Hinter jeder scheinbar optimalen Allokation stehen Annahmen. In der Praxis hängen die Ergebnisse mathematischer Analysen stark von den gewählten Input-Parametern ab. Deshalb sollten Modelle Entscheidungen unterstützen, nicht ersetzen.
Die moderne Portfoliotheorie beruht auf einer einfachen Idee: Für jedes Risiko gibt es ein optimales Portfolio. Wer die zentralen Kennzahlen kennt, kann die beste Allokation mathematisch bestimmen. Diese Vorstellung prägt die Praxis der strategischen Asset-Allokation (SAA) bis heute.
SAA-Analysen schaffen Struktur
Institutionelle Investoren legen Allokationen meist unter Restriktionen fest. Versicherer beachten regulatorische Grenzen, Stiftungen arbeiten mit eigenen Richtlinien, Family Offices mit Präferenzen für Liquidität, Konzentration oder Ausschüttungen.
Hier braucht es zukunftsgerichtete Analysen. Sie zwingen dazu, klar zu benennen, welches Risiko tragbar ist, welche Rendite erwartet wird und welche Restriktionen gelten. Erst dann lässt sich eine Allokation sinnvoll auf Plausibilität prüfen.
Als Beispiel dient die exemplarische Allokation eines deutschen berufsständischen Versorgungswerks.
Abbildung 1: Jede SAA-Analyse beginnt mit der IST-Allokation. Quelle: GAC GmbH auf Basis von Geschäftsberichten und weiteren Quellen; Liquidität ist mit 5 Prozent angesetzt.
Dieser Artikel richtet sich ausschließlich an professionelle Investoren. Bitte melden Sie sich daher einmal kurz an und machen einige berufliche Angaben. Geht ganz schnell und ist selbstverständlich kostenlos.
Hinter jeder scheinbar optimalen Allokation stehen Annahmen. In der Praxis hängen die Ergebnisse mathematischer Analysen stark von den gewählten Input-Parametern ab. Deshalb sollten Modelle Entscheidungen unterstützen, nicht ersetzen.
Die moderne Portfoliotheorie beruht auf einer einfachen Idee: Für jedes Risiko gibt es ein optimales Portfolio. Wer die zentralen Kennzahlen kennt, kann die beste Allokation mathematisch bestimmen. Diese Vorstellung prägt die Praxis der strategischen Asset-Allokation (SAA) bis heute.
SAA-Analysen schaffen Struktur
Institutionelle Investoren legen Allokationen meist unter Restriktionen fest. Versicherer beachten regulatorische Grenzen, Stiftungen arbeiten mit eigenen Richtlinien, Family Offices mit Präferenzen für Liquidität, Konzentration oder Ausschüttungen.
Hier braucht es zukunftsgerichtete Analysen. Sie zwingen dazu, klar zu benennen, welches Risiko tragbar ist, welche Rendite erwartet wird und welche Restriktionen gelten. Erst dann lässt sich eine Allokation sinnvoll auf Plausibilität prüfen.
Als Beispiel dient die exemplarische Allokation eines deutschen berufsständischen Versorgungswerks.
Abbildung 1: Jede SAA-Analyse beginnt mit der IST-Allokation. Quelle: GAC GmbH auf Basis von Geschäftsberichten und weiteren Quellen; Liquidität ist mit 5 Prozent angesetzt.
Schon kleine Annahmeänderungen verändern das Bild
Die Ergebnisse einer SAA-Analyse hängen stark von den gewählten Input-Parametern ab. Dass diese Parameter nicht eindeutig sind, zeigt sich schon an wenigen Assetklassen wie US-Aktien, US-Anleihen, US-Immobilien und Private Equity. Historische Kennzahlen und Experten-Schätzungen liegen hier teils weit auseinander. Besonders deutlich wird das bei Private Equity: Auf Basis geglätteter NAV-Bewertungen wirkt die Volatilität oft wie rund 10 Prozent. Nach Entglättung gehen manche Analysten eher von 20 bis 25 Prozent aus.
Abbildung 2: Historische und erwartete Rendite-Risiko-Kennzahlen stimmen nicht notwendig überein. Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis für US-Aktien und US-Anleihen; Damodaran, NYU Stern, Historical Returns on Stocks, Bonds and Bills: 1928 bis 2024 für US-Immobilien; eigene EUR-Umrechnung, Anleihen EUR-gesichert. Private Equity und Experten-Schätzungen auf Basis eigener Berechnungen mit externen Marktdaten und Kapitalmarktannahmen.
Abbildung 3 zeigt zwei Analysen derselben IST-Allokation. Schon kleine Änderungen bei erwarteten Renditen oder Volatilitäten verschieben die Ergebnisse spürbar. Mathematisch ist das konsequent. Für Investoren ist es aber heikel, weil Modelle eine Präzision suggerieren, die in den Input-Parametern nicht vorhanden ist.
Abbildung 3: Gleiche IST-Allokation, andere Annahmen, andere Ergebnisse. ¹ Renditen auf Basis simulierter Entwicklungspfade der IST-Allokation, nicht als einfache Gewichtung der Input-Parameter. ² Durchschnittliche annualisierte Schwankung der simulierten Renditen; nach 1 Jahr meist leicht niedriger, weil je Pfad weniger Daten vorliegen. ³ Durchschnitt der schlechtesten 5 Prozent beziehungsweise 1 Prozent der simulierten Wertentwicklungen zum jeweiligen Zeitpunkt. Quelle: Combin Tech GmbH.
Dasselbe gilt im nächsten Schritt für die Optimierung. Auch sie liefert nur unter den gewählten Annahmen und Nebenbedingungen eine beste Lösung. Im Beispiel in Abbildung 4 darf jede Assetklasse um höchstens 5 Prozentpunkte von der IST-Allokation abweichen, Immobilien sind auf 25 Prozent begrenzt, Aktien und Private Equity zusammen auf 40 Prozent. Die optimale Lösung ist daher keine abschließende Antwort, sondern ein Modellresultat unter bestimmten Annahmen.
Abbildung 4: Optimierung findet die beste Lösung unter den gewählten Annahmen. Quelle: Combin Tech GmbH.
SAA heißt Annahmen verantworten
SAA-Analysen und Optimierungen sollten keine Blackbox sein. Gute SAA-Prozesse legen Annahmen offen, machen Restriktionen sichtbar und nutzen Ergebnisse als Diskussionsgrundlage.
| Typischer Irrtum | Bessere Lesart |
|---|---|
| „Das Modell hat die optimale Allokation berechnet." | Das Modell liefert die beste Allokation unter den gewählten Annahmen. |
| „Das Ergebnis ist objektiv." | Das Ergebnis ist modellkonsistent, aber von den Input-Parametern abhängig. |
Aus genau diesen Überlegungen heraus haben wir bei Combin Tech eine Software für die SAA entwickelt, die unter www.combin.tech kostenfrei genutzt werden kann.
Über den Autor
Sebastian Geissel ist Professor für Finanzierung an der Hochschule Trier und arbeitete unter anderem bei HSBC. 2025 gründete er Combin Tech, das eine softwaregestützte SAA-Analyse ermöglicht. Die in diesem Beitrag verwendeten Abbildungen 3 und 4 basieren auf Analysen der Combin Tech GmbH.
Den ersten Teil der Reihe „SAA: Unbequeme Wahrheiten“ können Sie hier lesen, den zweiten Teil können Sie hier lesen.