Roundtable zu Nachhaltigen Kapitalanlagen „Der Trend wird zu einer Tugend“

Die Teilnehmer der Nachhaltigkeits-Gesprächsrunde: Manuela von Ditfurth, Invesco Asset Management, Christoph von der Lancken (l.), Versorgungswerk der Zahnärzte Schleswig-Holstein, und Kai Neugebauer vom Spudy Family Office. | © Johannes Arlt

Die Teilnehmer der Nachhaltigkeits-Gesprächsrunde: Manuela von Ditfurth, Invesco Asset Management, Christoph von der Lancken (l.), Versorgungswerk der Zahnärzte Schleswig-Holstein, und Kai Neugebauer vom Spudy Family Office. Foto: Johannes Arlt

private banking magazin: Über 160 institutionelle Investoren, Kassen und Versorgungswerke wurden Ende vergangenen Jahres europaweit zu den großen Trends in der Kapitalanlage befragt. Über 60 Prozent der Befragten gaben an, dass ESG-Anlagen stärker in den Fokus rücken werden. ESG-Investments sind laut Studie im Mainstream institutioneller Kunden angekommen. Nehmen Sie diese Entwicklung auch so wahr?

Manuela von Ditfurth: Absolut, und darüber sind wir sehr erfreut. Wir sind seit fast 20 Jahren im Bereich der nachhaltigen Kapitalanlage aktiv, und natürlich war das zunächst ein Nischenprodukt. Die Gleichung war folgende: Wer restriktiv Unternehmen, also Aktien, oder auch Rentenpapiere aus einem Anlageuniversum ausschließt, kann nicht die gleiche Rendite erhalten wie der, der sich aus dem Gesamtuniversum bedienen kann. Etliche Studien widerlegen dieses Vorurteil, und so ist auch langsam das Vertrauen der Marktteilnehmer gewachsen. Inzwischen werden weltweit 22 Billionen US-Dollar nach ESG-Kriterien angelegt und verwaltet. Das ist ein gutes Drittel aller weltweiten Kapitalmarktinvestitionen.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

von Ditfurth: Die positiven Erträge haben sicherlich die Verbreitung gefördert. Vielfach haben sich aber auch große institutionelle Investoren, Pensionskassen und Versorgungswerke dazu verpflichtet, nachhaltiger zu investieren. Sie haben sich zertifizieren lassen oder eigene restriktive Regelwerke aufgesetzt. Denken Sie nur an den riesigen norwegischen Staatsfonds, der sich aus allen Anlagen in fossile Brennstoffe verabschiedet hat. Das hat Signalwirkung.

 Quelle: Union Investment, Stand: 2017

Herr von der Lancken, Sie sind seit über 30 Jahren im Private Banking und im institutionellen Geschäft aktiv. War Nachhaltigkeit zu früheren Zeiten schon ein Thema?

Christoph von der Lancken: Vereinzelt bereits in den 80er Jahren. Ich erinnere mich an Hauptversammlungen von Daimler-Benz. Die wurden massiv für die Produktion und den Verkauf von Unimogs nach Südafrika kritisiert, weil die Südafrikaner dort Waffen auf die Wagen montierten. Das waren jedoch eher die Themen von Aktionärsvertretern. Im Bankengeschäft spielte Nachhaltigkeit eine eher untergeordnete Rolle. Heute erkenne ich, dass Nachhaltigkeit den Shareholder Value steigern kann, allerdings sind wir als berufsständiges Versorgungswerk der Rendite verpflichtet. Ein alles bestimmendes Thema ist Nachhaltigkeit in Ausschusssitzungen daher noch nicht.

von Ditfurth: Gleichwohl haben Sie heute eine breite Auswahl an Ausschlusskriterien innerhalb des Nachhaltigkeitsuniversums. Von einem Best-in-Class-Ansatz, über Impact Investments bis hin zu ganz rigiden Kriterien. Wir managen etwa einen Fonds für kleinere und mittelgroße Stiftungen, der einen sehr harten Filter an den Aktienindex MSCI World ansetzt. Von 1.600 Unternehmen bleiben kaum mehr als 800 übrig. Mit einem entsprechenden Anlageprozess ist Rendite indes auch mit diesen Ausschlusskriterien gut möglich. Das gilt aber nicht nur für Aktien, sondern auch für Anleihen. Auch hier können wir für unsere Anleger die gewünschten Einschränkungen berücksichtigen.   

von der Lancken: Ich war bis 2006 im Beirat eines konfessionellen Kreditinstituts. Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde sehr hochgehalten, wir haben uns aber wahnsinnig schwergetan, entsprechend zu handeln. Es gab keine richtigen Produktlösungen. Das hat sich stark geändert in den vergangenen Jahren.