Diese Konstellation schafft die Grundlage für attraktives Einkommen und selektives Alpha, so Damien Buchet – CIO, Principal Finisterre.
2025 war geprägt von globalen Spannungen: US-Zölle, geopolitische Konflikte von der Ukraine bis in den Nahen Osten und anhaltende politische Unsicherheiten. Dennoch hielten Schwellenländer-Anleihen (EMD) überraschend gut stand und konnten die Turbulenzen erstaunlich gut verkraften – getragen von zurückkehrenden Kapitalzuflüssen und einer Anlegerstimmung, die sich still und leise auf den höchsten Stand seit Ende 2021 verbesserte.
Zum Start ins Jahr 2026 wirkt das Umfeld konstruktiv: Eine tendenziell schwächere US-Dollar-Entwicklung, die fortgesetzte Lockerung durch die US-Notenbank, positive Rohstoff-Terms-of-Trade sowie eine zunehmend synchronisierte globale Wachstumsdynamik spielen den Schwellenländern in die Karten.
Am auffälligsten ist jedoch, wie vertraut sich dieses Umfeld anfühlt. Mehrere Indikatoren – von den Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen über EM-Spreads bis hin zum Anlegerverhalten – weisen eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Jahr 2006 auf. Auch damals waren die Bewertungen eng, politische Unsicherheit allgegenwärtig, und globale Investoren durchkämmten die Märkte auf der Suche nach Rendite. Das heutige Umfeld ist nicht identisch, doch die Parallelen liefern einen spannenden Bezugsrahmen für das Jahr, das vor uns liegt.
Komplizierte US‑Rahmenbedingungen, während Schwellenländer weiter profitieren
Bei aller Fokussierung auf die Dynamik der Schwellenländer beginnt das Jahr 2026 mit einer klaren Erkenntnis: Was im ersten Quartal in den USA geschieht, wird weltweit nachhallen. Der Führungswechsel an der Spitze der Federal Reserve, mögliche Urteile des Supreme Court, die fiskalische Planungen erschüttern könnten, sowie eine Welle aufgeschobener Bundesausgaben aus dem „OBBBA“ („One Big Beautiful Act“) – eingebettet in eine Vielzahl neuer Maßnahmen der Trump‑Administration mit Blick auf die Zwischenwahlen – stellen im ersten Quartal 2026 zentrale potenzielle Weichenstellungen dar, die den Kurs für das gesamte Jahr festlegen dürften. Diese Entwicklungen haben unmittelbare Folgen für den US‑Dollar, die US‑Zinskurve und die globale Liquidität – allesamt entscheidende Variablen für Investoren in Schwellenländeranlagen.
Die jüngste Entscheidung Trumps, Kevin Warsh an die Spitze der Federal Reserve zu berufen, mildert angesichts seiner früheren Tätigkeit als Fed‑Gouverneur einige Governance‑Bedenken, beseitigt sie jedoch nicht vollständig. Fiskalische Unsicherheiten – von möglichen Einnahmeausfällen durch Zölle bis hin zu vorgezogenen Ausgaben im Vorfeld der US-Zwischenwahlen – dürften bestehen bleiben. Gleichzeitig beobachten wir für 2026 eine potenzielle Verbreiterung der Wachstumstreiber in den USA, weg von der alleinigen Dominanz des KI‑Themas, sowie eine stärkere Konvergenz der Wachstumsdynamik zwischen den USA, Europa, den Schwellenländern und einem stabilen China. Dies schafft ein unterstützendes Umfeld für die Performance von Schwellenländer‑Währungen, da der US‑Dollar eher stabil bis schwächer tendiert. Zugleich dürfte die Nachfrage nach der Renditeprämie und den Diversifikationsvorteilen von Schwellenländer‑Staats‑ und Unternehmensanleihen anhalten.
Europa gewinnt an Dynamik, China stabilisiert sich
Europa durchlebte 2025 ein schwieriges Jahr – eingeengt von schwacher Nachfrage, belastet durch US-Zölle und steigende Verteidigungsausgaben. Doch auch hier beginnt sich das Bild allmählich aufzuhellen. Das deutsche Infrastruktur- und Verteidigungspaket in Höhe von 500 Milliarden Euro dürfte zunehmend in der Realwirtschaft ankommen, die Wachstumserwartungen ziehen vorsichtig an, und die Bilanzen der privaten Haushalte bleiben vergleichsweise solide. Besonders Mitteleuropa dürfte profitieren – vor allem dann, wenn die Wahlen in Ungarn zu einer Normalisierung der Beziehungen zur EU führen und in der Folge neue Investitionen freigesetzt werden sollten.
