Umfrage Nordamerikanische Investoren verlieren weiter Lust an ESG und Co.

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Nordamerikanische Investoren verlieren weiter Lust an ESG und Co.
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von Robeco: „Der Übergang der Unternehmen und anderer Akteure von braun auf grün im Zuge der Dekarbonisierung kann nicht ohne die aktive Beteiligung der Anleger erfolgen, die solche Unternehmen belohnen, die den Wandel vollziehen, und jenen Unternehmen, d

Lucian Peppelenbos von Robeco plädiert dafür, Unternehmen zu belohnen, die den Wandel vollziehen, und jenen die nicht bereit sind oder zögern, die Unterstützung zu entziehen. Foto: Robeco

Die regionalen Unterschiede bei der Berücksichtigung nachhaltigen investierens (Climate Investing) wachsen. Zu diesem Ergebnis kommt die vierte jährliche Umfrage von Robeco unter 300 Anlegern. Der asiatisch-pazifische Raum (APAC) ist demnach führend, während das Interesse in Nordamerika hinterherhinkt.

Der Anteil der Anleger, für die der Klimawandel wichtig oder ein wesentlicher Aspekt ihrer Anlagepolitik ist, lag in der APAC-Region bei 79 Prozent und übertraf damit erstmals Europa mit 76 Prozent. Der Enthusiasmus in Nordamerika nimmt dagegen laut Report weiter ab. Als Gründe dafür werden politische Auseinandersetzungen über die wahrgenommenen Kosten der Integration von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) in Investitionen angegeben. Nur 35 Prozent der in Nordamerika befragten Investoren räumen Climate Investing Priorität ein.

 

Versicherer setzen sich von anderen Investoren ab

Im Vergleich zu anderen institutionellen Anlegern und Großanlegern zeichnen sich
Versicherungsunternehmen durch eine Zusage zur Klimaneutralität aus, was laut der Umfrage darauf zurückzuführen sein könnte, dass Versicherer auf beiden Seiten ihrer Bilanz dem Klimawandel ausgesetzt sind. Rund 39 Prozent der Versicherer haben sich bereits öffentlich verpflichtet, weitere 20 Prozent sind gerade dabei, dies zu tun.

Regional gesehen scheuen sich nordamerikanische Anleger eher vor Zusagen. 46 Prozent haben eine Zusage zur Klimaneutralität ausgeschlossen, gegenüber 26 Prozent im vergangenen Jahr.

Alarmierende Zweifel an Zusammenarbeit mit Regulatoren

77 Prozent erwarten, dass der Übergang gewissermaßen ungeordnet verlaufen und insgesamt gemeinsam zu wenig getan wird. 15 Prozent erwarten einen geordneten Übergang, bei dem Regierungen und Märkte zusammenarbeiten, um die Emissionen zu senken, und 8 Prozent gehen von einem „Treibhaus Erde“ aus, in dem sehr wenig unternommen wird, um die globale Erwärmung zu verhindern.

Ziele von Paris in Gefahr

Folgerichtig erwarten weniger Anleger, dass das Ziel des Übereinkommens von Paris, die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, erreicht werden kann. Nur 30 Prozent rechnen damit, gegenüber 38 Prozent im Jahr 2023. 41 Prozent sind der Auffassung, dass es nicht erreichbar ist, gegenüber 30 Prozent im Vorjahr.

Transformation im Blickpunkt

Die Anleger investieren laut Umfrage derzeit mehr Mittel in allgemeine Klimastrategien als in solche, die sich speziell auf Unternehmen konzentrieren, die sich im Übergang befinden. Nur 37 Prozent investieren bereits in Strategien, die auf Unternehmen mit glaubwürdigen Übergangsplänen abzielen. 63 Prozent planen dies allerdings in den bevorstehenden ein bis zwei Jahren zu tun. Das Übergangsthema hat einen Einfluss auf die bevorzugten Anlagestile. Rund 45 Prozent nutzen aktive Aktienstrategien, die speziell auf die Allokation in übergangsorientierte Unternehmen abzielen, während 43 Prozent in grüne Anleihen oder auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Anleihen investieren.

 

Dieser Ansatz ist wiederum in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum beliebter.
„Der Übergang der Unternehmen und anderer Akteure von braun auf grün im Zuge der Dekarbonisierung kann nicht ohne die aktive Beteiligung der Anleger erfolgen, die solche Unternehmen belohnen, die den Wandel vollziehen, und jenen Unternehmen, die nicht bereit sind oder zögern, die Unterstützung entziehen. Ein interessanter Aspekt der diesjährigen Ergebnisse ist die Tatsache, dass die Anleger im asiatisch-pazifischen Raum in Sachen Nachhaltigkeit vorankommen und den Klimawandel stärker unterstützen", fasst Lucian Peppelenbos, Stratege für Klima und biologische Vielfalt (Climate and Biodiversity Strategist) bei Robeco, die Ergebnisse zusammen.

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