Risikokennzahlen auf dem Prüfstand, Teil 2 Sharpe Ratio – Was sie aussagt, und was nicht

Paul Skiba vom Vermögensverwalter BPM – Berlin Portfolio Management

Paul Skiba vom Vermögensverwalter BPM – Berlin Portfolio Management

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Die Sharpe Ratio gehört zur Grundausstattung einer gründlichen Investitions-Analyse und wird insbesondere beim Vergleichen von Investmentfonds herangezogen. Ist die Sharpe Ratio eines Fonds besser als die eines Mitbewerbers, so erwirtschaftet das Management scheinbar mehr Rendite bei gleichem Risiko oder die gleiche Rendite bei weniger Risiko.

Definiert ist die Kennzahl als Quotient aus Überrendite im Vergleich zu einer risikofreien Anlage und der Volatilität dieser Überrendite. Letztere haben wir im Artikel zur Volatilität als Standardabweichung der Renditen kennengelernt. Die nach William Sharpe benannte Ratio bringt Erträge und Risiko eines Wertpapieres zusammen und erlaubt eine hierarchische Ordnung von Anlagen nach ihrer sogenannten risikoadjustierten Rendite.

Die Tücken des vermeintlichen Alleskönners

Die Sharpe Ratio ist dabei als historische Kennzahl nur so gut wie die einfließenden Daten. Messfehler, Ungenauigkeiten bei der Annualisierung sowie kurze Betrachtungszeiträume schmälern die Aussagekraft der Sharpe Ratio. Da in Form der Rendite und Volatilität gleich zwei geschätzte und tendenziell instabile Werte in die Berechnung der Zahl einfließen, ist sie besonders sensibel was die Schätzqualität angeht.

Aber auch eine (theoretisch) perfekt berechnete Sharpe Ratio birgt Tücken. Zur Veranschaulichung vergleichen wir exemplarisch zwei fiktive Wertpapiere A und B über 100 Tage und setzen den „risikofreien“ Zins auf null. An zehn Tagen weisen beide Papiere ein Ergebnis von minus 1,00 Prozent aus. An 60 der 100 Tage machen beide Papiere plus 1,00 Prozent und an den verbliebenden 30 Tagen entwickelt sich Papier A um plus 1,30 Prozent und Papier B um plus 5,00 Prozent:



In welches dieser Papiere würden Sie investieren? In 70 Prozent der Fälle entwickeln sich beide Anlagen gleich und in 30 Prozent der Zeit erhält man als Investor des Wertpapiers B 5,00 statt 1,30 Prozent Rendite.

Die Sharpe Ratio sagt uns aber, dass Wertpapier A die bessere risikoadjustierte Rendite bietet. Konstruktionsbedingt bestraft die Sharpe Ratio arbiträre Gewinne. Dieser Effekt wird häufig mit dem Begriff der „positiven Volatilität“ assoziiert.

Die bunte Welt der vielen Ratios

Ohne ein „Arbitrage-adjustiertes“ Sharpe Ratio berechnen zu müssen, lässt sich diese Falltür auch unter Zuhilfenahme der Sortino Ratio umgehen. Der Zähler der Ratio bleibt hierbei unverändert, während man bei der Berechnung der Volatilität alle positiven Renditen durch eine Null ersetzt. Wir drehen also an der Stellschraube „Risiko“ und erhalten eine neue Zahl mit eigener Aussagekraft. Diese Herangehensweise haben die meisten gängigen Ratios gemeinsam.

Anstelle der Volatilität, lässt sich auch der maximale Drawdown über den Betrachtungszeitraum oder der Durchschnitt aller Drawdowns als Nenner einsetzen. Verwendet man diesen Preissturz vom letzten Höchststand als Risikoindikator, erhält man die sogenannte Sterling Ratio.

Möchte man die lineare Abhängigkeit der Anlage zu einer Benchmark als Risiko einfließen lassen, kann man die Rendite des Wertpapieres durch sein Beta zu einer Benchmark dividieren. Diese als Treynor Ratio bekannte Kennzahl wird häufig als „um das Marktrisiko bereinigte“ Rendite bezeichnet. Von dieser Interpretation sei an dieser Stelle abgeraten, da sowohl die Aussage als auch die genaue Bestimmung des Betas nicht immer eindeutig ist.