Rohstoff-Experte von BNP Paribas Wild West auf dem Goldmarkt

Ist der Überzeugung, dass ein Goldinvestment derzeit mit Risiken behaftet ist: Kemal Bagci von BNP Paribas.  | © Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Ist der Überzeugung, dass ein Goldinvestment derzeit mit Risiken behaftet ist: Kemal Bagci von BNP Paribas. Foto: Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Ein Kursrutsch wie jener des Goldpreises am 26. Juni 2017 kommt nicht alle Tage vor. Marktteilnehmer warfen für rund zwei Milliarden US-Dollar Gold-Derivate auf den Markt. Sie drückten so den Preis des Edelmetalls in Sekunden von 1255 auf 1242 Dollar je Unze.

Solche Aktionen schüren natürlich Verunsicherung unter den Marktteilnehmern, was zu Anschlussverkäufen führte. Das wilde Gebaren auf dem Goldmarkt ist mittlerweile aber wieder abgeflaut. Der Preis des Edelmetalls stabilisierte sich wieder.

Für langjährige Goldmarktbeobachter dürften die vergangenen Wochen kaum überraschend gekommen sein. Denn die Frühlings- und Frühsommermonate gelten in der Regel nicht gerade als gute Zeit für Goldanlagen. So haben statistische Auswertungen des Goldpreises  seit der Goldpreisfreigabe im Jahr 1971 ergeben, dass zwischen Mitte Februar und Anfang August im Durchschnitt kaum Kursgewinne am Goldmarkt zu erzielen waren. August bis Anfang Februar sind historisch gesehen dagegen die stärkeren Gold-Monate. Um gut sieben Prozent legte der Goldpreis in diesem Jahresabschnitt im Durchschnitt der vergangenen 46 Jahre zu.

Die Saisonalität spricht also klar für Goldinvestments. Doch ein Engagement ist derzeit mit Risiken behaftet. Denn die Notenbanken haben aktuell die Tendenz, wenn auch sehr vorsichtig, von ihrer Niedrigzinspolitik abzurücken. In der Regel belasten höhere Zinsen den Goldpreis. Es sei denn die Inflation springt entsprechend stark an.

Doch davon ist bisher nur in Ansätzen etwas zu erkennen. Daher könnte Harry Tchilinguirian, Rohstoffmarktstratege bei BNP Paribas, am Ende Recht behalten: Er geht davon aus, dass der Goldpreis noch bis 1.165 Dollar korrigieren könnte. Spätestens bei solch einer Bewegung können sich Investoren weitere Goldpositionen aufbauen.

Doch sollten Anleger bedenken, dass sie bei einem Goldinvestment auch ein gewisses Währungsrisiko eingehen. Denn steigt der Euro gegenüber dem US-Dollar weiter und bleibt der Goldpreis in US-Dollar nur gleich, dann kommt es in Euro zu Kursverlusten. Währungsgesicherte ETCs können Anleger vor diesem Risiko schützen.

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