USA und Griechenland gleichauf Was hinter den niedrigen Renditen für Staatsanleihen steckt

Ein Schiff steuert die Halbinsel Manhattan an: US-amerikanische Staatsaleihen sind bei Anlegern gefragt.  | © imago images / Cavan Images

Ein Schiff steuert die Halbinsel Manhattan an: US-amerikanische Staatsaleihen sind bei Anlegern gefragt. Foto: imago images / Cavan Images

Die Renditen von Staatsanleihen aus Griechenland und den USA haben am Ende des ersten Halbjahres neue Rekordtiefs erreicht. Darauf weist der unabhängige, inhabergeführte Asset Manager Quant Capital Management hin. „Was nach einer gleichlaufenden Entwicklung aussieht, zeigt bei eingehender Betrachtung eine tiefe Verwerfung in der Risikowahrnehmung“, sagt Quant-Capital-Geschäftsführer Ivan Mlinaric. „Griechenland stabilisiert sich, die USA rutschen tiefer in die Krise.“

Die Signale aus der Parallelbewegung haben unterschiedliche Ursachen: „In den USA grassiert die Seuche“, so Mlinaric mit Blick auf die Zahl der Corona-Infektionen, die im Rekordtempo steige. Viele Bundesstaaten und Gemeinden müssten ihre verfrüht vollzogenen Maßnahmen zur wirtschaftlichen Öffnung wieder zurückfahren. „Das sorgt dafür, dass auch an den Märkten die Angst zurückkommt“, so Mlinaric, der konstatiert, dass die Sorge vor einer tieferen wirtschaftlichen Rezession zunimmt. „Deshalb flüchten Anleger verstärkt in vermeintlich sichere Staatsanleihen.“ 

Bemerkenswert ist vor allem die Rendite am kurzen Ende der Strukturkurve: Wer heute griechische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von einem Jahr erwirbt, erhält dafür im Gegenzug eine Rendite von 14 Basispunkten. Bei US-amerikanischen Staatsanleihen sind es immerhin 15 Basispunkte.

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Quelle: Quant Capital Management (Stand: 29. Juni 2020) 

Griechenland dagegen sei in den Augen vieler Marktteilnehmer seit längerem ein potenzieller Pleitekandidat, die Anleihen entsprechend risikobehaftet. „Investoren verlangen für das erhöhte Ausfallrisiko griechischer Staatsanleihen einen Sicherheitsaufschlag gegenüber deutschen Staatsanleihen“, so Mlinaric. Dieser Spread lag Ende April noch bei rund 2,5 Prozent. Bis jetzt hat er sich auf rund 1,35 Prozent verringert. „Renditen an oder nahe historischer Tiefststände und niedrige Spreads sind ein klares Anzeichen, dass die Risikowahrnehmung für Griechenland rückläufig ist“, sagt Mlinaric. Insofern seien die niedrigen Zinsen hier nicht Ausdruck der Sorge, sondern der Zuversicht.