Podcast Das deutsche Stromnetz ist am Limit – und warum das eine Investmentchance ist

Sascha Hasterok spricht im Podcast über die Notwendigkeit von Infrastrukturanbietern im KI-Boom

Sascha Hasterok spricht im Podcast über die Notwendigkeit von Infrastrukturanbietern im KI-Boom Bildquelle: Edelstoff Media

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Bis 2030 werden in den USA Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von rund 130 Gigawattstunden pro Jahr gebaut. Das klingt abstrakt – bis man versteht, was das bedeutet: So viel Strom verbraucht heute die gesamte US-Industrie. Und genauso viel alle amerikanischen Haushalte zusammen. In dreieinhalb Jahren.

„Der ICE fährt mit Vollkaracho gegen die Wand“, sagt Sascha Hasterok, Portfolio Advisor bei Wellington Management. Er meint das nicht als Warnung, sondern als Investmentthese.

Wellington hat mit seiner börsennotierten Infrastrukturstrategie in den vergangenen zwölf Monaten mehr als eine Milliarde Euro eingesammelt. Hasteroks Argument ist so simpel wie es lange übersehen wurde: Ohne Strom läuft keine KI. Kein Rechenzentrum, kein Sprachmodell, kein Hyperscaler. Und wer kontrolliert den Strom? Versorger, Netzbetreiber, Gasinfrastruktur – also genau die Unternehmen, die Anleger jahrelang für hoffnungslos langweilig hielten.

Die Ironie dabei: Je effizienter KI-Modelle werden, desto mehr Strom verbrauchen sie insgesamt. Christoph Fröhlich nennt im Podcast „For Professional Investors Only“ das Jevons-Paradoxon – ein Prinzip aus dem 19. Jahrhundert, das beschreibt, wie sinkende Kosten den Verbrauch nicht senken, sondern erst recht anheizen. Billiges Licht führte nicht zu weniger Licht, sondern zu Licht in jedem Bürogang. Billige KI-Anfragen führen nicht zu weniger Anfragen, sondern zu KI in jeder Branche.

Wellington wettet nicht darauf, dass OpenAI oder ein anderer Anbieter das KI-Rennen gewinnt. „Ob das Rechenzentrum von Amazon oder Apple wirklich Geld verdient, ist für uns erst mal irrelevant“, sagt Hasterok im Gespräch mit Herausgeber Malte Dreher. Was zählt: dass der Strom verbraucht wird. Die Strategie zielt auf die Infrastruktur darunter – Versorger, Netze, Gaspipelines, flexible Stromerzeugung – und blendet dabei ideologische Debatten aus. Erneuerbare, Gas, Atomkraft: Hasterok nennt das „unideologisch". Entscheidend ist der Wachstumstreiber, nicht die Technologie.

Dabei zeigt sich ein strukturelles Problem, das Deutschland besonders hart trifft. Rechenzentren können heute in zwei Jahren gebaut werden – ans Stromnetz angeschlossen werden sie frühestens in acht. „Da muss man sich die Frage stellen, ob wir noch einen Standortvorteil haben“, sagt Hasterok. Der Stromausfall in Spanien? Folge von zwanzig bis dreißig Jahren Unterinvestition ins Netz. Berlin? Ähnliches Bild, kleinerer Maßstab, gleiche Logik.

Gleichzeitig hält Hasterok den klassischen Blick auf Infrastruktur für den größten Denkfehler der Anleger: Wer den Sektor nur als Cashflow-Maschine sieht, verpasst gerade den Beginn eines langen Investitionszyklus. 9 bis 10 Prozent Rendite pro Jahr bei einem Marktbeta von 0,6 – das klingt nach solidem Defensivbaustein. Hasterok sieht es als Wachstumsstory.

Wie Wellington konkret investiert, warum private Kapitalmärkte für die Energiewende unverzichtbar geworden sind und welche Rolle Atomkraft in der nächsten Dekade wieder spielen könnte, darüber spricht Sascha Hasterok im Podcast.

 

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