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Schwellenländer-Rally oder Halbleiter-Boom? Emerging Markets: Wenn drei Tech-Titel den ganzen Markt bewegen

Indiens Staatschef Narendra Modi besichtigt einen neu eröffneten Flughafen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh

Indiens Staatschef Narendra Modi besichtigt einen neu eröffneten Flughafen im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh: Neuberger sieht breites Chancenpotenzial jenseits der wenigen dominierenden Indexwerte.“ Bildquelle: Imago Images / ANI News

Während TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix einen großen Teil der Börsenrally 2026 tragen, suchen Vera German und Juan Torres, Portfoliomanager im Neuberger-Team Emerging Markets Equity, nach Chancen jenseits der großen KI- und Halbleiterwerte.

Die Rally an den Schwellenländerbörsen wirkt auf den ersten Blick beeindruckend: Der MSCI Emerging Markets Index liegt 2026 bislang rund 22 Prozent im Plus. Doch hinter der starken Entwicklung verbirgt sich ein ungewöhnlich konzentriertes Marktgeschehen. Nach Einschätzung des Teams hinter dem Neuberger Emerging Markets Equity Fund entfällt ein erheblicher Teil des Indexanstiegs auf lediglich drei Unternehmen: TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix.

Vera German

Allein diese drei Aktien stehen nach den Berechnungen des Fondsmanagements für rund 14 Prozent des diesjährigen Indexanstiegs. TSMC legte seit Jahresbeginn um 53 Prozent zu, Samsung Electronics um 150 Prozent und SK Hynix sogar um 200 Prozent. Damit sind Samsung und SK Hynix inzwischen in den Kreis der Unternehmen mit mehr als einer Billion US-Dollar Börsenwert aufgerückt.

Für das Fondsmanagement stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Handelt es sich tatsächlich um eine breite Rally der Schwellenländer – oder vor allem um einen Boom bei Halbleiteraktien?

Rally mit schmaler Basis

Ein Blick auf die Marktbreite spricht für Letzteres. Während der Technologiesektor deutlich besser abgeschnitten hat, liegen die meisten anderen Branchen hinter dem Gesamtindex zurück. Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung in den vergangenen Monaten.

Juan Torres

Historisch betrachtet ist eine derart geringe Marktbreite bemerkenswert. Nach Angaben des Neuberger-Teams haben in den vergangenen 25 Jahren nur sehr selten weniger als ein Viertel der Aktien eines Schwellenländerindex besser abgeschnitten als die Benchmark. Die bislang extremste Vergleichssituation fiel auf das Jahresende 2009.

Solche Phasen hoher Konzentration hielten in der Vergangenheit nicht dauerhaft an – und wurden teilweise von kräftigen Korrekturen gefolgt.

Das Fondsmanagement verweist dabei auf drei frühere Episoden erhöhter Konzentration im Schwellenländeruniversum: den Rohstoff-Superzyklus 2010/2011, die ausgeprägte China-Fantasie 2014/2015 sowie den Boom chinesischer Technologiewerte 2020/2021. In allen drei Fällen nahm die Konzentration auf wenige Unternehmen und ein dominierendes Investmentthema zunächst weiter zu. Anschließend folgten deutliche Rückgänge.

Aus Sicht des Neuberger-Teams ist die aktuelle Situation insofern besonders, als die Konzentration heute nochmals höher ausfällt als in diesen früheren Phasen.

Bewertung als Warnsignal

Hinzu kommt die Bewertung. Nach Berechnungen des Fondsmanagements werden TSMC derzeit mit einem zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) von rund 80 bewertet, Samsung Electronics mit 50 und SK Hynix mit 125. Dem steht ein CAPE von rund 19 für den MSCI Emerging Markets Index gegenüber.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die drei Unternehmen fundamental überbewertet sind. Das Management betont vielmehr, dass selbst bei herausragender operativer Qualität der Preis entscheidend sei. Je höher die Bewertung, desto weniger Spielraum bleibe für Enttäuschungen bei Wachstum, Margen oder Investitionsausgaben.

 

Auch die Positionierung institutioneller Investoren deutet auf einen hohen Konsens hin. Das Fondsmanagement zitiert Analysen von Copley Fund Research zur Positionierung von Emerging-Markets-Fonds, um die Übergewichtung von Tech-Titeln zu verdeutlichen: Zuletzt hielten 93 Prozent der untersuchten börsennotierten Emerging-Markets-Fonds TSMC, 86 Prozent Samsung Electronics und 75 Prozent SK Hynix.