China bleibt dagegen eine komplexere Geschichte. Der enorme Handelsüberschuss des Landes hielt auch 2025 an, doch das exportgetriebene Wachstumsmodell stößt zunehmend an seine Grenzen. Deflationäre Tendenzen im Inland und wachsender globaler Widerstand gegen preisgünstige Exporte zwingen Peking zu einer taktischen Neuausrichtung. Die wirtschaftspolitischen Debatten verlagern sich zunehmend hin zu einer stärkeren Unterstützung des privaten Konsums, einem festeren Renminbi und einem schrittweisen Rückzug von exportdumping-ähnlichen Praktiken. Diese Entwicklung ist eine positive Nachricht für andere asiatische Schwellenländer, die lange unter dem Überangebot chinesischer Waren gelitten haben.
Fundamentaldaten der Schwellenländer: Stabil, diszipliniert und zunehmend im Aufwärtstrend
Jenseits von Politik und Schlagzeilen bleiben die Fundamentaldaten der Schwellenländer insgesamt solide. Viele Zentralbanken in den EM-Ländern haben bereits in den Jahren 2021–2022 frühzeitig und entschlossen die Zinsen angehoben und damit die Inflation früher eingedämmt als die US-Notenbank und andere Zentralbanken der entwickelten Länder. Gleichzeitig bewahrten sie eine hohe Wachsamkeit gegenüber exogenen Handels- und geopolitischen Risiken ebenso wie gegenüber endogenen fiskalischen Risiken.
Bezeichnend ist, dass trotz mehrerer Wellen links- beziehungsweise rechtsgerichteter populistischer Regierungen in den Schwellenländern die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zwar auf die Probe gestellt worden sind, sich aber überwiegend innerhalb der Grenzen fiskalischer Glaubwürdigkeit bewegen – unter anderem in Brasilien, Mexiko, der Türkei, Ägypten und Indonesien. Andere Länder wiederum stechen mit einer überraschend konsequenten fiskalischen Konsolidierung positiv hervor, insbesondere Argentinien und Südafrika. Fiskalische Ausrutscher gibt es punktuell, insgesamt jedoch hält die Ausgabendisziplin stand. Rating-Upgrades überwiegen erneut die Herabstufungen – mit dem größten Abstand der vergangenen fünf Jahre –, was eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Turbulenzen des Jahres 2022 darstellt und die verbesserten Fundamentaldaten der Schwellenländer unterstreicht.
Auch die Risiken auf der Zahlungsbilanzseite präsentieren sich stabiler. Nur wenige große Schwellenländer weisen noch ausgeprägte Leistungsbilanzdefizite auf, und jene Länder, die dies tun – wie etwa Rumänien –, befinden sich dank signifikanter wirtschaftspolitischer Anpassungen auf einem klaren Erholungspfad und werden weiterhin durch EU-Mittel finanziert. Die ehemaligen Mitglieder der sogenannten „Fragile Five“ von 2013 (Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika und die Türkei) haben ihre externen Positionen weitgehend stabilisiert. Insgesamt ergibt sich ein Umfeld, das eine schrittweise Einengung der Kreditspreads unterstützt – auch wenn die Bewertungen weniger attraktiv sind als in früheren Phasen.
7 Themen, die aus unserer Sicht das Investieren in Schwellenländern 2026 prägen werden
1. Das erste Quartal ist geprägt vom US-Dollar und der US-Zinskurve
Der Führungswechsel an der Spitze der Federal Reserve sowie fiskalische und rechtliche Entscheidungen zu Jahresbeginn in den USA werden den Ton für den US-Dollar und die Treasury-Zinskurve vorgeben. Wir erwarten phasenweise Volatilität, die sich letztlich zugunsten ausgewählter Emerging Market (EM)-Währungen auswirken dürfte.
2. Emerging Market Debt (EMD) tritt in eine reifere Phase der Rally ein
Wir priorisieren die Maximierung laufender Erträge in Unternehmens- und Lokalwährungsanleihen, ergänzt durch selektives, spezialisiertes Alpha aus Wahlzyklen, Reformpfaden (unter anderem in Ungarn, Kolumbien, Brasilien und Peru) sowie aus Unternehmensereignissen (etwa zyklischem Druck in öl- und rohstoffnahen Sektoren). Gleichzeitig halten wir die Duration diszipliniert und gehen Währungsrisiken selektiv ein.
3. Ein Umfeld wie 2006: Hohe Bewertungen, robuste Unterstützung
US-Renditen, Fed Funds, der Euro sowie Emerging Market-Spreads und lokale Renditen bewegen sich auf Niveaus, die jenen von Ende 2005 bemerkenswert ähneln. Wir gehen davon aus, dass sich die schrittweise Einengung der Spreads beziehungsweise die Aufwertung der Währungen fortsetzt – getragen von einem liquiditätsstarken technischen Umfeld und einer weiterhin risikofreudigen Anlegerbasis, finanziert durch stark ausgeweitete staatliche Bilanzen. Wie bereits 2006 erwarten wir auch 2026 gelegentliche Risikodellen, die angesichts sehr starker EMD-Technik und unserer Einschätzung anhaltender Zuflüsse bei Rücksetzern jedoch als Kaufgelegenheiten zu werten sind.
