Weinkolumne von Oliver Morath für die Finanzwelt Rut und Wiess: Österreich und Wein, da war doch was?

Weinkolumne „Rut und Wiess“ von Oliver Morath

Weinkolumne „Rut und Wiess“ von Oliver Morath: In der Alpenrepublik findet sich in Sachen Genuss so manche Perle. Foto: Oliver Morath

Nachdem die erste Kolumne so toll angekommen ist, haben wir uns entschieden das Thema zu erweitern: So werde ich hier auch immer wieder spannende Reiseberichte veröffentlichen sowie Weinlokale und deren Keller vorstellen.

Den Auftakt bilden soll ein Weinland, dessen Ruf vor Jahrzehnten durch Panscher ruiniert schien, denn – Österreich und Wein, da war doch was? Nämlich der große Weinskandal von 1985. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, weil schon bald danach eine unglaubliche Erfolgsgeschichte begann: Gepanscht wurde nicht mit Zucker, sondern mit Frostschutzmittel – Glykol als Süßungsmittel erlangte damals traurige Berühmtheit. Dieser Weinskandal entwickelte ein Ausmaß, das dem österreichischen Wein weit über die Landesgrenzen hinaus fragwürdigen Ruhm bescherte.

Weil die Gier keine Grenzen kennt

Aufgedeckt wurde das Ganze, weil die Gier keine Grenzen kennt: Einer der Winzer, im Besitz nur eines kleinen Traktors, hatte in seiner Steuererklärung soviel Frostschutzmittel gelten machen wollen, dass dies der prüfenden Behörde spanisch vorkam und den Stein ins Rollen brachte. Leider braucht es wohl immer wieder solche Vorfälle, um aus den Ruinen aufzuerstehen. Den österreichischen Winzern und ihren Weinen ist das wahrlich gelungen. Grundlage war das neu geschaffene Weingesetz, damals sicherlich das strengste der Welt.

Seit 1985 ist die nummerierte rot-weiß-rote Banderole Vorschrift für jeden österreichischen Qualitätswein und dazu noch visuelles Marketing, das seinesgleichen sucht. Seitdem wurde wirklich Wert auf Qualität gelegt, einige der heutigen Bordeaux Blends können es mit ihren großen Geschwistern wahrlich aufnehmen, die Süßweine aus Österreich haben Weltruhm erreicht – einige Weißweine gehören nicht nur zu den besten dieser Stilrichtung, sie gehören auch zu denen, für die Sammler und Genießer Höchstpreise auf Auktionen bezahlen.

Skifahren, Wandern und Genuss

Irgendwie passt dies alles zu einem Land, das sich selbst gerne auf Bällen mit Champagner und Haubenessen in Fliege und Frack feiert. Die Stilfrage besteht Österreich ganz sicher. Wenn man sich dann noch ansieht, was in der Hotel- und Restaurantszene in den vergangenen Jahren passiert ist, ist klar: Gutes Leben, tolles Essen und der dazugehörige Wein werden groß geschrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Hotel Kaiserblick in Ellmau. Inhaber ist die Familie Künig – das Wort, welches diese Familie am besten beschreibt ist: weinverrückt. Die Weinkarte im Restaurant hat ungefähr das Format des Neuen Testaments. Auf dieser Karte fehlt einfach nichts. Eine Riesenauswahl an tollen österreichischen Weinen, das who is who der lokalen Weinszene. Aber auch andere europäische Länder kommen nicht zu kurz, weder in Auswahl noch in der Tiefe der Jahrgänge.

Genussburgen und Weinfestungen

Besonderes Augenmerk legt man mittlerweile auf das Nachbarland im Westen. Es sind einige große Gewächse auf der Karte und viel sonstige Schätze aus Deutschland. Das Lesen der Weinkarte hat mir jeden Abend aufs neue Spaß gemacht. Ein wirklicher Höhepunkt ist die Beratung durch den hauseigenen Somelier, Heribert – ein wirklicher Fachmann und Weinliebhaber.

Neben diversen Weinkellern, die man besichtigen kann, hat das Hotel einen eigenen Genussmarkt und ist eine Außenstelle für die Glasmanufaktur Riedel. Jeden Abend aufs neue wird man überrascht durch das passende Glas zum Wein und als wäre das nicht genug, der Wein wird immer in einer der vielen Riedel Weinkaraffen gelüftet. So durfte ich dieses Jahr am letzten Abend einen Bela Rex von Gesellmann genießen, ausgegossen aus der Karaffe Mamba Double Magnum - ein echtes Spektakel.

Kurzum, Österreichische Hotels sind in den letzten Jahren wahre Weinfestungen und Genussburgen geworden – das Kaiserblick ist nur ein Beispiel dafür.

Wer seine Liebe zu Magnumflaschen befriedigen möchte, der sollte mal nach Sankt Christoph am Arlberg – immer vorausgesetzt, das Portemonnaie erlaubt es, weitere Urlaube sind nämlich dann im selbigen Jahr schwierig zu bewerkstelligen.  Dort lagern auf 1793 Metern deutlich über 1500 Magnum-Flaschen in einem Großflaschenkeller, der viele hundert Jahre alt ist und weit über 50.000 normale Flaschen umfasst. Der Keller ist Teil der Hospiz Alm, einem echten 5-Sterne-Tempel. Ich kenne dies alles leider nur aus Erzählungen und Berichten – es steht aber auf der Liste der ToDos. Schaut es Euch einfach mal auf YouTube an.

Wenn Euch die Kolumne gefallen hat, gerne wieder Feedback an: [email protected]

Oliver Morath schreibt regelmäßig für das private banking magazin seine Weinkolumne „Rut und Wiess“. Copyright des Logos: Lucca Morath.

Über den Kolumnisten: 
Oliver Morath kommt ursprünglich aus dem Fondsgeschäft. Nach Stationen bei Nordea und Barings war er die vergangenen sieben Jahre Leiter des Vertriebs bei der Kölner Fondsgesellschaft Flossbach von Storch, die er im Oktober verlassen hat. Er ist mit drei Freunden an einem Weinberg beteiligt, unterhält zusammen mit Malte Dreher eine Whatsapp-Gruppe zu zeitgenössischer Literatur und zusammen spielt man recht leidlich Golf. In seinem Weinkeller bei Köln liegen derzeit knapp unter 1.000 Flaschen.