Ausblick 2022 „Die Wachstumsaussichten sprechen für eine gute Entwicklung der Rohstoffpreise“

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Die zuletzt stark gestiegenen Energiepreise berücksichtigen also erstmals tatsächlich die negativen externen Effekte der fossilen Brennstoffe auf die Umwelt. Dadurch wird die Nachfrage gebremst, was einem anhaltenden Preisauftrieb bei Öl und anderen fossilen Energieträgern, wie etwa der Kohle, entgegensteht.

Gasmarkt bleibt schwankungsanfällig

Im Gegensatz zum Rohölmarkt bleibt die Lage auf dem europäischen Gas- und Strommarkt sehr angespannt. Der Markt ist derzeit hochgradig schwankungsanfällig und noch dazu regional stark zersplittert. Das macht ihn anfällig für extreme Preisausschläge. Die Gaslagerbestände in Europa waren bereits im Herbst saisonal niedrig und daran hat sich seitdem wenig geändert. Während die USA ihre Lager selbst befüllen konnten und die dortige Nachfrage aufgrund der oft milderen Temperaturen auch mäßig ausfällt, leidet Europa unter den eher überschaubaren Gaslieferungen aus Russland.

Erschwerend kommen die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO wegen des Ukraine-Konflikts hinzu. Die gegenseitigen Androhungen von Sanktionen stehen der baldigen Eröffnung der Nord Stream 2-Pipeline ebenso im Weg wie einige regulatorische Vorgaben der EU.

Industriemetalle stehen im Zeichen des grünen Wandels

Bei Industriemetallen wirkt sich die Energiewende am stärksten aus. Der Umstieg in der Automobilindustrie von Verbrenner- auf Elektromotoren verändert den Bedarf an Metallen. Die Produktion eines Elektrofahrzeugs unterscheidet sich fundamental von der eines klassischen Verbrenners. Vor allem der Bau der Batterien und die Verkabelung im Fahrzeug sind rohstoffintensiv. Daher steht zu erwarten, dass in den kommenden Jahre die Nachfrage nach Kupfer und Nickel gut unterstützt bleiben sollte, während auf der Angebotsseite grundsätzlich Knappheit herrscht. Blei hingegen wird deutlich weniger gebraucht, weshalb das Metall aktuell das einzige ist, bei dem das Angebot die Nachfrage übersteigt.

Eisenerz wiederum, das im Jahr 2021 enttäuschte, könnte 2022 eine kleine Renaissance erleben. Grund für den Preisverfall war vor allem die chinesische Bautätigkeit, die im vergangenen Jahr spektakulär nachgelassen hat. Es besteht aber durchaus Anlass zur Hoffnung, dass die Kreditvergabe in China wieder anzieht. Ein positives Zeichen für eine steigende Bautätigkeit ist zudem, dass die Zahl der verkauften Bagger zuletzt wieder zugenommen hat. Auf alte Höhenflüge sollten sich Anleger zwar nicht einstellen, aber es wird wahrscheinlicher, dass Eisenerz wieder einiges von den Verlusten aufholt.

Der Ausblick bei Edelmetallen fällt leicht positiv aus. Die Korrelation mit den US-Realzinsen sollte in diesem Jahr den Goldpreis nach oben treiben, denn aktuell steigen die Zinsen etwas. Zudem halten die Inflationsraten in den USA, aber auch in Europa, Anleger im sicheren Hafen Gold. Doch dem versuchen nun die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks mit ihrem geldpolitischen Straffungskurs entgegenzuwirken. Der Preis des gelben Edelmetalls sollte sich in einer engen Spanne bewegen.

Anders sieht es bei Platin und Palladium aus. Die Edelmetalle sind nicht nur bei Schmuckliebhabern und Investoren begehrt, sondern sie werden auch in der Automobilbranche für die Katalysatorenherstellung verwendet. Im Jahr 2022 sollte die Autoproduktion wieder deutlich anziehen, so dass hier für Investoren durchaus noch etwas zu holen sein könnte – vorausgesetzt, Omikron macht dem verarbeitenden Gewerbe nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung.