Studie von Roland Berger Mehr Private Equity, weniger Immobilien: So schichten Family Offices um

US Präsident Donald Trump

US-Präsident Donald Trump trägt seinen Teil dazu bei, dass die Verantwortlichen von Family Offices geopolitische Sorgen haben. Bildquelle: Imago Images / Newscom World

Family Offices haben sich zu hochprofessionellen Organisationen entwickelt und zählen inzwischen zu den relevanten Akteuren an den globalen Finanzmärkten. Wie sie ihre Portfolios im aktuellen Umfeld neu ausrichten, untersucht die Strategieberatung Roland Berger in ihrer Family-Office-Studie „New asset allocation in challenging times".

Dafür befragten die Berater zwischen Dezember 2025 und März 2026 insgesamt 88 Family-Office-Verantwortliche und assoziierte Experten – mit klarem DACH-Schwerpunkt. 78 Prozent der Teilnehmer stammen aus Deutschland, 14 Prozent aus der Schweiz, 6 Prozent aus Österreich. Von den Teilnehmern, die direkt in Family-Office-Strukturen tätig sind, arbeiten 69 Prozent für ein Single Family Office, 31 Prozent für ein Multi Family Office. Die Studie entstand unter Federführung von Senior Partner Justus Jandt.

Geopolitik verdrängt die Zinsfrage

Das auffälligste Ergebnis der Befragung: 88 Prozent der Family Offices stufen geopolitische Umbrüche als bedeutende oder sehr bedeutende Herausforderung ein – in der Vorperiode lag dieser Wert noch bei 65 Prozent. Der Anstieg um 23 Prozentpunkte spiegelt die gestiegene globale Unsicherheit wider, die laut den Studienautoren unmittelbar auf Investitionsentscheidungen durchschlägt. 

Damit rutscht die Zinsunsicherheit von der Spitze der Sorgenliste auf Rang zwei: 68 Prozent der Befragten halten sie für bedeutsam, nach 78 Prozent in der Vorperiode. Die Autoren werten das als Zeichen der Anpassung – viele Investoren haben sich mit dem neuen Zinsumfeld arrangiert. Gleichzeitig gewinnen strukturelle Themen an Gewicht: Die Digitalisierung nennen 65 Prozent als wesentliche Herausforderung (Vorperiode: 59 Prozent), die Energie- und Rohstoffkrise 59 Prozent (Vorperiode: 52 Prozent). Einige Family Offices verweisen zudem auf die zunehmende regulatorische Bürokratie. Am unteren Ende der Skala rangieren Pandemien mit 17 Prozent und der Klimawandel mit 16 Prozent.

 

Bemerkenswert ist die Gelassenheit, mit der die Verwalter der Familienvermögen diesen Herausforderungen begegnen. Nach mehreren durchlebten Krisen haben sie ihre Widerstandsfähigkeit gestärkt: Verbessertes Risikomanagement und kontinuierliche Umschichtungen erlauben es ihnen, diszipliniert und flexibel auf Marktverwerfungen zu reagieren.

Private Equity als Anker der Allokation

Bei der Vermögensaufteilung bleiben Immobilien mit 97 Prozent die am weitesten verbreitete Assetklasse (Vorperiode: 92 Prozent) – zugleich planen hier aber die zweitmeisten Befragten eine Reduktion. Cash halten 94 Prozent der Family Offices (Vorperiode: 92 Prozent), was die hohe Bedeutung von Liquidität und Flexibilität unterstreicht. 

Die stärkste Dynamik zeigen Private-Equity-Fonds: 88 Prozent der Family Offices sind investiert, 55 Prozent wollen ihre Positionen aufstocken – nach 48 Prozent in der Vorperiode. Es folgen Direktbeteiligungen, in denen 83 Prozent engagiert sind und die 50 Prozent ausbauen wollen (Vorperiode: 57 Prozent). Insgesamt plant damit mehr als die Hälfte der Family Offices eine höhere Private-Equity-Quote. Die Berater deuten dies als strategische Verschiebung hin zu mehr Kontrolle und stärkerer Nutzung interner Kompetenzen – Direktinvestments erfolgen selektiv dort, wo ausreichend Größe und Expertise vorhanden sind, häufig unter Einbindung externer Berater.

Auf Rang drei der Aufstockungspläne liegen Edelmetalle mit 45 Prozent – ein deutlicher Sprung gegenüber 29 Prozent in der Vorperiode und ein weiteres Indiz für die defensive Grundhaltung. Das schwächste Segment bleibt Venture Capital: Nur 19 Prozent wollen aufstocken (Vorperiode: 20 Prozent), während 35 Prozent ihr Engagement reduzieren – die Risikoaversion steigt. Landwirtschaft und Forsten sowie Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte spielen weiterhin eine Nebenrolle.

