Welt am Scheideweg Robeco-Experten erwarten „heiße Zwanziger“

Lavastrom

Lavastrom: Asset Allocation muss sich laut Robeco auch an Klimawandel anpassen. Foto: Pexels / Eriks Cistovs

Institutionelle Investoren und Privatanleger sollten sich auf „hitzige Jahre“ einstellen. Von diesen spricht der niederländische Vermögensverwalter Robeco in seiner aktuellen Publikation „Expected Returns“. Das Team um Peter van der Welle setzt sich unter anderem mit Wirtschaftsprognosen für die Zeit nach der Pandemie und der Wichtigkeit des Klimawandels aus Sicht der Investoren auseinander. Sie erwarten beispielsweise, dass sich die Arbeitsproduktivität in den USA verbessert. Zudem sei ein angebotsseitiger Schub für die globale Wirtschaft wahrscheinlicher als im letzten Jahr.

Allerdings ist Robecos Optimismus gedämpft. Die makroökonomische Unsicherheit habe aufgrund einer eher untypischen Stopp-Start-Dynamik in den Jahren 2020 bis 2021 das höchste Niveau der jüngeren Geschichte erreicht und die Niveaus aus der Zeit der Disinflation in den 1980er-Jahren sowie der globalen Finanzkrise 2008 übertroffen. Die Frage, ob die Inflation vorübergehend oder längerfristig anhalten wird, bedeute, dass Anleger bei ihren Erwartungen bezüglich der Entwicklung des ökonomischen Umfelds in den nächsten fünf Jahren unvoreingenommen bleiben sollten, erläutern die Autoren.

Ein weiterer Grund für ihren gebremsten Optimismus sei das wachsende Bewusstsein für die Schwere der Klimakrise. Die Temperatur rund um den Globus werde bis zum Jahr 2040 auf mindestens 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau ansteigen. Dies führe zu extremen Wetterereignissen und höheren physischen Klimarisiken in den Industrieländern. Die Robeco-Experten erwarten, dass Anleger in den nächsten fünf Jahren Klimarisikofaktoren stärker in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen werden.

Vor diesem Hintergrund führte Robeco eine gründliche Analyse der Folgen von Klimafaktoren auf die Preise in den Anlageklassen ein, zusätzlich zu den makroökonomischen Faktoren. Die Robeco-Experten gehen von folgenden Gesichtspunkten aus:

  • Die Zusammensetzung der Anlageklassen könnte durch den Klimawandel stärker beeinflusst werden als die erwarteten Renditen, da Robeco davon ausgeht, dass in Zukunft mehr Aktien und Anleihen von umweltfreundlichen Unternehmen emittiert werden.
  • Die Aktienmärkte der Schwellenländer und die Märkte für Hochzins-Anleihen sind viel kohlenstoffintensiver als die Aktienmärkte der Industrieländer und die Märkte für Investment-Grade-Anleihen, was ihre Kurse in den nächsten fünf Jahren unter Druck setzen dürfte.
  • Aktive Anleger können einen Mehrwert schaffen, indem sie ihre Sicht auf den Klimawandel und die Auswirkungen von Richtlinien, Vorschriften und Verbraucherverhalten auf die Gewinne eines Unternehmens in ihre Investment-Entscheidungen integrieren.
  • Massiver Rückzug aus Unternehmen für fossile Brennstoffe könnte zu einer CO2-Risikoprämie führen.

„Rund anderthalb Jahre nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie befindet sich die Welt an einem Scheideweg“, erläutert van der Welle. „Inmitten des Paradoxons der sich erholenden Volkswirtschaften und des technologischen Wachstums einerseits und der makroökonomischen Unsicherheit und des Klimarisikos andererseits erwarten wir, dass die Welt zu einer dauerhafteren Wirtschaftsexpansion übergehen wird – den ‚Heißen Zwanzigern‘.“