Sacha Sadan, LGIM „Das ist Blabla“

Sacha Sadan: „Wir sehen es als unserer Pflicht und gutes Recht an, auf mögliche Missstände hinzuweisen und Veränderungen einzufordern“.  | © LGIM

Sacha Sadan: „Wir sehen es als unserer Pflicht und gutes Recht an, auf mögliche Missstände hinzuweisen und Veränderungen einzufordern“. Foto: LGIM

private banking magazin: Sie leiten bei LGIM eine Abteilung, die sich um Unternehmensrichtlinien der Firmen kümmert, in die LGIM investiert. Sind Sie ein Störenfried für Firmenlenker?

Sacha Sadan: Zunächst einmal tragen wir Verantwortung für unsere Investoren. Die vertrauen uns ihr Kapital an. Es ist daher unsere höchste Priorität, deren Interesse zu vertreten. Nun sind unsere Kunden über Investmentfonds der LGIM in Unternehmen investiert, sie haben Stimmrechte und sind Gesellschafter, Miteigentümer der jeweiligen Unternehmen. Da sehen wir es als unserer Pflicht und sehr gutes Recht an, auf mögliche Missstände hinzuweisen und Veränderungen einzufordern. Sind wir daher manchmal Störenfriede? Bestimmt. Aber wir möchten Unternehmen konstruktiv begleiten, weil wir an Veränderungen glauben und weil wir die Ertragslage der Unternehmen verbessern wollen. Werden wir trotzdem manchmal laut? Ja, werden wir. Wir fordern Veränderungen, die unseren Kunden zu Gute kommen.

In welche Bereiche der Unternehmen mischen Sie sich ein?

Sadan: Da haben wir eine recht breite Palette. Wir bewerten die Unternehmenskultur. Wie werden Mitarbeiter motiviert und bezahlt und wie ist es um die Unternehmenskultur bestellt? Wir setzen uns für gerechte Bezahlungen von Männern und Frauen ein. Wir wollen mehr Frauen im höheren Management und in den Vorständen sehen und wir legen großen Wert auf eine nachhaltige und ökologische Unternehmenspolitik. Große Konzerne müssen Vorbilder für die Gesellschaft sein und nicht qua ihrer Größe eine Sonderposition einnehmen dürfen. Das ist aber leider noch häufig der Fall.

Gibt es Standardfehler? Klassiker innerhalb der Unternehmensführung, die Sie stets bemängeln?

Sadan: Es gibt eine Managementgeneration oder auch einen Manager-Typ, der an stets gewohnten Abläufen festhält. „Das haben wir schon immer so gemacht“. Da können Sie in den Führungsebenen darunter noch so talentierte Mitarbeiter mit großartigen Ideen haben, die werden nicht gehört. Schlimmstenfalls herrscht dort eine Unternehmenskultur und Stimmung, die Veränderungen oder auch nur erste Ideen gar nicht zulässt. Mitarbeiter trauen sich nicht, etwas zu sagen. So ein Klima ist nicht gut für die Belegschaft und schon gar nicht fürs Geschäft. Vergessen Sie auch nicht, in welcher Zeit wir leben. Geschäftsmodelle verändern sich heute extrem rasant und eine vorrauschauende Führungsebene ist heute von existentiellerer Bedeutung.