited Partners, kurz LPs) brauchen aber dennoch Liquidität.
Die Folge: Der Sekundärmarkt floriert, weil er als Notausgang dient. Jüngling: „Die Unsicherheit erhöht die Chancen für den Sekundärmarkt. LPs brauchen Liquidität. Und technische Faktoren – wie etwa der Denominator-Effekt oder gar politische Faktoren wie die Drohung, das Endowment Funding zu streichen – veranlassen Manager, einen Teil ihres Portfolios zu verkaufen, was attraktive Chancen schafft.“
In den vergangenen Jahren haben die gesunkenen Bewertungen an den öffentlichen Märkten den Gesamtwert vieler Portfolios gedrückt und damit den Denominator reduziert. Im gleichen Zeitraum haben die Private-Equity-Investments, also der Zähler, aber nicht oder weniger an Wert verloren. Das hat dazu geführt, dass ihr relativer Anteil am Portfolio gestiegen ist. Dieser Effekt hat die Private-Equity-Quoten von institutionellen Investoren häufig über ihre Zielmarken getrieben und so zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugt.
Dieser Druck und die Nachfrage nach Liquidität treffen auf den Flaschenhals des Private-Equity-Markts, den gelähmten Primärmarkt. GPs warten auf bessere Exit-Möglichkeiten. Die durchschnittliche Haltedauer von Buy-out-Exits hat laut der Datenplattform Pitchbook 2023 sechs Jahre überschritten und damit einen neuen Rekord erreicht. Kapitalrückflüsse an Investoren verzögern sich immer stärker.
„Viele institutionelle Investoren leiden seit drei oder vier Jahren an mangelnder Liquidität“, sagt Édouard Boscher, Leiter Private Equity bei Carmignac. Einer Umfrage von Coller Capital zufolge ist die Generierung von Liquidität für vier Fünftel der LPs die Hauptmotivation für den Verkauf von Private-Equity-Anteilen auf dem Sekundärmarkt.
Längst mehr als ein Notausgang
Gute Nachrichten für Käufer wie Boscher: „Für uns sind die Marktbedingungen von Vorteil. Viele Investoren wollen aufgrund von Liquiditätsdruck verkaufen, sodass wir hochqualitative Assets, die von sehr guten Managern verwaltet werden, zu äußert attraktiven Preisen kaufen können.“
Die Beliebtheit des Sekundärmarkts spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Während das Handelsvolumen auf dem Private-Equity-Markt 2024 leicht zurückging, verzeichnete der Sekundärmarkt laut Jefferies mit einem Transaktionsvolumen von 162 Milliarden US-Dollar sein bisher stärkstes Jahr. Das ist ein Plus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 112 Milliarden US-Dollar. Und das Beratungsunternehmen erwartet, dass der Sekundärmarkt noch wachsen wird: Die Schätzung für 2025 liegt bei mehr als 185 Milliarden US-Dollar.
Ein weiteres Reifemerkmal des Sekundärmarkts ist der wachsende Anteil der von Managern (GPs) initiierten Transaktionen, der sich Jefferies zufolge ab 2020 bei über 45 Prozent eingependelt hat. Im ersten Halbjahr 2025 lag er laut Preqin bei 43 Prozent. Haupttreiber sei der Wunsch der GPs, ihre hochwertigsten Assets länger halten zu können, während sie gleichzeitig den ursprünglichen Investoren (LPs) Liquidität bieten könnten.
Für zwei Drittel der Private-Equity-Manager sei die Nachfrage nach flexibleren Haltedauern der Haupttreiber für GP-initiierte Transaktionen. Jüngling sagt dazu: „Auf der Verkäuferseite sind Sekundärtransaktionen zu einer akzeptierten Exit-Strategie geworden. Investoren können durch einen vorzeitigen Ausstieg aus Investitionen Liquidität schaffen, ihre Portfolios neu ausrichten oder ihre Bestände diversifizieren.“
Jefferies beobachtet zudem, dass Käufer bereit sind, größere Deals abzuschließen. Die durchschnittliche Größe der LP-geführten Transaktionen sei auf 425 Millionen US-Dollar gestiegen, 2023 habe sie noch bei 375 Millionen US-Dollar gelegen. Gleichzeitig bleibe der Sekundärmarkt zugänglich. Zwei Drittel aller LP-Deals lagen 2024 unter der Grenze von 250 Millionen US-Dollar.
Hinzu kommt die hohe Nachfrage nach Sekundärmarkt-Strategien, wie dem neunten Sekundärmarktfonds von Ardian, der 2023 mit einem Fundraising-Volumen von 30 Milliarden US-Dollar schloss. Laut Jefferies lag das verfügbare Kapital (Dry Powder) aller Sekundärmarktfonds Ende 2024 bei rund 288 Milliarden US-Dollar – bereit für den Einsatz.