Infrastruktur wird zum wichtigsten Investitionsfeld

Auch inhaltlich schärfen die Family Offices ihren Fokus. Infrastruktur ist die klare Priorität: 69 Prozent planen Investments in diesem Bereich, nach lediglich 41 Prozent in der Vorperiode – ein Plus von 28 Prozentpunkten. Die Studienautoren führen dies auf stabile, inflationsgebundene Erträge und die hohe Resilienz der Assetklasse zurück. 

Dahinter folgt der Bereich Medizin und Healthcare, der für 58 Prozent relevant bleibt (Vorperiode: 61 Prozent) und mit seiner defensiven Ausrichtung zu den langfristigen demografischen Trends passt. Zugleich gewinnen Wachstumsthemen an Zugkraft: Künstliche Intelligenz legt von 37 auf 45 Prozent zu, Finance und Fintech steigen – wenn auch von niedriger Basis – von 8 auf 19 Prozent. Industrielle Anwendungen bleiben mit 27 Prozent (Vorperiode: 24 Prozent) weitgehend stabil, was auf anhaltendes, aber selektives Interesse an zyklischen Segmenten hindeutet. Das Thema Verteidigung kommt auf 14 Prozent; Vorjahreswerte weist die Studie hierfür nicht aus. Insgesamt suchen Family Offices die Balance zwischen resilienten, ertragsstarken Bereichen und gezielten Positionen in wachstumsstarken Innovationsthemen.

 

Nordamerika und Nordeuropa als Kernmärkte

Regional bleiben die Portfolios international, aber nicht vollständig globalisiert: 90 Prozent der Family Offices investieren im Ausland, doch nur 40 Prozent legen mehr als die Hälfte ihres Vermögens international an.

Nordamerika bleibt mit 88 Prozent Relevanz der wichtigste internationale Markt – die Befragten schätzen Tiefe und Liquidität. Dicht dahinter folgt Nordeuropa mit 87 Prozent, das zugleich als Hauptprofiteur gilt: 60 Prozent wollen ihr Engagement dort ausbauen, getrieben von wahrgenommener Stabilität, Vertrauen und attraktiven Risiko-Rendite-Profilen.

Als attraktivster nicht-westlicher Markt sticht Japan hervor: Rund 72 Prozent halten das Land für relevant, rund 44 Prozent planen Aufstockungen – Strukturreformen und verbesserte Unternehmensführung wirken als Treiber.

Indien und das übrige Asien ziehen selektives, langfristiges Wachstumsinteresse an: 36 beziehungsweise 32 Prozent der Family Offices wollen dort aufstocken – häufig über Fondsstrukturen im Interesse von Risikokontrolle und Planbarkeit. Für risikoreichere Regionen sinkt dagegen der Appetit: 30 Prozent wollen ihr Engagement im Nahen Osten zurückfahren, der zunehmend – ebenso wie Südamerika und Afrika – als nicht zum Kerngeschäft gehörend gilt.

Cybersicherheit bleibt die größte interne Baustelle

Auch organisatorisch arbeiten Family Offices an sich: Cybersicherheit bleibt mit 87 Prozent das wichtigste interne Thema (Vorperiode: 84 Prozent) – getrieben von wachsender digitaler Angriffsfläche und geopolitischen Ausläufern in die IT. Die Werte für Digitalisierung (81 nach 83 Prozent) und Professionalisierung (79 nach 82 Prozent) gehen leicht zurück, was die Autoren auf gereifte Strukturen und Prozesse zurückführen.

 

Bei den familienbezogenen Herausforderungen zeigt sich ebenfalls Entspannung: Die Bedeutung von Nachfolgestrukturen sinkt von 71 auf 65 Prozent, die von Governance-Strukturen zur Mitbestimmung von 68 auf 49 Prozent – ein Hinweis auf verbesserte Formalisierung und Klarheit. Gestiegen ist dagegen die Relevanz der Frage, wie sich die Risikoeinstellung der Familie im Portfolio widerspiegelt: 45 Prozent halten dieses Thema für wichtig (Vorperiode: 43 Prozent), da volatile Märkte eine aktivere Positionierung erfordern.

Das Fazit der Studie fällt positiv aus: Gestützt auf gestärkte interne Strukturen und disziplinierte Allokationsrahmen sind Family Offices gut positioniert, ihre Rolle als widerstandsfähige, langfristige Investoren weiter auszubauen.

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