private banking magazin: Herr Elsner, Sie verantworten für die Privatkundenbank der Deutschen Bank weltweit das Geschäft mit Private Markets. Was zeichnet das Private-Markets-Angebot Ihrer Bank aus?
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private banking magazin: Herr Elsner, Sie verantworten für die Privatkundenbank der Deutschen Bank weltweit das Geschäft mit Private Markets. Was zeichnet das Private-Markets-Angebot Ihrer Bank aus?
Sebastian Elsner: Unser Fokus liegt darauf, institutionelle Standards auch für qualifizierte Privatkunden verfügbar zu machen. Wir begleiten die gesamte Wertschöpfungskette: von der Entwicklung neuer Produkte über die Auswahl externer Manager innerhalb unserer Open-Architecture-Plattform bis hin zum vollständigen Lifecycle-Management. Dabei stellen wir weltweit dieselben Qualitäts- und Governance-Standards sicher – unabhängig davon, ob ein Kunde in Singapur, Zürich oder Deutschland sitzt.
Gerade im deutschsprachigen Raum sind Private Markets in den vergangenen Jahren zu einem echten Buzzword geworden. Was hat sich verändert?
Elsner: Große Versicherer und Pensionsfonds investieren seit Jahrzehnten in Private Markets, weil diese Anlagen Portfolios robuster machen und zusätzliche Renditechancen bieten. Aus genau diesen Gründen empfehlen wir auch unseren Kundinnen und Kunden, Private Markets beizumischen – immer bedarfsgerecht und passend zum Anlagehorizont.
Private Markets sind somit keine neue Anlageklasse. Neu ist der regulatorische Rahmen, der es jetzt auch Privatanlegern ermöglicht, effizienter zu investieren. Mit Eltif 2.0 können wir die Komplexität heute deutlich stärker vom Anleger auf den Manager verlegen.
Woran liegt es, dass wir hier diesen Reifegrad bislang nicht erreicht haben?
Elsner: Das lag vor allem am regulatorischen Rahmen. Stichwort Eltif. Seit Anfang 2024 gibt es den Eltif 2.0. Bereits mit Eltif 1.0 konnten Privatanleger in Private Markets investieren, allerdings mit höheren Einstiegshürden und deutlich mehr Komplexität. Private Markets sind per se komplex. Mit den neuen Evergreen-Strukturen können wir diese Komplexität heute deutlich stärker vom Anleger auf den Manager verlagern.
Wie unterscheiden sich die Angebote für verschiedene Kundengruppen, etwa Family Offices?
Elsner: Wir denken konsequent vom Kundenbedarf her. Unser Angebot unterscheidet sich dabei je nach Segment: Ein Family Office in Singapur hat andere Bedürfnisse als ein Privatkunde in Deutschland, für den eine diversifizierte Fondslösung häufig sinnvoller ist.
Private Markets sind bei institutionellen Investoren ja schon lange etabliert. Ist das, was wir aktuell sehen, vor allem eine Bewegung in Richtung Retail?
Elsner: Nicht ausschließlich. Institutionelle Investoren investieren je nach Zielsetzung zwischen 20 und 40 Prozent ihres Portfolios in Private Markets. Amerikanische Universitäten liegen teilweise sogar bei rund 50 Prozent. Und selbst von diesem hohen Niveau aus zeigen Studien, dass viele Anleger ihre Quote weiter erhöhen möchten. Mehrere Studien erwarten, dass relativ gesehen der stärkste Zuwachs im Wealth- und Retail-Bereich stattfindet – schlicht, weil man dort von einer kleineren Basis kommt.
Sind 20 bis 40 Prozent Private Markets für Privatanleger realistisch?
Elsner: Das hängt immer vom Kunden ab: vom Anlageziel, vom Risikoappetit und vom Liquiditätsbedarf. Private Markets bringen viele Vorteile – Diversifikation, geringere Volatilität und die Möglichkeit, eine Illiquiditätsprämie zu vereinnahmen. Aber Private Markets sind illiquide, und das muss jedem Kunden klar sein. Deshalb sind Aufklärung und eine qualitativ hochwertige Beratung für uns zentrale Themen.
Warum hat sich die Deutsche Bank für eine Lösung ausschließlich für ihre Kunden entschieden und wie ist das Produkt konkret strukturiert?
Elsner: Weil wir Verantwortung übernehmen wollen – für Aufklärung, Beratung und Produktauswahl. Kontrolle und Qualität sind in dieser Phase entscheidend. Unser Privatmarkt-Fonds ist bewusst als strategische Asset Allokation (SAA) im Bereich Private Markets konzipiert, also als eine Multi-Asset-Lösung.
Der Kunde investiert nicht isoliert in Private Equity, Private Credit oder Infrastruktur, sondern in eine strategisch austarierte Kombination der einzelnen Anlageklassen, der einzelnen Anlageinstrumente und der besten Manager. Damit nehmen wir dem Anleger die drei komplexesten Aufgaben ab: die laufende Allokationsentscheidung innerhalb der Anlageklassen, die Auswahl der besten Manager über die offene Architektur sowie die Auswahl der richtigen Anlageinstrumente - Direktanlagen, Co-Investments, Secondaries und Primaries.
Wer ist die Zielgruppe dieser Lösung?
Elsner: Unsere Zielgruppe sind Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont und einem freien Vermögen ab 200.000 Euro, die Private Markets als Portfoliobeimischung verstehen. Die Mindestanlage liegt aktuell bei 10.000 Euro.
Wie gehen Sie mit dem Thema Illiquidität in der Beratung und Produktgestaltung um?
Elsner: Wir sprechen das Thema offen an und vermeiden bewusst den Begriff „semi-liquide“, weil er eine falsche Sicherheit suggeriert, die es so nicht gibt. Qualitativ hochwertige Beratung ist hier absolut entscheidend. Der Vorteil offener Strukturen liegt nicht primär im Liquiditätsversprechen, sondern darin, dass Komplexität – Kapitalabrufe, Wiedereinlagerisiken und Liquiditätsmanagement – vom Anleger auf professionelle Manager verlagert wird.
In unserem Flagship-Angebot haben wir uns beim Thema Liquidität bewusst für einen konservativen Ansatz entschieden: quartalsweise Rückgabemöglichkeiten mit einer zwölfmonatigen Kündigungsfrist. Wir setzen auf Stabilität und Schutz der Anlegerinteressen – Liquidität ja, aber verantwortungsvoll.
Wie stellen Sie sicher, dass Berater und Kunden die Anlageklasse richtig einordnen?
Elsner: Die kontinuierliche Qualifizierung unserer Berater steht für uns an oberster Stelle. Wir setzen auf ein umfassendes Weiterbildungs- und Informationsangebot, das von Roadshows über digitale Formate bis hin zu verpflichtenden Schulungen reicht. Der entscheidende Punkt ist nicht das einzelne Investment, sondern die Allokation in Private Markets als Teil des Gesamtportfolios.
Welche Allokationen empfehlen Sie?
Elsner: Je nach Risikoprofil empfiehlt unser Chief Investment Office zwischen 9 und 24 Prozent für geeignete Kunden. Viele Kunden, insbesondere in Europa, liegen aktuell noch deutlich darunter. Wir empfehlen eine schrittweise Beimischung – nicht den schnellen Einstieg, sondern eine strategische Integration ins Gesamtportfolio.
Zum Abschluss noch ein persönlicher Blick: Welche Erfahrungen und Werte aus Ihrer internationalen Karriere prägen heute Ihre Arbeit?
Elsner: Im Zentrum meiner Arbeit steht das Vertrauen unserer Kunden. Für mich bedeutet das, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen, die langfristig Bestand haben. Integrität und Verlässlichkeit sind dabei keine Schlagworte, sondern tägliche Leitlinien. Ich bin überzeugt: wirklicher Erfolg entsteht, wenn man gemeinsam mit einem starken Team und einer offenen Kultur Lösungen entwickelt, die echten Mehrwert für unsere Kunden schaffen. Diese Haltung prägt meinen Anspruch, Vertrauen aufzubauen und Standards zu setzen, die Bestand haben.
Und wenn Sie abschalten möchten – wobei kommen Ihnen die besten Gedanken?
Elsner: Beim Laufen an der Elbe – oder mit einem guten Buch.
Über den Interviewten:
Sebastian Elsner verantwortet als Global Head of Private Markets der Privatkundenbank der Deutschen Bank
