Robotics Process Automation Der virtuelle Mitarbeiter in der Investmentindustrie

Thomas Seibel ist Partner bei KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft am Standort Frankfurt am Main. | © KPMG

Thomas Seibel ist Partner bei KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft am Standort Frankfurt am Main. Foto: KPMG

Schneller, günstiger, besser – Unter diesem Stigma haben vergangene Trends nahezu alle Tätigkeiten und Prozesse in verschiedensten Geschäftsfeldern nachhaltig verändert. Allerdings ist zu beobachten, dass über alle Branchen hinweg weiterhin aufwendige Prozesse bestehen, welche mit zahlreichen Medienbrüchen gespickt und oft nur rudimentär automatisiert sind.

Abhilfe verspricht die robotergesteuerte Prozessautomatisierung – Robotics Process Automation (RPA). Diese Technologie fungiert wie ein virtueller Mitarbeiter, welcher vollautomatisch Programme bedienen und Prozesse abwickeln kann. Ein virtueller Mitarbeiter, der schnell, rund um die Uhr und fehlerfrei arbeitet. Aufwendige manuelle Handlungen können von synchronisierter Automatisierung abgelöst und sich wiederholende Tätigkeiten im Alleingang erledigt werden. Es ist daher nicht überraschend, dass RPA Interesse aus verschiedenen Branchen genießt.

Auch die deutsche Investmentindustrie erkennt den Nutzen dieser Technologie. Nahezu ein Drittel der deutschen Investmentmanager hat Geschäftsprozesse bereits mittels RPA verselbstständigt.  Typische Einsatzfelder sind hierbei die Stammdatenpflege, die Anlagegrenzprüfung, Reconsiliations und Reporting. Aber auch in Bereichen des Risiko- und Kundenmanagements, sowie in den Sektoren Finance und Human Resources kommt die automatische Prozessabwicklung zum Einsatz.

Deutschen Investmentmanagern zufolge kann festgehalten werden, dass Robotics Process Automation vom Front Office bis zum Back Office angewandt wird – und dies mit feststellbar positiven Auswirkungen auf die Wettbewerbssituation. Marktvorsprung, eine erfolgreiche Steigerung der Produktivität und das Erreichen weiterer Ziele werden von Investmentmanagern wahrgenommen, welche RPA zur Abwicklung ihrer Geschäftsprozesse verwenden.

Die wesentlichen Ziele für den Einsatz dieser Technologie sind, die Produktivität zu erhöhen und die Qualität zu steigern. Kosten verringern und Mitarbeiter entlasten gehören ebenfalls zu den angestrebten, wenn auch nicht priorisierten Zielen. 

Aber nicht nur die bereits aktiven Nutzer der robotergesteuerten Prozessautomatisierung haben das Potenzial der Technologie erkannt. Branchenweit werden von einem RPA-Einsatz Verbesserungen in puncto Produktivität, Qualität und Kostenstruktur erwartet. Widerspiegeln wird sich dies zukünftig durch einen starken Anstieg der Nutzung. Aktuellen KPMG-Umfragewerten zufolge wird sich der Anteil von Investmentgesellschaften mit automatisierter Prozessabwicklung von aktuell knapp 30 Prozent auf voraussichtlich 72 Prozent erhöhen – Tendenz steigend.

So planen Gesellschaften zukünftig sämtliche Unternehmensbereiche von Portfoliomanagement und Wertpapierabwicklung über Kundenmanagement, Reporting und Risikomanagement mit Robotics Process Automation auszubauen. Die Bereiche Finance und Human Resources hingegen genießen bezüglich eines künftigen Einsatzes der Technologie bislang geringere Aufmerksamkeit in der Investmentindustrie. Allerdings werden in anderen Branchen automatisierte Prozesse gerade in diesen Segmenten sehr erfolgreich eingesetzt und bergen unerkanntes Potenzial.