Rohstoffe Rohstoffmärkte: Endlich ein tragfähiger Boden?

Markus Mezger ist Gründungsgesellschafter und Investmentchef bei Tiberius

Markus Mezger ist Gründungsgesellschafter und Investmentchef bei Tiberius

Relative Stärke von industriell verwendeten Rohstoffen

Im Juli 2013 hatten die Rohstoffmärkte die Ängste bezüglich einer restriktiveren US-Geldpolitik weitgehend abgeschüttelt. Wie in unserem letzten Marktkommentar ausgeführt, wäre eine allmähliche Normalisierung der Geldpolitiken in den USA und Europa – gleichwohl wir nicht glauben, dass diese umfänglich zustande kommt – als ein Zeichen von Konjunkturstärke zu werten.


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Im Kern also positive Nachrichten für die zyklischen Industrierohstoffe. Insbesondere die Energierohstoffe zeigten dann auch im Juli relative Stärke. Die beste Performance wies Benzin mit rund +11 Prozent auf, dicht gefolgt von Rohöl der Marke West Texas Intermediate (WTI) mit +8,9 Prozent.

Leicht zurück blieb hingegen erneut Brent-Rohöl (+5,7 Prozent). Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI war zwischenzeitlich auf null zusammengelaufen. Zwar sind die US-Lagerbestände, auch am WTI-Erfüllungsort Cushing, in den letzten Wochen gefallen.

Das starke Wachstum der US-Rohölproduktion kombiniert mit einem verhaltenen US-Verbrauch sollte aber dafür sorgen, dass dieser Trend nicht mehr lange anhält. WTI wird nach unserer Schätzung zum Jahresende 2013 wieder mit einem Preisabschlag um 5 US-DOLLAR je Barrel zu Brent gepreist werden.

Deutlich schwächer als der Rohölkomplex, aber noch positiv, entwickelten sich die Metalle. Palladium, das im Juni 2013 eingebrochen war, stach mit einem Plus von knapp 10 Prozent heraus. Die Basismetalle Kupfer, Aluminium Blei und Nickel schafften im Juli nur ein mageres Kursplus zwischen 0 und +2 Prozent.

In den ersten Augusttagen holten Industriemetalle mit einem Plus von rund durchschnittlich 5 Prozent die positive Performance dann aber nach. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass viele Finanzmarktteilnehmer Long in Aktien/Rohöl und short in Metalle positioniert sind. Die Auflösung dieses Trades hat in den ersten Augusttagen erst begonnen und dürfte sich über das gesamte dritte Quartal 2013 hinziehen.

Neben diesem technischen Aspekt wurden die Industriemetalle von überraschend positiven US-Konjunkturdaten gestützt. Beide US-Einkaufsmanagerumfragen, für das verarbeitende Gewerbe und für den Dienstleistungssektor, sprangen im Juli 2013 deutlich nach oben (s. u.).
Eine negative Kursentwicklung verzeichneten die Getreide Mais (-8,8 Prozent) und Sojabohnen (-3,65 Prozent).

Die Anfang Juli vorgetragenen Befürchtungen, zu heißes Wetter könnte bei Mais und Sojabohnen zu einer Wiederholung der schwachen Ernten 2011 und 2012 führen, bewahrheiteten sich nicht. Relativ „normales“ US-Wetter dürfte auch im August dafür sorgen, dass sich die US-Marktüberschüsse bei Mais und Sojabohnen wie erwartet realisieren. Der Preisdruck nach unten hat sich demnach in den letzten Tagen weiter fortgesetzt, sollte sich aber allmählich abmildern.

Makroumfeld für Rohstoffe weiterhin leicht positiv

Die globalen Konjunkturaussichten haben sich im Juli verbessert. Ins Auge fiel der Anstieg der US-Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe und das Dienstleistungsgewerbe um 3-4 Indexpunkte im Juli. Dieser Anstieg wird bestätigt durch korrespondierende Sprünge in den regionalen US-Wirtschaftsumfragen. Besonders die vorlaufenden Neuaufträge im Verarbeitenden Gewerbe verzeichneten einen markanten Sprung von 48,8 Indexpunkten im Mai auf 58,3 Indexpunkte im Juli 2013.


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Dies bedeutet nun nicht automatisch, dass das reale Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal deutlich anziehen wird. Aber es widerlegt die zuvor gehandelten Befürchtungen, das Abbröckeln vieler US-Frühindikatoren sei das Präludium zu einem konzertierten globalen Konjunkturabschwung.

Das Ratio aus vorlaufenden zu nachlaufenden Makroindikatoren hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als einer der besten Schätzer der US-Konjunkturzyklik bewährt und läuft der Aktien- und Rohstoffperformance voraus.

Das Backtesting für das Ratio der Einkaufsmanagerindizes für Neuaufträge (vorlaufend) und Lagerbestände (nachlaufend) zeigt eine positive Performance für den S&P 500 und den DJUBS-Rohstoffindex. Durch die Juli-Werte ergab sich das Ratio bei 124 Prozent, was einem moderaten Kaufsignal entspricht.

Die etwas schwächer als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarktdaten (Neugeschaffene Stellen) beeinträchtigen aus unserer Sicht nicht den positiven Eindruck der Einkaufsmanagerindizes, da Arbeitsmärkte im Zyklus nachlaufen und die wöchentlich berichteten Erstanträge für Arbeitslosenhilfe nach wie vor ein freundliches Bild des US-Arbeitsmarkts zeichnen.

Die positiven Konjunkturnachrichten aus den USA wurden begleitet von einer stabilen Wirtschaftsentwicklung in China. Der vom Nationalen Statistikbüro Anfang August veröffentlichte Einkaufsmanagerindex lag unverändert über der 50-Punkte-Schwelle, nachdem ein relativ schwacher Umfragewert des HSBC-Einkaufsmanagerindex Mitte Juli noch Befürchtungen über einen Absturz der chinesischen Wirtschaft geweckt hatte.

Ein Anstieg der Export- und Importzahlen, eine stabil wachsende Industrieproduktion, ein deutlicher Anstieg des Elektrizitätsverbrauchs und nach wie vor im Zielbereich liegendes Wachstum der chinesischen Geldmengen stützten den Eindruck, dass das Wachstumstempo der chinesischen Wirtschaft nicht weiter an Schwung verliert.

Das war mehr als die Märkte zuvor erwartet hatten, was eine Short Covering Rallye bei den Industriemetallen auslöste. Gleichzeitig endete die Underperformance der Emerging Markets Aktienmärkten gegenüber den Aktienmärkten in den USA und Japan, in dem die makroökonomischen Daten zuletzt zwar nicht enttäuschten, aber hinter den Erwartungen zurückblieben.

Die meisten Marktteilnehmer bei Emerging Markets und Metallen sehen wir  immer noch stark untergewichtet, sodass eine Repositionierung bei stabilen Wachstumsperspektiven noch einige Wochen/Monate anhalten dürfte. Die Industriemetalle haben die Aufholbewegung zu Aktien und Energierohstoffen bisher nur zu einem kleinen Teil vollzogen.

Unsere Favoriten bleiben Blei, Zink, Zinn, Platin und Palladium sowie kurzfristig Nickel und Kupfer. Bei den beiden letztgenannten werden wir jedoch relativ schnell Gewinne mitnehmen. Von der Konjunkturseite scheint auch unter dem Eindruck verbesserter Umfragewerte in Europa ein tragfähiger Boden für Rohstoffe gefunden zu sein.