Private Credit hat sich als fester Bestandteil institutioneller Portfolios etabliert. Weltweit erreichte die Anlageklasse im Jahr 2025 ein Volumen von über 3,5 Billionen US-Dollar (Alternative Credit Council); auf den US-amerikanischen Markt entfallen davon je nach Abgrenzung rund 1,3 bis 1,75 Billionen US-Dollar, auf den europäischen laut Daten von Preqin circa 530 Milliarden US-Dollar. Dabei umfasst Private Credit ein breites Spektrum an Strategien, von sponsor-backed Buyout-Finanzierungen über Infrastrukturkredite bis hin zu KMU-Kreditportfolios. Entsprechend unterschiedlich fallen auch die zugrunde liegenden Risikoprofile der verschiedenen Strategien aus.
Aus unserer Sicht kommt diese Differenzierung innerhalb der Anlageklasse Private Credit in der aktuellen medialen Berichterstattung jedoch zu kurz. Für institutionelle Investoren stellt sich nicht die Frage, ob Private Credit als Anlageklasse grundsätzlich attraktiv ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Form von Private-Credit-Assets konkret betrachtet wird, welche Underwriting-Standards den jeweiligen Portfolios zugrunde liegen und wie diese strukturiert sind.
Zur Einordnung: Die aktuelle Risiko-Debatte im Private-Credit-Markt
In der aktuellen Berichterstattung wird Private Credit häufig auf den US-amerikanischen Large-Cap-Direct-Lending-Markt reduziert. Dabei stehen vor allem drei Risikobereiche im Mittelpunkt:
Erstens bestehen Bedenken hinsichtlich der Kreditqualität bestimmter Portfolios. Insbesondere im US-Direct-Lending-Markt sind in den vergangenen Jahren erhebliche Kapitalvolumina in sponsor-backed Transaktionen und wachstumsorientierte Geschäftsmodelle geflossen, vor allem im Technologiesektor. Teilweise wurden Finanzierungen zu historisch hohen Vielfachen des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) und unter zunehmend wettbewerbsintensiven Bedingungen vergeben. In einem Umfeld höherer Zinsen und schwächerer Exit-Märkte geraten solche Finanzierungen zunehmend unter Druck.
Zweitens wird die Konzentration einzelner Strategien kritisch betrachtet. So konzentrieren sich manche Direct-Lending-Kreditgeber auf vergleichsweise wenige Kreditnehmer mit hohen Einzelengagements, beispielsweise im Bereich der sponsor-led Buyout-Finanzierungen. Restrukturierungen oder Ausfälle einzelner Finanzierungen können dadurch spürbare Auswirkungen auf die Gesamtperformance haben. Auch das Branchen-Exposure ist bei manchen Fonds außergewöhnlich hoch: Nach Schätzungen von J.P. Morgan entfallen rund 21 Prozent der US-Private-Credit-Bestände auf den Softwaresektor; bezieht man den breiteren Technologie- und Unternehmensdienstleistungssektor ein, sind es rund 40 Prozent.
Drittens können Risiken durch einen Mismatch zwischen der Investmentstruktur und den zugrunde liegenden Assets entstehen. Das ist insbesondere eine Herausforderung bei Fonds für Privatanleger mit regelmäßigen Rücknahmefenstern. Ein Beispiel dafür sind langfristige Finanzierungen, etwa für KI-Infrastruktur oder Rechenzentren, deren Rückführung teilweise erst viele Jahre in der Zukunft liegt. Werden solche illiquiden Kredite über semi-liquide Fondsstrukturen finanziert, kann der Liquiditätsbedarf auf Fondsebene möglicherweise nicht kurzfristig durch die Cashflows des Portfolios gedeckt werden. Die zunehmende Beliebtheit von Private Credit unter Privatanlegern hat die Verbreitung solcher Konstrukte in den vergangenen Jahren in den USA zusätzlich beschleunigt. In Europa spielt das Retail-Segment bislang dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
KMU-Kredite: andere Renditequellen, andere Risikotreiber
Im Gegensatz zu den oben vorgestellten Konstrukten weisen europäische KMU-Kreditportfolios grundsätzlich andere Eigenschaften auf. Kleine und mittlere Unternehmen bilden das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Anders als bei den meisten sponsor-backed Finanzierungen handelt es sich dabei häufig um inhabergeführte Unternehmen mit etablierten Geschäftsmodellen und regionaler Verankerung. Finanziert werden typischerweise Working Capital, Investitionen oder Wachstumsprojekte. Klassische sponsor-backed Transaktionen sind hingegen eher ein neues Phänomen im breiteren Markt.