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Corporate Governance in Schwellenländern Bei Vergütungsberichten haben Schwellenländer-Unternehmen noch viel Luft nach oben

Geschäftsviertel in Singapur

Geschäftsviertel in Singapur: Nur etwa 13 Prozent der MSCI EM-Unternehmen führen regelmäßige Say-on-Pay-Abstimmungen auf den Aktionärsversammlungen durch, gegenüber über 90 Prozent bei MSCI Europe und MSCI US. Foto: Imago Images / Design Pics

Wir sehen Fortschritte bei der Unabhängigkeit und Effektivität der Verwaltungsräte börsennotierter Schwellenländerunternehmen. Bei Transparenz und Vielfalt gibt es aber noch Verbesserungsbedarf.

Börsennotierte Schwellenländerunternehmen erkennen zunehmend die Notwendigkeit einer unabhängigen Kontrolle der Unternehmensführung. Bereits 53 Prozent der Unternehmen, aus denen sich der MSCI Emerging Markets Index (MSCI EM) zusammensetzt, haben nach MSCI-Angaben einen Verwaltungsrat mit einer unabhängigen Mehrheit. Außerdem haben die meisten Unternehmen die Funktionen des CEO und des Vorsitzenden des Verwaltungsrats getrennt – obwohl es in den meisten Fällen immer noch keinen von der Unternehmensleitung unabhängigen Verwaltungsratsvorsitzenden oder einen leitenden unabhängigen Direktor gibt. Doch es geht voran: Prüfungsausschüsse, Nominierungsausschüsse und Vergütungsausschüsse sind immer häufiger anzutreffen.

Was die Geschlechtervielfalt anbelangt, so ist die (partielle) Vertretung von Frauen in der Unternehmensleitung zwar mittlerweile Standard, aber die Unternehmen der Schwellenländer hinken den europäischen und nordamerikanischen Unternehmen in Bezug auf die Präsenz von weiblichen Mitgliedern in den Verwaltungsräten deutlich hinterher.

Ebenfalls auffällig: Die Leistungskriterien und die Vergütungspolitik von Führungskräften unterliegen nach wie vor einer Art Tabu: Nur etwa 13 Prozent der MSCI EM-Unternehmen führen regelmäßige Say-on-Pay-Abstimmungen auf den Aktionärsversammlungen durch, gegenüber über 90 Prozent bei MSCI Europe und MSCI US.

Jedes Schwellenland steht auf einer anderen Stufe

Anleger, die die Qualität der Corporate Governance in Schwellenländern verstehen und bewerten wollen, sollten über die formale Governance-Struktur der Unternehmen hinausgehen und sich mit der individuellen Unternehmenskultur sowie dem spezifischen Umfeld, in dem sie tätig sind, befassen. So sind beispielsweise Unternehmen mit Mehrheitsaktionären (die mehr als 30 Prozent der Unternehmensanteile halten) in Indien relativ häufig anzutreffen – man denke nur an Tata Consultancy oder den Mischkonzern Reliance Industries. Auch in Südkorea sind traditionell eine Reihe von großen börsennotierten Unternehmen und Konzernen mehrheitlich im Familienbesitz.

 

Aus westlicher Sicht können solche Praktiken als ein Risiko für die Unternehmensführung angesehen werden, da sie der Transparenz schaden und Interessenkonflikte verursachen können, die den Interessen der Minderheitsaktionäre zuwiderlaufen. Die Wahrheit ist, dass sich die Rolle der kontrollierenden Aktionäre von Land zu Land unterscheidet – deshalb stellen wir sicher, dass wir jedes Unternehmen in seinem spezifischen Kontext analysieren.

In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass sich Unternehmen verstärkt mit Investoren über Corporate-Governance-Themen austauschen. Wir nutzen diese Gelegenheiten, um einen besseren Einblick in die Unternehmenskultur unserer Portfoliounternehmen zu gewinnen und unsere Positionen zu gängigen und bewährten Praktiken der Corporate Governance zu vermitteln.

Regulierungsbehörden verlangen von Unternehmen mehr Nachhaltigkeit

Lokale Corporate-Governance-Kodizes, ob freiwillig oder verpflichtend, spielen eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung von Mindeststandards für die Unternehmensführung und den Schutz externer Investoren. Ihre Weiterentwicklung im Laufe der Zeit legt die Messlatte für Unternehmen höher, die sich um mehr Transparenz und bessere Governance-Praktiken bemühen. Außerdem schenken Regulierungsbehörden und Börsen in wichtigen Schwellenländern der Nachhaltigkeit von Unternehmen immer mehr Aufmerksamkeit – Südkorea beispielsweise hat die Einführung einer obligatorischen ESG-Offenlegung von börsennotierten Unternehmen angekündigt.

3 Schlüsselkriterien für die Unternehmensanalyse

Als verantwortungsbewusste Investoren haben wir einen Corporate-Governance-Rahmen entwickelt, um Informationen über Unternehmen zu sammeln. Angesichts der unterschiedlichen Unternehmenskulturen in den verschiedenen Schwellenländern kann eine Tick-the-Box-Analyse die Besonderheiten der Corporate Governance in den einzelnen Ländern nicht vollständig erfassen.

Zusätzlich zur Anwendung unseres internen standardisierten Rahmens analysieren wir daher die Qualität der Unternehmensführung anhand von drei Schlüsselkriterien:

  • Rechenschaftspflicht: Ist das Management gegenüber Investoren und anderen Stakeholdern ausreichend rechenschaftspflichtig?
  • Integrität: Gibt es angemessene Maßnahmen zur Gewährleistung der Integrität und Verantwortung des Unternehmens?
  • Transparenz: Legt das Unternehmen gegenüber externen Stakeholdern angemessen Rechenschaft ab?

Mit diesen Leitfragen können wir feststellen, ob ein Unternehmen, das in schwerwiegende Kontroversen verwickelt ist und keine ausreichenden Anstrengungen unternimmt, um unsere Bedenken auszuräumen, nicht mehr investierbar ist.

Hinter der Kulisse einer Governance-Struktur, die scheinbar alle Kriterien erfüllt, kann sich ein Mangel an Transparenz oder ein fehlendes Engagement für die Anleger verbergen. Eine gründliche und differenzierte Analyse ist der Schlüssel, um auf der sicheren Seite zu sein.

Mehr zum verantwortungsvollen Anlegen mit Candriam erfahren Sie hier

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