Rote Zahlen beim Atomfonds Nach Anlaufverlusten soll 2019 die Wende bringen

Kernkraftwerk Isar in Niederbayern, 14 Kilometer flussabwärts von Landshut: Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung soll die eingezahlten Mittel im Laufe dieses Jahrhunderts so verwalten und anlegen, dass die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Abfalls in Deutschland gewährleistet ist. | © Pixabay

Kernkraftwerk Isar in Niederbayern, 14 Kilometer flussabwärts von Landshut: Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung soll die eingezahlten Mittel im Laufe dieses Jahrhunderts so verwalten und anlegen, dass die Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung des radioaktiven Abfalls in Deutschland gewährleistet ist. Foto: Pixabay

Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, kurz Kenfo, hat das Geschäftsjahr 2018 mit einem Verlust von 71,5 Millionen Euro abgeschlossen. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vorrechnet, standen Erträgen von 20,9 Millionen Euro Aufwendungen von 92,4 Millionen Euro gegenüber. Dabei kann es sich der erste deutsche Staatsfonds, als der er intern eingestuft wird, rote Zahlen nicht leisten. 

Nach den Anlaufverlusten soll Kenfo in diesem Jahr erstmals einen kleinen Gewinn machen. Ursprünglich hatte Finanzvorstand Thomas Bley erwartet, dass der Fonds von 2020 an mit Gewinnen arbeitet. Nun sehe es so aus, als wenn man die Gewinnzone ein Jahr früher erreichen könne, meinte Bley nach Angaben der FAZ. 

Der Atomfonds steht seit seiner Gründung vor zwei Jahren unter strenger Beobachtung der Öffentlichkeit. Schließlich handelt es sich bei dem Konstrukt, das bei seiner Gründung mit rund 24 Milliarden Euro ausgestattet wurde, um die größte öffentlich-rechtliche Stiftung Deutschlands. Diesen Betrag hatten Energieversorger Mitte 2017 eingezahlt, um sich aus der Atommüllentsorgung und den damit verbundenen Risiken herauszukaufen. 

Atomfonds übernimmt bereits Entsorgungskosten 

Doch Wachstum verbuchte der Fonds mit seinen Anlagen bislang nicht. Vielmehr schrumpfte der Kapitalstock aufgrund von Anlaufverlusten und Auszahlungen für Entsorgungskosten im vergangenen Jahr auf 23,6 Milliarden Euro. Soll der Fonds seiner Aufgabe gerecht werden, muss das Vermögen am Ende dieses Jahrhunderts auf 169 Milliarden Euro wachsen.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Vermögen eine jährliche Rendite von 3,7 Prozent abwerfen, haben die inzwischen 21 Mitarbeiter des Fonds ausgerechnet. Nur so lassen sich die voraussichtlichen Entsorgungskosten für den strahlenden Müll aus den deutschen Kernkraftwerken, die mit Hilfe des Fonds abgedeckt werden sollen, ohne Steuergelder begleichen. 

Der Fonds investiert seine Anlagemilliarden schrittweise am Kapitalmarkt und streut immer stärker über Anleihen und Aktien sowie Unternehmensbeteiligungen und Infrastrukturinvestitionen. Ein Großteil des Stiftungsvermögens ist noch nicht angelegt, sondern liegt auf Konten der Bundesbank brach und kostet angesichts eines Zinssatzes von minus 0,4 Prozent viel Geld. 2018 zahlte der Fonds 86,4 Millionen Euro Negativzinsen an die Bundesbank.

Die eigentliche Kapitalanlage nimmt nun aber allmählich Fahrt auf. Laut „Börsen-Zeitung“ waren Ende 2018 rund 4,3 Milliarden Euro investiert, zur Jahresmitte 2019 waren es bereits 9,1 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Wertentwicklung auf das Fondsvermögen in der Aufbauphase lag nach Stiftungsangaben bei 6,2 Prozent pro Jahr. Dem Bund erstattete der Fonds bislang 460 Millionen Euro für Entsorgung, davon 181 Millionen Euro im vergangenen Jahr.