Robin Hood als Vorbild „Wir sind der Hedgefonds des Prekariats“

Eine Szene aus Ridley Scotts Film „Robin Hood“: Russel Crowe alias Robin Hood (links) im Kampf für die Armen. Vorlage für eine Fondslösung?

Eine Szene aus Ridley Scotts Film „Robin Hood“: Russel Crowe alias Robin Hood (links) im Kampf für die Armen. Vorlage für eine Fondslösung? Foto: Bloomberg

Ist das Kunst, oder kann das weg? Es kann nicht weg. So viel steht fest. Ob es Kunst, Business oder Aktivismus ist, kann man indes nicht ganz so eindeutig beantworten. 2010 bekam der finnische Ökonom Akseli Virtanen, damals noch Dozent an der School of Business der Aalto Universität in Helsinki, den Auftrag, zusammen mit Kollegen ein Institut zu gründen, das Kunst und Wissenschaft verbindet.

Virtanen: „Wir sollten uns Themen aus Wirtschaft und Gesellschaft mit den Mitteln der Kunst widmen.“ Heraus kam das Future Art Base. Eines der Projekte des Zukunftslabors: eine Investmentbank des Prekariats, die im Juni 2012 gegründete Robin Hood Minor Asset Management. „Es gibt zwei Gruppen von Menschen. Eine mit Zugang zum Kapitalmarkt, die zu Geld kommt, ohne arbeiten zu müssen. Und eine, die nur über Arbeit zu Geld kommt“, erklärt Virtanen die Idee dahinter.

Er will auch der zweiten Gruppe Zugang zum Kapital verschaffen. „Wir sind der Hedgefonds des Prekariats“, so der 44-Jährige. Früher habe Robin Hood das Geld der Reichen an die Armen verteilt. In der Wissensgesellschaft nehme er ihnen das Wissen, um es zu verteilen. Wie? Mit der Robin-Hood-Genossenschaft.

Die Mitgliedschaft im Robin Hood Fund kostet einmalig 30 Euro, jeder Anteil ebenfalls 30 Euro. Das Management kauft ausschließlich Aktien, 20 bis 30, weltweit. „An der Börse wird fast nur imitiert. Niemand weiß genau, was zu tun ist. Das Risiko wird über eine breite Streuung der Investments minimiert“, erklärt Virtanen die Strategie.

Der Markt verhalte sich wie ein Schwarm, der seinen Leitvögeln folgt. Doch wie findet man die Leitvögel? Die Lösung für dieses Problem fand Virtanen beim Badminton. Dort lief ihm Sakari Virkki über den Weg, ein Programmierer. Er hatte Anfang der 90er Jahre eine Software entwickelt, die Muster und Trends im Datenchaos des Händler-Schwarms erkennt. Die Daten für seine Analyse lieferte zunächst die Börse Helsinki. Kurz nach der finnischen Bankenkrise veröffentlichte sie für einige Jahre, wer wann welche Aktien kaufte und verkaufte. Dasselbe macht Virkki, seitdem die US-Börsenaufsicht ihr Handelsregister im Internet veröffentlicht.

Er filtert aus den Transaktionen die besten Deals der besten Investoren heraus und kopiert sie. Dank des Programms, Virtanen und Virkki haben es Parasiten-Algorithmus getauft, seien sie stets unter den Ersten hinter den Leitvögeln, so Virtanen. Das Programm habe schon während der Testphase von 2003 bis 2009 ordentlich Gewinn abgeworfen. Virtanen: „Jedes Jahr zwischen 18 und 28 Prozent, auch im Krisenjahr 2008.“

Eine Gewinngarantie gebe es aber natürlich nicht. „Im ersten Jahr haben wir ein Plus von 30,7 Prozent gemacht. Damit waren wir der drittbeste Hedgefonds der Welt“, so Virtanen. Seit Auflegung am 1. August 2012 hat der Fonds eine Performance von 40,2 Prozent erzielt (Stichtag 31. August 2014). Die Genossenschaftsmitglieder können wählen, wie viel sie sich von ihrem Gewinn minus Kosten auszahlen lassen wollen. Von 0 bis 100 Prozent ist alles drin, sechs Möglichkeiten der Aufteilung stehen zur Verfügung.

Was nicht ausgezahlt wird, landet in einem Topf für Robin-Hood-Projekte. Diese sollen grundsätzlich immer einen Nutzen für die Allgemeinheit liefern. Sie sollen selbst etwas anstoßen. In welcher Form, ist offen. Virtanen: „Das können Produkte, Räume, Wissen oder Prozesse sein, die wir finanzieren.“ Ein konkretes Beispiel gibt es noch nicht. Dafür reichte das Geld bisher nicht. „Wir sind aber kurz davor, unsere ersten Projekte zu finanzieren. Die sind super spannend, muss ich sagen, aber leider können wir sie noch nicht bekanntgeben“, so Virtanen.

Geld und damit Investoren kann der Ökonom auf jeden Fall gut gebrauchen. Insgesamt verwaltet er derzeit 489.343 Euro. Doch die Aalto-Universität dreht ihm in diesem Jahr den Geldhahn zu. „Ein Projekt, das irgendwie Kunst ist, aber auch verdammt real, weckt eben Ängste“, so Virtanen.

So richtig interessant werde sein Geschäft erst ab 10 bis 20 Millionen Euro. „Und das ist erst der Anfang. Mit weniger als 500 Millionen Euro gilt man ja noch als kleiner Hedgefonds. Wir sind extrem skalierbar.“ Und was ist der Robin Hood Fund jetzt? „Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es dieses Paradoxe, Unbestimmbare und Grenzenlose ist, das stets den Beginn von etwas Neuem markiert.“

>>Vergrößern



Akseli Virtanen (links) hatte die Idee, Sakari Virkki die Software für die Robin-Hood-Genossenschaft

Mehr aus dem Sherwood Forest der Finanzen:

www.futureartbase.org/
www.robinhoodcoop.org/
www.facebook.com/RobinHoodMAM