Schwellenländer-Staatsanleihen „Prognose trotz Ölpreisverfall weiterhin optimistisch“

Auch wenn die Quellen sprudeln, fließen derzeit deutlich weniger Öl-Dollar in die Kassen der exportierenden Länder. | © Getty Images

Auch wenn die Quellen sprudeln, fließen derzeit deutlich weniger Öl-Dollar in die Kassen der exportierenden Länder. Foto: Getty Images

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Seit seinem letzten Hoch im Juni des vergangenen Jahres hat sich der Preis für Rohöl bis Jahresende 2014 halbiert. Der Rückgang belastet insbesondere die schwächeren der Erdöl exportierenden Länder, wie Angola, Ecuador, Gabun und allen voran Venezuela. Aber auch Staaten mit vergleichsweise soliden Rahmendaten, wie Kasachstan und Russland, sind betroffen.

In Russland hat eine unerwartete Kombination aus fallendem Ölpreis und steigender Dollar-Nachfrage, die weitgehend auf die vom Westen auferlegten Kapitalmarktbeschränkungen zurückzuführen ist, den Rubel schwer getroffen. Nachdem das Land im Laufe des vorigen Jahres bereits einen Teil seiner gewaltigen Devisenreserven zur Stützung seiner Währung eingesetzt hatte, ging es dann im November zu einem System gleitender Wechselkurse über. Die jüngste Leitzinsanhebung der russischen Zentralbank um 6,5 Prozent auf 17 Prozent scheint den freien Fall des Rubels vorerst gestoppt zu haben, die Volatilität dürfte aber anhalten. Seit Anfang Dezember sind wir daher in Russland bei Währung und Duration neutral positioniert.

Russland: Die Fundamentaldaten sind weiterhin gut

Der Öl- und Gassektor macht einen großen Teil der russischen Volkswirtschaft aus. Ein niedriger Ölpreis und höhere Zinsen könnten die russische Wirtschaft massiv belasten. Jedoch wird sich die aktuelle Krise auf kurze bis mittlere Sicht wohl nicht wesentlich auf den russischen Staatshaushalt auswirken. Mit 0,3 Prozent war das Haushaltsdefizit im zweiten Quartal 2014 recht gering, und auch die öffentliche Schuldenquote liegt unter 10 Prozent (Stand: Dezember 2013). Mildernd kommt hinzu, dass der Reservebestand sowie die Staatsfonds Russlands gut mit Öl-Dollar ausgestattet sind. Das Risiko eines deutlich niedrigeren Ölpreises (von etwa 35 US-Dollar pro Barrel) könnte allerdings zusätzliche Probleme, wie ein höheres staatliches Haushaltsdefizit, mit sich bringen.

Die politische Situation bleibt schwierig. Die Ukraine-Krise wird sich voraussichtlich so schnell nicht lösen lassen. Hinzu kommen die EU- und US-Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Wir halten es allerdings nicht für besonders wahrscheinlich, dass die EU Sanktionen verhängen wird, die russische Öl- und Gaslieferungen an EU-Länder in Mitleidenschaft ziehen könnten, denn schließlich sind einige ihrer Mitglieder (beispielsweise die Slowakei und Finnland) in hohem Maße auf russisches Erdgas angewiesen.

Insgesamt bleibt unsere fundamentale Einschätzung russischer Staatsanleihen positiv. Wir sehen das Ausfallrisiko als gering an, da Russland über ausreichende Cashflows in US-Dollar verfügt, um auch in den kommenden Jahren seine auf US-Dollar lautenden Schulden zu bedienen. Auf aktuellem Niveau bieten russische Anleihen ein attraktives Risiko-Rendite-Profil. Wenn diese Anleihen ihren Investment-Grade-Status verlieren sollten, könnten wir in begrenztem Maße zum Handeln gezwungene Verkäufer sehen. Das wiederum könnte interessante Kaufgelegenheiten eröffnen.

Risiken und Chancen in Venezuela und Kasachstan

In Venezuela steht zwar noch keine Staatspleite an, doch mittelfristig ist das Risiko sicherlich gestiegen. Die Regierung könnte über verschiedene Maßnahmen das Ausfallrisiko senken - zum Beispiel indem sie den Bolivar abwertet oder die Staatsausgaben nicht stärker als die Inflation steigen lässt. Ebenso könnte ein Verkauf der PetroCaribe-Forderungen oder anderer Assets, wie den in den USA gelegenen Anlagen der staatlichen Raffinerie-Gesellschaft CITGO, helfen.

Die Spreads kasachischer Staatsanleihen sind unserer Ansicht nach infolge der Ölpreisentwicklung übermäßig gestiegen. Momentan notiert der Risikoaufschlag deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Da wir die Bonitätskennzahlen des Landes für solide erachten, gehen wir davon aus, dass sich die Spreads wieder verengen werden.

Etwas höheres Risiko, aber attraktivere Bewertungen

Wir bleiben bei unserer optimistischen Prognose für Schwellenländer-Staatsanleihen. Zwar sind die volkswirtschaftlichen Rahmendaten zurzeit etwas weniger robust als vor ein paar Jahren, doch sind sie immer noch recht stabil. Insgesamt ist das Risiko – bedingt durch die anhaltend niedrigen Erdöl- und Rohstoffpreise – etwas gestiegen. Die Bewertungen sind mittelfristig jedoch attraktiver: Der Spread des JPM EMBI Global Diversified Index hat mittlerweile den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht. Auch die markttechnischen Faktoren behaupten sich gut, wenn man bedenkt, dass die Nettoemission bei Schwellenländer-Staatsanleihen 2015 unter null liegen wird. Wir rechnen mit mäßigen Kapitalzuflüssen in diese Asset-Klasse.