4. Konvergenz des globalen Wachstums stützt die EM-Risikobereitschaft
Ein stabileres Wachstum in den USA, eine allmähliche Erholung in Europa sowie ein Schwellenländer-Wachstum von rund 4 Prozent – flankiert von einem „ausreichend stabilen“ China – bilden die Grundlage für anhaltende Risikobereitschaft. Wir setzen auf Währungen mit hoher realer Verzinsung (weiterhin TRY, EGP und NGN, aber auch ZAR, BRL, COP und MXN) sowie auf glaubwürdige Reform-vorhaben. Zusätzlich fokussieren wir uns auf Märkte, die von frühen Portfoliozuflüssen im Jahr profitieren (unter anderem CE3, MXN, BRL, ZAR und MYR).
5. Lokale Duration wird zur Risikoprämien-Strategie
Da der Disinflationsprozess weitgehend fortgeschritten ist und Zinssenkungen in vielen Märkten bereits angemessen eingepreist sind, bevorzugen wir kürzere Laufzeiten in Lokalwährungsanleihen – insbesondere dort, wo sich fiskalische Anker verbessern und Zuflüsse die Zinskurven gegenüber Zins-Swaps verengen können.
6. Auswirkungen der Emissionen US-amerikanischer „Hyperscaler“ auf EM-Investment-Grade-Credits
KI-bezogene US-Investment Grade (IG)-Emissionen könnten mit der US-Crossover-Nachfrage konkurrieren, die üblicherweise in größere EM-IG-Emittenten fließt. EM-IG-Anleihen dürften jedoch durch lokale Nachfrage und einen starken asiatischen Käuferkreis – insbesondere im GCC-Raum (Gulf Cooperation Council, der Golf-Kooperationsrat) – abgefedert werden. Wir sind bereit, bei temporären Rücksetzern opportunistisch zuzukaufen.
7. Reduzierung der Exponierung gegenüber zyklischen und ölbezogenen EM-Unternehmen
Angesichts eines reichlichen Angebots und asymmetrischer Abwärtsrisiken für die Spotpreise haben wir die direkte High-Yield-Exponierung im Bereich Exploration und Produktion reduziert. Energieengagements setzen wir stattdessen über Staatsanleihen mit wiederaufgebauten Pufferkapazitäten sowie über Unternehmen mit vertraglich gesicherten beziehungsweise weniger preissensitiven Cashflows um. Zyklische Engagements bauen wir nur zu attraktiveren Einstiegsniveaus aus.
Ein Jahr geprägt von Carry, Disziplin und selektiver Überzeugung
Wenn 2025 das Jahr war, in dem Märkte gelernt haben, geopolitischen Lärm auszublenden, könnte 2026 das Jahr sein, in dem EM-Investoren den Wert von Disziplin wiederentdecken. Die Bedingungen sind weder euphorisch noch fragil – sie sind ausgewogen. Einkommen und spezialisiertes Alpha dürften den Großteil der Renditen liefern, während durch globale Risiken verursachte Marktrückgänge – von KI-Bewertungen bis hin zu Sorgen im Private-Credit-Segment – eher Einstiegschancen als systemische Belastungen darstellen.
Der richtige Ansatz für Investitionen in Schwellenländeranleihen (EMD) im Jahr 2026 besteht weiterhin darin, den breit diversifizierten laufenden Ertragsstrom zu maximieren, den die Tiefe dieser Anlageklasse bietet – sei es über Hartwährungsanleihen oder über kurz- bis mittelfristige Lokalwährungsanleihen (außerhalb Asiens), die nach wie vor höhere reale Renditen aufweisen, als es fundamental notwendig wäre. Darüber hinaus bestehen weiterhin zahlreiche Möglichkeiten zur Generierung von „Alpha“ aus bestimmten Geschichten rund um zentrale Ereignisse, etwa Wahlzyklen, Veränderungen der Terms of Trade oder Refinanzierungsmaßnahmen.
2026 dürfte zwar nicht ganz an die Ergebnisse von 2025 heranreichen, sollte für EMD insgesamt jedoch weiterhin ein sehr solides Performancejahr darstellen.
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Wichtige Hinweise
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Schwellenländeranleihen können erhöhten Ausfall‑ und Liquiditätsrisiken unterliegen.
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Schwellenländeranleihen können erhöhten Ausfall‑ und Liquiditätsrisiken unterliegen. Risiken sind in Schwellenländern besonders ausgeprägt, da dort oftmals etablierte rechtliche, politische, wirtschaftliche oder soziale Strukturen fehlen, die Wertpapiermärkte unterstützen. Festverzinsliche Anlagen unterliegen Zinsänderungsrisiken; steigen die Zinsen, fallen in der Regel die Preise von Schuldverschreibungen.
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