Finanzierung von Spielerwechseln Wie Fußballtransfers in die institutionelle Kapitalanlage passen

Seite 2 / 2

Die Anlageklasse Fußball ist eine zu anderen wirtschaftlichen Entwicklungen weitestgehend unkorrelierte Ergänzung für das Portfolio. Das hat sie in der Vergangenheit immer wieder bewiesen. Während Corona beispielsweise zeigte sich der Fußball wesentlich widerstandsfähiger als von Marktbeobachtern erwartet: Es gab während oder nach der Pandemie nicht nur keinerlei Insolvenzen, sondern auch keine nennenswerten Zahlungsverzögerungen in den großen Ligen Europas. Wir sehen auch keine nachhaltige Auswirkung der Zinserhöhungen auf diese Anlageklasse. Im Portfolio kann sie durch Forderungslaufzeiten von im Durchschnitt lediglich 15 bis 18 Monaten sogar als Absicherung gegenüber steigenden Zinsen dienen.

Fußballmarkt auf Wachstumskurs – auch Private-Equity-Investoren engagieren sich

Und: Die Entwicklung des Wirtschaftszweigs Fußball ist trotz aller konjunkturellen Unsicherheiten weltweit intakt: Die TV-Verträge der Top-5-Ligen befinden sich auf Rekordniveau – in England und Spanien – oder knapp darunter, wie in Italien, Frankreich oder Deutschland. Die Stadien sind stärker besucht als vor Corona, Werbe- und Sponsoring-Einnahmen steigen von Jahr zu Jahr und aktuelle Marktanalysen sehen kein Ende dieser Entwicklung.

In ihrem aktuellen Annual Review of Football Finance 2023 prognostizieren die Experten von Deloitte, dass die Umsätze der fünf wichtigsten europäischen Ligen von 17,2 Milliarden Euro in der Saison 2021 und 2022 bis auf rund 18 Milliarden in der kommenden Saison 2023 und 2024 steigen werden. Betrachtet man alle europäischen Clubs, so schätzt die UEFA gemäß ihres jüngsten Club Licensing Benchmarking Reports eine Entwicklung des Gesamtumsatzes für den gleichen Zeitraum von 23,0 auf 25,9 Milliarden Euro.

 

Gleichzeitig ist ein historisch großes Interesse von Private-Equity-Investoren sowohl auf Liga- als auch auf Klubebene zu beobachten. Das kommt der Liquidität der Vereine zusätzlich zugute. Der Französische Fußballliga-Verband LFP beispielsweise hat mit dem europäischen Finanzinvestor CVC Capital Partners eine Investitionsvereinbarung zur Vermarktung von TV-Rechten geschlossen. Das Unternehmen investiert 1,5 Milliarden Euro in eine neue kommerzielle LFP-Tochtergesellschaft und erhält dafür einen 13-prozentigen Anteil.

Solide Transferfinanzierungen erweitern die Portfolioallokation

Vor diesem Hintergrund kann die Beteiligung an Transferfinanzierungen einen weiteren Baustein im Portfolio institutioneller Investoren darstellen. Was aber auch klar sein sollte: Das Investment ist schon aufgrund seiner Anleiheform nicht mit den sehr populären, aber stark schwankungsanfälligen Aktien von Fußballvereinen vergleichbar ist. 

Die Renditen von Transferfinanzierungen liegen höher als bei vergleichbaren Anlageformen oder Asset-Klassen im Bereich Senior Debt – wo sie abhängig von Bonität, Laufzeit und Region meist im mittleren einstelligen Bereich liegt. Zudem gab es in vergangenen knapp zwanzig Jahren keine Ausfälle. Dazu tragen neben dem Risikomanagement auch die Lizenzierungsverfahren bei: Laut Reglement des Weltfußballverbandes FIFA müssen die Vereine nachweisen, dass sie am 31. März des Jahres vor der zu lizenzierenden Saison keine überfälligen Verbindlichkeiten haben. Dazu kommen auf europäischer Ebene die Financial-Sustainability-Regeln, die 2022 das Financial Fairplay abgelöst haben. Seither werden die Vereine zwei- statt dreimal pro Jahr auf überfällige Verbindlichkeiten überprüft. Ergänzt werden diese Regelungen durch die Lizenzierungssysteme der nationalen Ligen.

Erhält ein Verein keine Lizenz, bricht ihm seine Geschäftsgrundlage weg. Das heißt: Es liegt im ureigensten Interesse der Klubs, die Forderungen zu bedienen – was wiederum den Investoren zugutekommt.


Über den Gastautor:

Stephan Schnippe ist Vorstand der Score Capital, das mehr als 650 Transaktionen mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro abgewickelt hat. Vor seinem Einstieg in das Unternehmen war er als Vorstand des Internationalen Bankhaus Bodensee verantwortlich für die Bereiche Private Banking und Unternehmenskundengeschäft. Bereits 2004 hat Schnippe die ersten Finanzierungen europäischer Fußballvereine umgesetzt. Er ist der Initiator dieser Spezialkompetenz und hat bis zu seinem Ausscheiden 2015 das Internationale Bankhaus Bodensee zu einem paneuropäischen Anbieter aufgebaut.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen