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Rudi Van den Eynde im Interview „Langfristig gesehen ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt für Biotech-Aktien“

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Die USA sind mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern nur ein Teil der Welt. Ist das US-Gesundheitssystem so wichtig für den Sektor?

Van den Eynde: Tatsächlich ist der Anteil an der Gesamtbevölkerung nicht so groß. Aber die Preise sind höher als im Rest der Welt. Und ein wichtiger Teil der Gewinne wird in den USA erwirtschaftet. Das gilt auch für europäische oder japanische Biotech-Unternehmen. Wenn sich in den USA das System ändert, etwa die Preise zurückgehen, sind die Auswirkungen höher, als man aufgrund der Einwohnerzahl denken könnte. Die US-Preise sind auch eine Art Benchmark. Wenn sie fallen, könnte das die Preise in anderen Ländern drücken.

Noch kommen die meisten Biotech-Unternehmen aus den USA. Wird sich das ändern?

Van den Eynde: In den USA gibt es die meiste Forschung, was wiederum die Talente in die USA lockt. Auch das Venture Capital konzentriert sich dort. Rund um Boston gibt es ein riesiges Ökosystem aus Fachleuten und Top-Universitäten. Ich denke, dass auch in den nächsten fünf Jahren der größte Fortschritt aus den USA kommen wird. Europa hat ein paar gute Unternehmen, aber kein großes flächendeckendes Ökosystem.

Und China?

Van den Eynde: China wird wichtiger werden. Derzeit ist China jedoch ein Absatzmarkt und kein Konkurrent. Chinas Regierung fördert das Gesundheitssystem mittlerweile stark, was den Zugang zu neuen guten Medikamenten für Einwohner erschwinglicher macht. Die Regierung fordert aber auch eine eigene Forschung. Es braucht jedoch Zeit, einen akademischen Research-Apparat aufzubauen, neue Medikamente zu erfinden und diese auf den Markt zu bringen. Aktuell ist China auf dem Niveau, Medikamente mit demselben Wirkungsmechanismus wie westliche Produkte entwickeln zu können. Aber sie haben bislang keine neuen Ansätze. Das wird noch ein paar Jahre dauern.

Was treibt Biotech-Aktien, abgesehen von politischen Themen zum Gesundheitswesen?

Van den Eynde: Es ist nicht die Konjunktur, nicht der Dollar, nicht der Zins. Der Antrieb erfolgt sehr unternehmensspezifisch, die Innovation und die klinischen Daten bestimmen den Erfolg der einzelnen Aktie. Wenn es gut läuft und die Investoren überzeugt sind, springt die Aktie an, selbst wenn der Gesamtmarkt gerade fällt. Langfristig treibt nur eines den Kurs eines Biotech-Unternehmens: die erfolgreiche Entwicklung der Pipeline. Kurzfristig beeinflussen auch Spekulationen oder Gerüchte die Kurse.

Ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt? Die US-Wahlen sind ja noch nicht vorbei.

Van den Eynde: Der Wahlkampf wird sicherlich noch für etwas Unruhe im Sektor sorgen. Langfristig gesehen ist es jedoch ein guter Einstiegszeitpunkt. Die Bewertungen sind gefallen in den vergangenen Jahren. Die Unternehmensgewinne sind stärker gestiegen als die Kurse, daher sind die Aktien zurzeit günstig zu haben. Langfristig ausgerichtete Investoren könnten jetzt beginnen, Bestände im Biotech-Sektor aufzubauen.