Die Gehaltsdynamik im deutschen Finanzwesen hat sich gewandelt. Nach Jahren starker Steigerungen zeigt eine Gehaltsstudie von Robert Walters eine Abschwächung. „Die Gehaltsentwicklung im Finanzwesen wird 2026 durch mehrere Faktoren beeinflusst", erklärt Hannah Klan, Senior Manager bei der Personalberatung. Unternehmen achten zunehmend auf ihre Kostenstruktur, während sich gleichzeitig die Erwartungen von Fach- und Führungskräften verändern.
Planten in der vergangenen Befragung noch 40 Prozent der Arbeitgeber „sehr wahrscheinlich“ Gehälter zu erhöhen, sind es in der aktuellen Befragung nur noch 15 Prozent. „Wahrscheinlich“ kletterte dafür jedoch von 35 auf 48 Prozent. „Sehr unwahrscheinlich“ aber ebenfalls von 3 auf 9 Prozent.
Die Unfrage offenbart zudem, dass 11 Prozent der Bankmitarbeitenden und Finanzdienstleistenden trotz bestehender Festanstellung aktuell nach einem neuen Job suchen. Weitere 11 Prozent stellen einen Jobwechsel für die nächsten drei Monate in Aussicht. 13 Prozent wollen in den kommenden zwöf Monaten wechseln, 21 Prozent in den kommenden zwölf bis 24 Monaten. 40 Prozent wollen bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber bleiben. Für die Erhebung wurden im September und Oktober 111 Beschäftigte und 106 Personalverantwortliche aus der Banken- und Finanzbranche in Deutschland befragt.
Empathische Führung als Bindungsfaktor
„Der mit Abstand häufigste Grund für einen angestrebten Jobwechsel ist der Wille, die eigene Karriere voranzubringen", erklärte Lisa Gloos, Managing Consultant für Banken und Finanzdienstleister bei Robert Walters in Deutschland. Ebenfalls häufig genannt wurde von den Teilnehmern eine vermeintlich schlechte Führung im Unternehmen. Der Wunsch nach einem höheren Gehalt komme erst auf dem vierten Rang.
„Um Mitarbeiter zu halten, müssen Banken unter anderem für eine individuelle Mitarbeiterweiterentwicklung sorgen, etwa über Fortbildungen. Wichtig ist auch eine empathische Führung", betont Gloos.
Offenbar lassen sich Wechselwillige aber relativ leicht umstimmen: 56 Prozent der Teilnehmer würden ein Gegenangebot ihres bisherigen Arbeitgebers nach Annahme eines neuen Stellenangebots in Betracht ziehen. Ein höheres Gehalt, Beförderung oder mehr Flexibilität im Job waren die am häufigsten genannten Lockmittel.
Die übrigen 44 Prozent würden sich demnach durch ein nachgebessertes Angebot des aktuellen Arbeitgebers nicht von einem Wechsel abhalten lassen. Als Gründe nannten sie unter anderem, dass sie verlässlich agieren wollen und der aktuelle Arbeitgeber die Loyalität wohl künftig ohnehin in Frage stellen dürfte.
Erwartungslücke bei Gehaltserhöhungen
Die Zahlen offenbaren eine Diskrepanz zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmererwartungen: 78 Prozent der Unternehmen planen für 2026 moderate Gehaltserhöhungen zwischen 3,5 und 4 Prozent für ihre Finanzabteilungen, abhängig vom Unternehmensgewinn. Demgegenüber erwarten nur 56 Prozent der Kandidaten überhaupt eine Erhöhung – allerdings oft mit unrealistischen Vorstellungen von bis zu sechs Prozent.
Parallel sinkt die Wechselbereitschaft in der gesamten Finanzindustrie: Nur noch 37 Prozent der Professionals möchten ihren Job wechseln, verglichen mit 44 Prozent im Vorjahr. Diese geringere Job-Rotation aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten hat konkrete Auswirkungen auf den Markt. „Spannende Führungspositionen werden seltener ausgeschrieben, da Kandidaten weniger wechselbereit sind. Dadurch steigt die Konkurrenz auf diese Stellen, und Unternehmen haben mehr Auswahl bei der Besetzung", so Klan.