Für das Neuberger-Team ist genau das ein wichtiger Grund, um nicht einfach der Indexgewichtung zu folgen.

Der Juli 2026 zeigte, wie schnell sich das Bild ändern kann

Wie fragil das Marktbild sein kann, zeigte sich im Juli. Während die entwickelten Aktienmärkte im Monatsverlauf leicht zulegten, verlor der MSCI Emerging Markets Index auf US-Dollar-Basis 3,1 Prozent.

Auslöser waren unter anderem wachsende Zweifel am Ausmaß der Investitionen in generative künstliche Intelligenz. Anleger hinterfragten zunehmend, ob die hohen Ausgaben der Technologieunternehmen sich tatsächlich in entsprechend hohen Erträgen niederschlagen werden. Verstärkt wurde die Skepsis durch Fortschritte bei chinesischen Open-Source-Modellen, die günstigere Alternativen zu US-amerikanischen KI-Angeboten in Aussicht stellen.

Besonders stark geriet der Technologiesektor unter Druck: EM-IT verlor im Juli rund 12 Prozent und war damit die schwächste Branche. Auch Industriewerte standen unter Druck. Dagegen entwickelten sich zyklischere Segmente deutlich besser: Konsumwerte legten 14,4 Prozent zu, der Energiesektor gewann 8 Prozent.

Der Fonds setzt auf die Breite des Anlageuniversums

Genau in diesem Umfeld sieht der Neuberger Emerging Markets Equity Fund seine Stärke. Das Portfolio ist über alle Sektoren und 18 Schwellenländer beziehungsweise Regionen diversifiziert und vermeidet eine übermäßige Abhängigkeit von den wenigen dominierenden Indexwerten.

Im Juli zahlte sich diese Positionierung aus. Der Fonds litt weniger stark unter dem Einbruch des IT-Sektors als der Index. Es zeigte sich, wie wichtig ein breiter Blick auf das Emerging-Markets-Universum sein kann.

Chancen jenseits der Index-Schwergewichte

Die zentrale These des Fonds ist entsprechend weniger eine kurzfristige Wette gegen KI oder Halbleiter. Vielmehr geht es um die Frage, wo sich im Schatten der großen Indexwerte attraktive Unternehmen finden lassen.

Das Team sieht weiterhin ein breites Chancenpotenzial über Länder, Branchen und Geschäftsmodelle hinweg. Eine solche Ausrichtung kann insbesondere dann interessant werden, wenn sich die Marktführerschaft der bisherigen Börsenstars abschwächt und Anleger wieder stärker nach Bewertung, fundamentaler Qualität und individuellen Unternehmensperspektiven differenzieren.

Denn zwei Unsicherheitsfaktoren dürften die Schwellenländeraktien weiter begleiten: die Frage, wie nachhaltig der aktuelle Boom rund um generative KI tatsächlich ist, und die geopolitische Entwicklung, die jederzeit für neue Überraschungen sorgen kann.

Nicht gegen den Markt – sondern breiter denken

Der Neuberger Emerging Markets Equity Fund versucht damit nicht, die großen KI- und Halbleiterunternehmen grundsätzlich infrage zu stellen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer: Je stärker wenige Aktien den Index bestimmen, desto größer wird auch die Abhängigkeit des gesamten Emerging-Markets-Universums von deren weiterer Entwicklung.

Die historische Erfahrung spricht aus Sicht des Fondsmanagements dafür, solche Phasen erhöhter Konzentration aufmerksam zu beobachten. Die gesehene Rally könnte wieder neu ansetzen – doch gerade weil nur ein kleiner Teil des Marktes den Löwenanteil der Kursgewinne liefert, steigt auch das Risiko einer abrupten Gegenbewegung.

Für Anleger eröffnet das zugleich eine andere Perspektive auf die Schwellenländer: Die Breite des Marktes könnte zum eigentlichen Investmentthema werden.

Denn jenseits der drei großen Halbleiterwerte gibt es in der Gruppe der Emerging-Markets-Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung mehr als 1.200 besonders chancenreiche Unternehmen.

 
Emerging Markets Equity Fund – Wachstum und Wert in Schwellenmärkten 

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