Rohstoff-Experte von BNP Paribas Anleger erwarten auf dem Kupfermarkt unruhige Zeiten

Glaubt, dass die Nachfrage nach Kupfer weiter steigen wird: Kemal Bagci, Rohstoff-Experte von BNP Paribas  | © Christian Scholtysik, Patrick Hipp

Glaubt, dass die Nachfrage nach Kupfer weiter steigen wird: Kemal Bagci, Rohstoff-Experte von BNP Paribas Foto: Christian Scholtysik, Patrick Hipp

2017 war bisher noch nicht das große Jahr der Industriemetalle. Nickel und Zinn verloren sogar an Wert. Der Kupferpreis steht heute dagegen etwas höher als noch zu Jahresanfang. Aus gutem Grund:

Ein Streik in der größten Kupfermine der Erde – Escondida – verringerte ab Februar das Angebot. Der Arbeitsausstand ist zwar vorbei, doch nun gibt es Produktionsausfälle in einer weiteren Kupfermine, auch einer der größten der Welt, und zwar Grasberg in Indonesien. Bis heute dürften dem Markt somit etwa 470.000 Tonnen an Kupferproduktion entgangen sein.

Bis zum Jahresende könnte sich die Menge auf rund eine Million Tonnen erhöhen. Das sind fünf Prozent der weltweit primären Kupfergewinnung von rund 20 Millionen Tonnen für 2017.

Immerhin dürfte die primäre Kupferproduktion – Minenförderung und Altmetallrecycling – im laufenden Jahr dennoch das Niveau der Vorjahresleistung erreichen. Für den Markt ist dies insofern sehr wichtig, da die Nachfrage um gut zwei Prozent zunehmen dürfte.

Daher geht die International Copper Study Group (ICSG) auch von einem Defizit am Kupfermarkt aus. Im Oktober hatte die ICSG noch von einem Überhang des Angebots erwartet. Doch damit nicht genug: Auch für 2018 prognostiziert der Branchenverband ein Angebotsdefizit. Das wäre dann das neunte Mal in Folge, dass der Kupfermarkt ein Defizit ausweist.

Die Risiken scheinen aus heutiger Sicht dabei eher auf der Seite eines höher als erwarteten Marktdefizits als auf der Seite eines ausgeglichenen Marktes zu liegen. Denn auf der Angebotsseite stehen auch 2018 wieder Gehaltsverhandlungen in großen Kupferminen wie Escondida, Radomiro Tomic und Los Pelambres an. Zusammen werden dort mehr als 1,5 Millionen Tonnen Kupfer im Jahr hergestellt.

Auf der Nachfrageseite haben sich die negativen Szenarien aufgrund eines starken Abschwächens der chinesischen Konjunktur dagegen bisher nicht bewahrheitet. Zudem läuft das Wachstum in Europa und einigen anderen Schwellenländern wieder besser. Kämen dann noch die erhofften Infrastruktur Investitionen des US-Präsidenten Donald Trump hinzu, würde die Kupfernachfrage stark anziehen.

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