Trade Republic hat es vorgemacht, Scalable Capital könnte anscheinend bald nachziehen: Laut Medienberichten von „Finanz-Szene“ und „Finance Forward“ arbeitet Scalable daran, eine Vollbanklizenz zu beantragen. Demnach soll schon seit Monaten ein größeres Team daran arbeiten, dass aus Scalable Capital bald eine Bank wird: Die technische Infrastruktur steht demnach im Fokus, die Arbeiten sind weit fortgeschritten. Eine Sprecherin wollte sich auf eine Anfrage dieser Redaktion hin nicht zu den Medienberichten äußern.
Bisher arbeitete Scalable Capital unter der Lizenz als Wertpapierinstitut und Wertpapierhandelsbank. Die Brokerage- und Vermögensverwaltungsdienstleistungen wickelte das Münchener Unternehmen über die Baader Bank ab, die sich als Depotbank auf Fintechs wie Scalable spezialisiert hat. Auch Konkurrent Trade Republic arbeitete lange mit Depotbanken zusammen, schnappte sich aber Ende 2023 eine Vollbanklizenz statt der Lizenz als Wertpapierhandelsbank.
Der Status als Wertpapierhandelsbank ist eine deutsche Besonderheit: So dürfen die Institute zwar Finanzkommissionsgeschäft, Emissionsgeschäft oder Finanzdienstleistungen wie Anlageberatung oder Finanzportfolioverwaltung anbieten, nicht aber das Kreditgeschäft auf eigene Rechnung oder Einlagen von Kunden entgegennehmen. Mit der Vollbanklizenz – im offiziellen Sprech der Zulassung als CRR-Kreditinstitut – kann etwa Scalable-Konkurrent Trade Republic seit Ende 2023 für Kunden selbst Konten eröffnen, außerdem lancierte das Berliner Unternehmen etwa auch eine eigene Kreditkarte.
Verbot von „Payment for Orderflow“ wirft Schatten voraus
Bei Scalable stehen hinter dem Schritt zu einer Banklizenz wohl zwei Überlegungen: zum einen die Aussicht auf eigene Zinsangebote für Kunden, also etwa Konten, die Scalable auch als Einfallstor für die weiteren Dienstleistungen nutzen könnte. Zum anderen aber auch die Aussicht darauf, als Market Maker tätig werden zu können. Damit könnte Scalable quasi an allen Bestandteilen einer Wertpapiertransaktion mitverdienen, heißt es etwa bei „Finance Forward“.
Außerdem dürfte sich das Münchener Unternehmen damit auf das Verbot der teils kritisierten „Payment for Orderflow“-Praxis vorbereiten. Nach der erhalten Broker wie Scalable eine Rückvergütung von Market Makern, wenn die Broker ihnen die Orders weiterleiten. Darin sehen Beobachter aber teilweise Interessenskonflikte, weswegen die Europäische Union die Praxis bis Mitte 2026 verbieten möchte. Durch die Rückvergütungen konnten Neobroker wie Trade Republic oder Scalable Capital aber jahrelang günstige Ordergebühren anbieten.