Sal. Oppenheim analysiert Superzyklen Aktien sind trotz schwachen Wachstums erste Wahl

Co-Investmentchef Lars Edler (l.) und Chefvolkswirt Martin Moryson vom Bankhaus Sal. Oppenheim

Co-Investmentchef Lars Edler (l.) und Chefvolkswirt Martin Moryson vom Bankhaus Sal. Oppenheim

// //

Aktien und Rohstoff-Investments sind angesichts schwachen Wachstums und niedriger Zinsen die beste Wahl fürs Portfolio. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Superzyklen, die das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim durchgeführt hat. Co-Investmentchef Lars Edler und Chefvolkswirt Martin Moryson haben dabei Zyklen untersucht, deren Auf- und Abschwünge deutlich länger anhalten als normale Konjunkturphasen.

Die globale Wirtschaft befinde sich in keinem guten Zustand, so die Autoren. Obwohl die Zinsen in allen wichtigen Währungsräumen nahe null seien, komme die Wirtschaft nicht in Schwung. „Besonders auffällig ist die Entwicklung des Welthandels: War er früher Motor der Weltwirtschaft, ist er jetzt zum Sorgenkind mutiert“, sagt Moryson. „Inzwischen wächst der Welthandel langsamer als die Weltwirtschaft.“

Auch die Rohstoffpreise sänken seit mehreren Jahren und hätten im Vergleich zu ihren Höchstständen bis zu 70 Prozent eingebüßt. Dabei sei es nicht einmal so, dass sich die Welt in einer Rezession befände. Was sind also die Gründe für diese schwache Entwicklung?

Drei Superzyklen am Tiefpunkt

Laut Edler und Moryson ist die aktuelle Situation das Ergebnis dreier Entwicklungen, die sich in der Vergangenheit immer wieder überlagert haben, nun aber einen hohen Gleichlauf aufweisen: die Globalisierung, die Rohstoffpreise und der Finanzzyklus. „Diese drei Superzyklen, die die Weltwirtschaft über Jahrzehnte recht kontinuierlich angetrieben haben, sind an einem Tiefpunkt angekommen“, so Moryson: „Der Boom der Globalisierung ist auf absehbare Zeit vorbei, Rohstoffe werden die Weltwirtschaft zunächst ebenfalls nicht voranbringen und die Verschuldung muss noch über Jahre abgebaut werden.“

Vor allem die Entwicklungen in China und die Finanzkrise seien die Ursachen dafür, dass diese drei Superzyklen sich derzeit synchron im Tief befinden. Doch das sei kein Grund, schwarz zu malen. „Die 200-jährige Geschichte der Globalisierung ist nicht zu Ende, sie macht nur eine Pause“, so Moryson. Strukturreformen und Freihandelsabkommen könnten die aktuellen Probleme lösen helfen. In dem Umfang, in dem die Maßnahmen nicht umgesetzt würden, verlangsame sich der Gesundungsprozess.

„Insofern wird man sich noch auf eine längere Schwächephase der Weltwirtschaft einstellen müssen“, sagt Moryson. Langfristig gebe es aber durchaus gute Perspektiven: neben Entschuldung und Strukturreformen der überschuldeten Staaten etwa der Ausbau der Dienstleistungen und Liberalisierungen in der Wirtschaft.

Anleger formen Superzyklen – und umgekehrt

Für die eigene Anlagestrategie sollten Investoren berücksichtigen, dass sie mit ihren Entscheidungen Superzyklen an den Finanzmärkten nicht nur formen, sondern dass sich Superzyklen auf sie und ihr Verhalten auswirken: Nach zehn schlechten Aktienjahren etwa hätten US-Haushalte zwischen 1975 und 1990 ihre Aktienquoten massiv abgebaut – genau in eine positive Aktienmarktentwicklung hinein.

Ähnlich sei es im Jahr 1980 mit Staatsanleihen gewesen, die sich in den Folgejahren sehr gut entwickelten. „Insbesondere die Finanzkrise hat die Einstellung vieler Marktteilnehmer zum Thema Risiko nachhaltig verändert“, sagt Anlagestratege Lars Edler. Vor allem junge Menschen würden nun über viele Jahre hinweg risikoavers agieren.