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Eine Wachstumsrate von 20 Prozent bei den verwalteten Vermögen klingt nach einem eigentlich ziemlich guten Jahr. Auf den Robo-Markt scheint genau das zuzutreffen. Von 10,5 auf 12,4 Milliarden Euro wuchs das Volumen der digitalen Vermögensverwalter zuletzt. Aber ein wenig Kontext relativiert dieses Wachstum auch wieder. Denn Teil der Wahrheit ist auch, dass das im Robo-Markt verwaltete Vermögen im Jahr 2022 empfindlich eingebrochen ist.
Fondsconsult hat in einer Studie den deutschen Robo-Markt untersucht, das „Handelsblatt“ hat die Ergebnisse veröffentlicht. Insgesamt 20 von knapp 40 Anbietern nahmen die Fondsconsult-Analysten unter die Lupe. Untersuchungszeitraum sind eben die vergangenen drei Jahre, in denen sich die Aktien- und Anleihenmärkte unterschiedlicher nicht hätten entwickeln können: ein solides Jahr 2021, ein schwaches Jahr 2022 und ein gutes Jahr 2023.
Und auch die Strategien der Anbieter sind teilweise sehr unterschiedlich: ETF-Anlagekonzepte oder klassische Vermögensverwaltungsstrategien mit Fokus auf Einzeltitel wechseln sich mit Algo-Anlagen oder hybride Ansätzen ab. Die Kostenquoten liegen zwischen 0,59 Prozent bei Evergreen und 2,66 Prozent des Kapitals bei Vividam. Auffallend ist laut der Fondsconsult-Analysten aber mittlerweile, dass sich die Anbieter in ihrer Kostenbelastung annähern und 90 Prozent der Robo-Advisor in einer Spanne von 0,33 Prozentpunkten um die durchschnittlichen Kosten von 1,17 Prozent herum bewegen. Größter Anbieter ist Scalable mit einem verwalteten Vermögen von 3,5 Milliarden Euro, danach folgen Quirion mit 1,6 und Cominvest mit 1,1 Milliarden Euro. Die drei Robos führen den Markt mit Blick auf das Volumen mit deutlichem Abstand an.
Testsieger überzeugt vor allem in der längeren Frist
Fondsconsult hat die Strategien der digitalen Vermögensverwalter sowohl auf einer quantitativen als auch auf einer qualitativen Ebene ausgewertet. Zur quantitativen Auswertung bewerteten die Analysten die risikogewichtete Rendite über ein oder drei Jahre. Weil sich die Strategien auch bei den einzelnen Anbietern unterscheiden, untersuchte Fondsconsult jeweils vier verschiedene Anlagestrategien der Robos – von defensiv bis offensiv, mit Aktienquoten von unter 40 bis 100 Prozent. Im qualitativen Teil des Markttests schauten die Studienautoren neben dem Unternehmen, dem Produktangebot, dem Portfolio- und Risikomanagement, der Anlegerprofilierung, sowie der Kostenbelastung in diesem Jahr vor allem auch auf das Serviceangebot sowie die Transparenz gegenüber Anlegern und gegenüber Fondsconsult. Die qualitative Auswertung fließt zu 40 Prozent ins Ergebnis ein, die quantitative zu 60 Prozent.
Die beste Durchschnittsnote erhielt – wie im Vorjahr – Visualvest mit 1,7. Über ein Jahr erwirtschaftete der Robo eine Rendite von 10,5 Prozent, nur sechs Anbieter waren in dem Zeitraum besser. Über zwölf Monate hinweg überraschte vor allem Estably mit einer Rendite von 23,8 Prozent. Über drei Jahre hinweg zeigt dann aber Visualvest seine Stärken. Im Durchschnitt schaffte der Robo eine jährliche Rendite von 4,9 Prozent, kein Robo war über die vergangenen drei Jahre besser.
Auf dem zweiten Rang rangiert ebenfalls mit einer Note von 1,7 Bevestor, knapp vor Quirion, dem digitalen Vermögensverwalter der Quirin Privatbank, der ebenfalls eine Note von 1,7 erreichte. Auf Platz vier und fünf folgen Zeedin – der Robo von Hauck Aufhäuser Lampe – und Growney. Beide erhielten eine Durchschnittsnote von 2,0. Die schlechteste Bewertung erhielten Estably und Inyova mit jeweils einer Note von 3,0.