Rohstoff-Experte von BNP Paribas Schrecksekunde für Palladium-Anleger

Rechnet mittelfristig mit einem eher hohen Palladiumpreis:  Kemal Bagci von BNP Paribas. | © Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Rechnet mittelfristig mit einem eher hohen Palladiumpreis: Kemal Bagci von BNP Paribas. Foto: Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Anfang Juni schossen die zu zahlenden Ausleihzinsen für Palladium auf mehr als 16 Prozent nach oben. Das hat es in den vergangenen zehn Jahren nicht gegeben. Ein bis zwei Prozent betragen diese auf ein Jahr bezogenen Kosten für das Ausleihen des Metalls in der Regel.

Extreme Entwicklung

Was bedeutet solch eine extreme Entwicklung? Es herrscht eine Angebotsknappheit des physischen Metalls. Entsprechend heiß ist auch der Preis des als Katalysator verwendeten Edelmetalls. Nach einem Anstieg um 30 Prozent im laufenden Jahr – der stärkste Anstieg unter den Edel- und Industriemetallen – kostet Palladium derzeit 890 US-Dollar je Unze.

Bei Palladium, das vor allem in der Katalysatorherstellung für Benzinmotoren verwendet wird,  handelt es sich um einen vergleichsweise kleinen physischen Markt. Rund 7,4 Millionen Unzen dürfte er 2017 betragen – beim aktuellen Palladium-Preis rund 5,9 Milliarden Euro. Doch an der London Bullion Market Association (LBMA) werden täglich hohe Summen in Form von Papierkontrakten gehandelt.

Diese sind nicht durch das Edelmetall gedeckt, verbriefen jedoch den Anspruch auf Lieferung. Werden mehr Kontrakte zur Ausübung eingefordert steigt entsprechend die Nachfrage nach Palladium – dies gilt übrigens auf dem Gold-, Silber- und Platin-Markt ebenso. Wird das physische Material knapp, steigen die Kosten der Ausleihe.

Angespannte Versorgungslage

Bereits in den 1990er-Jahren wurde Palladium sehr knapp. Der Preis schoss damals bis über 1100 US-Dollar je Unze nach oben. Russische Lieferungen glichen den Markt dann aus und der Preis stürzte unter 200 Dollar ab. Heute dürften die russischen Lagerbestände jedoch größtenteils aufgebraucht sein. Ein entsprechend starker Rückgang von rund 900 US-Dollar je Unze scheint daher nicht akut. Nach der Beruhigung an der LBMA könnte aber eine kleine Kursabschwächung folgen.

Doch die weiterhin starke physische Nachfrage nach Palladium und die angespannte Versorgungslage durch die Minenförderung sprechen für einen mittelfristig eher hohen Palladiumpreis. Immerhin erwartet der Londoner Platinmetalle-Händler Johnson Matthey ein Marktdefizit im laufenden Jahr von 792.000 Unzen nach einer Angebotslücke von 163.000 Unzen im Jahr 2016.

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