71 Milliarden Franken schlecht verwaltet Schweizer Nationalbank muss ihre Anlagepolitik überdenken

Spiros Margaris, Margaris Advisory

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Die SNB mit Sitz in Zürich und Bern ist innerhalb der Schweiz das Pendant zur Europäische Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main.

Die SNB hat in ihrer Bilanz im 4. Quartal 2013 Aktien im Wert von rund 71 Milliarden Franken – rund 16 Prozent der SNB-Bilanz – ausgewiesen.

Dies stellt ein noch nie dagewesenes Aktienengagement in absoluten Zahlen und in Prozentanteilen der SNB-Bilanz dar.

Die Frage, die man sich stellen muss, ist nicht, ob die SNB einen Staatsfonds gründen soll, um die riesigen SNB Devisenreserven zu managen, sondern wie eine optimale Rendite mit dieser riesigen Summe speziell in den Aktienanlagen erwirtschaftet werden kann.

Obwohl durch den Auftrag der SNB die Geldpolitik Vorrang vor der Anlagepolitik hat, ist die Bedeutung der Anlagepolitik durch die geldpolitisch geschaffenen Tatsachen enorm gestiegen.

Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der SNB, betont, dass sie bei der Anlage der Devisenreserven auf „Sicherheit, Liquidität und Rendite - in dieser Reihenfolge“ setzen.

Die Rendite wird als letzte Priorität aufgezählt, aber „last but not least“, wie man im Englischen sagt, hat die Rendite durch die Explosion der SNB-Bilanz eine sehr wichtige Rolle eingenommen.

Das Problem der explodierenden SNB-Bilanz kommt bekanntlich durch die Festsetzung und Verteidigung der Untergrenze des Euro-Kurses bei 1.20 Franken zustande. Diese Vorgabe hat Jordan von seinem Vorgänger Philipp Hildebrand geerbt.

Die anhaltende Euro-Krise wird den Druck auf die SNB aufrechterhalten und noch weiter verschärfen. Deshalb wird die SNB-Bilanz (2013/12), die mit 490 Milliarden Franken rund 85 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) der Schweiz darstellt – ein Mehrfaches im Vergleich zu den meisten wichtigen Zentralbanken - noch weiter ansteigen und damit auch der Anteil des Aktienengagements.

Das tiefe Zinsumfeld zwingt nicht nur den Kleinanleger, sein Geld in Aktien und nicht in Anleihen zu investieren, sondern auch die SNB.

Im Nationalbankgesetz sind die Zuständigkeiten und der Auftrag der SNB bezüglich Aktivenverwaltung festgelegt und die Anlage- und Risikokontrollprozesse klar definiert.

Als Jordan in November 2012 über das Anlagewissen der SNB, welches sich in den letzten 15 Jahren aufgebaut hatte, sprach, hat er nicht erwähnt oder berücksichtigt, dass ein großer Teil dieses Anlagewissens sich auf eine Zeit bezieht, in der die SNB-Bilanz einen kleinen Prozentsatz des BIP darstellte und dementsprechend das Aktienengagement in absoluten Zahlen sehr viel kleiner war.

Zwar können im SNB-Anlagekomitee gut ausgebildete Mitglieder sitzen, die nach interessanten Anlagemöglichkeiten Ausschau halten; bei diesem Team ist aber nicht sichergestellt, dass es sich aus den qualifiziertesten Portfoliomanagern zusammensetzt, die die optimale Rendite erwirtschaften und die Vorteile des enormen Aktienengagements nutzen können.

Die Mitglieder des Jordan-Teams mögen in ihrer ursprünglichen Funktion kompetent gewesen sein. Aber jetzt, wo der Aktienanteil deutlich grösser geworden ist, macht sie das noch lange nicht automatisch zu ausgewiesenen Top-Portfoliomanagern. Daher muss auch das SNB-Anlageteam bezüglich Leistung an der Rendite gemessen werden.

Momentan besteht das Anlagekomitee aus einem Team von circa 20 Personen, die einem einzigen Anlagechef, der nicht namentlich genannt wird, unterstellt sind.

Als allein verantwortlicher Anlagechef muss dieser immer die beste Analyse und Umsetzung tätigen, was auch bei erfahrensten Portfoliomanagern nicht immer der Fall sein kann.

Eine neue Transparenz bezüglich Zusammensetzung des Komitees und der Leistungen der einzelnen Mitglieder des Anlagekomitees der SNB in Kombination
mit einer Änderung der Verantwortlichkeiten in den Entscheidungsbereichen würde viele offene Fragen klären.