Risikobudgets in Krisenzeiten, Teil 2 „Die Krisenkommunikation beginnt schon beim Kundenanbindungsprozess“

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Von sinnvollen Verlustgrenzen und Risikobudgets

Doch wie hoch sollten Verlustgrenzen und Risikobudgets in volatilen Märkten kalkuliert werden? Wie bereits erwähnt – der Kunde will am liebsten gar keine Verluste hinnehmen. Verlustschwelle und Risikobudget müssen zur Anlagestrategie und den Anlageinstrumenten passen.

Es macht keinen Sinn, bei einem reinen Aktiendepot mit einem möglichen Verlust von lediglich 5 Prozent zu arbeiten. Das würde in der derzeitigen Marktphase nur eine unnötige Informationsflut an den Kunden nach sich ziehen und zudem dazu führen, dass der Vermögensverwalter in der Trading-Falle sitzt.

Hat der Vermögensverwalter die Überwachung und Berechnung der Verlustschwelle an Dritte ausgelagert, gilt es Prozesse sowie das Schnittstellenmanagement auf den Prüfstand zu stellen. Es muss klar definiert sein, wie sich die Verlustschwelle errechnet, wer für den Informationsbrief zuständig ist und was passiert, wenn das Schreiben verschickt wurde. Wer telefoniert nach? Oder soll der Kunde vor dem Versand des Schreibens vorab telefonisch kontaktiert werden? Soll der Kunde nur das Informationsschreiben oder auch einen Marktkommentar erhalten?

Das Szenario sollte in Testläufen auf seine Belastbarkeit in der Praxis getestet werden. Eine Möglichkeit ist auch, den Kunden bereits dann zu kontaktieren, wenn beispielsweise das Risikobudget bereits zu 75 Prozent ausgereizt ist. So kann der Berater ganz nebenbei auch herausfinden, ob sich die Einstellung des Kunden zu einer bestimmten Anlageklasse oder zu einem Markt verändert hat.

Diese Vorgehensweise ist allerdings für beide Seiten mit Vorsicht zu genießen. Schließlich haben sich Vermögensverwalter und Kunde zu Beginn ihrer Zusammenarbeit auf eine Strategie geeinigt, wie das Depot und mit welchen Instrumenten angelegt wird.

Beide Seiten haben also eine entsprechend positive Meinung zu den entsprechenden Märkten und Anlageklassen. Diese Meinung alle paar Monate über den Haufen zu werfen, dürfte sich am Ende kaum positiv auf das Anlageergebnis auswirken.

Fazit

Auf volatile Märkte hat der Vermögensverwalter keinen Einfluss. Doch er kann die Kundenbeziehung positiv durch eine gründliche Vorgehensweise beim Kundenanbindungsprozess beeinflussen.

Er kann Einfluss nehmen auf die Art der Berechnung von Verlustschwelle und Risikobudget und seine Arbeit gerade in schwierigen Marktphasen so transparent wie möglich machen. Und der Vermögensverwalter kann durch eine aktive und verständliche Kommunikation positiven Einfluss auf die Kundenbindung gewinnen.

Lesen Sie im ersten Teil der Serie über das Minenfeld der volatilen Märkte, in dem sich Vermögensverwalter bewegen.


Über den Autor:
Michael Kohlhase ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Dr. Kohlhase Vermögensverwaltung. Zudem ist er Mitglied des Aufsichtsrats der Nestor Investment Management.

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