Rudi Van den Eynde im Interview „Langfristig gesehen ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt für Biotech-Aktien“

Rudi Van den Eynde, Fondsmanager des Candriam Equities L Biotechnologie: „Langfristig treibt nur eines den Kurs eines Biotech-Unternehmens: die erfolgreiche Entwicklung der Pipeline.“ | © Candriam

Rudi Van den Eynde, Fondsmanager des Candriam Equities L Biotechnologie: „Langfristig treibt nur eines den Kurs eines Biotech-Unternehmens: die erfolgreiche Entwicklung der Pipeline.“ Foto: Candriam

Biotechnologie galt lange als der risikoreiche Part im Gesundheitswesen. Trifft dies heute noch zu?

Rudi Van den Eynde: Der Biotech-Sektor ist heute größer, als viele denken. Er enthält nicht nur kleine Unternehmen. Vor allem in den USA gibt es eine ganze Reihe großer Biotechs, die seit Jahren erfolgreich sind, viel Cashflow erwirtschaften und gute Bilanzen haben. Das Risiko hängt davon ab, in welche Aktie man investiert. Junge Unternehmen, die noch kein Medikament auf dem Markt haben, sind sicherlich risikoreich. Man muss einschätzen, ob die Forschung in einer Zulassung endet. Eine solche Einschätzung erfordert Sachkenntnis und Erfahrung, aber selbst damit gibt es ein Restrisiko. Daher sollte man über viele Titel diversifizieren. Insgesamt ist Biotech schon volatiler, kann aber auch mehr Alpha generieren.

Welche Unternehmen sind für Sie interessanter: die kleinen risikoreichen oder die großen mit erfolgreichen, zugelassenen Medikamenten?

Van den Eynde: Wir haben beide Kategorien im Universum und im Fonds. Die Großen sind stabiler, die Kleinen können extra Alpha liefern, da sie stark auf klinische Updates reagieren. Wir passen unser Fondsportfolio auch ans Marktumfeld an. Wenn es eher schlecht ist, werden die großen Unternehmen etwas stärker gewichtet.

Wo liegen zurzeit die besten Chancen im Biotech-Bereich?

Van den Eynde: Es gibt gute Anlagechancen in vielen Teilbereichen. Bei vielen Krankheiten sind Fortschritte in der Behandlung zu verzeichnen, ob bei seltenen Krankheiten, in der Onkologie oder im Herz-Kreislauf-Bereich. Zudem ermöglichen neue Technologien Behandlungen, die vorher nicht möglich waren. Zum Beispiel bietet die Gentherapie für seltene Krankheiten erste neue Lösungen. In der Krebsforschung sorgt die Immunonkologie für Innovationen. Solche Entwicklungen kommen nicht nur aus kleinen Firmen, sondern auch aus den großen.

Seit über einem Jahr kann der Biotech-Markt mit der breiten Aktienperformance nicht mithalten. Woran liegt es?

Van den Eynde: Dem Sektor geht es grundsätzlich gut. Die etablierten Unternehmen steigern ihre Umsätze, die Erwartungen bei Umsätzen und Gewinnen werden erfüllt. Grund für die schlechtere Performance ist die politische Debatte in den USA in Zusammenhang mit den anstehenden Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr. Vor allem Demokraten pochen auf eine Senkung der Medikamentenpreise, die höher sind als in anderen Ländern. Das würde den gesamten Gesundheitssektor auf den Kopf stellen, denn dieser ist privat, in die USA die öffentliche Hand hat bislang keinen Einfluss auf die Preise. Für die schwache Entwicklung der Aktien reicht schon die Debatte darüber. Investoren sind verunsichert und warten ab, wie es weitergeht.

Was denken Sie, wie es weitergeht?

Van den Eynde: Wir glauben, dass sich grundsätzlich nichts ändern wird. Nicht alles, was im Wahlkampf angekündigt wird, wird später auch umgesetzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen Politiker gibt, der sich Innovationen im Gesundheitsbereich entgegenstellt. Und eine gute Art, Innovationen gut zu fördern, ist über den freien Markt, auch wenn das US-Gesundheitswesen einiger Änderungen oder Anpassungen bedarf.