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BlueBay-Investmentchef „Rot-Rot-Grün bleibt vorerst unwahrscheinlich“

Bundesfinanzminister Olaf Scholz im Gespräch mit EZB-Chefin Christine Lagarde

Bundesfinanzminister Olaf Scholz im Gespräch mit EZB-Chefin Christine Lagarde: Sowohl auf die kommende EZB-Sitzung als auch auf die bevorstehende Bundestagswahl sind Anleger gespannt. Foto: IMAGO / photothek

Mark Dowding, Chief Investment Officer

In den vergangenen Tagen wurde die Renditekurve steiler: Die US-Notenbank Fed hatte angekündigt, ihre Entscheidung über den Beginn des Tapering, also den Ausstieg aus den Anleihekäufen, angesichts der Ungewissheit über die Ausbreitung der Delta-Variante bis November aufzuschieben. Diese Entscheidung stützte die Stimmung für Risikoanlagen und führte dazu, dass Anleger von der Rede des Fed-Chefs Jerome Powell auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole nur relativ wenig Neues erwarten.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten zeigen eine gewisse Schwäche. Sie erklären sich zum Teil durch Eintrübungen im Ausblick von Unternehmen und Unsicherheiten in Bezug auf Covid-19. Ein Großteil des Abwärtstrends bei den Daten scheint nicht zuletzt auf die Engpässe bei den Lieferketten zurückzuführen zu sein, die sich teils erheblich auf die Produktion auswirken.

Nichtsdestotrotz ist der zugrunde liegende Trend bei den Wirtschaftsdaten nach wie vor stabil: In vielen Bereichen trifft ein Nachfrageüberhang auf ein geringes Angebot – was in naher Zukunft einen weiteren Aufwärtsdruck auf die Preise auslösen könnte.

EZB könnte PEPP-Käufe verringern

Auch in Europa steht die Geldpolitik womöglich vor einer minimalen Abschwächung. Kommentare aus der EZB-Führung deuten darauf hin, dass die PEPP-Käufe nach der EZB-Sitzung im September verringert werden könnten. Darüber mag man streiten; uns erscheint es allerdings in der Tat unwahrscheinlich, dass die Falken im EZB-Rat das PEPP verlängern beziehungsweise zum jetzigen Zeitpunkt weitere Ankaufprogramme für Vermögenswerte ankündigen wollen.

Die Konjunkturdaten im gesamten Euroraum zeigen sich nach wie vor vergleichsweise stark. Auch bei den Aussichten für das Jahresende bleiben wir optimistisch: Die europäische Finanzpolitik mit ihren sich auf ganz Europa erstreckenden Unterstützungsmaßnahmen wird die Wachstumsaussichten in den kommenden Quartalen begünstigen.

Rot-Rot-Grün würde zu einer noch weiter gelockerten Geldpolitik führen

Knapp einen Monat vor der Bundestagswahl scheint sich die Wählergunst dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz und seiner Partei zuzuneigen. Im Großen und Ganzen dürfte die Bundestagswahl keine große Bedeutung für die Finanzmärkte haben. Sollte es jedoch zu einer Koalition zwischen SPD, Die Linke und Grünen kommen (Rot-Rot-Grün), werden die Karten für die Märkte neu gemischt. Ein entschlossener Linksschwenk könnte zu einer finanzpolitisch noch weiter gelockerten Geldpolitik führen. Die Regeln des EU-Fiskalpakts könnten in größerem Umfang geändert werden – was sich positiv auf die EU-Spreads auswirken würde, während Bundesanleihen unter Druck gerieten. Dieser Wahlausgang bleibt jedoch vorerst recht unwahrscheinlich.