Jahrespressekonferenz der Bafin „Richtlinien für nachhaltige Fonds werden zurückgestellt“

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Erwartungsgemäß gab es für diese Maßnahmen nicht nur Applaus. Aber wir sind von ihrem Sinn überzeugt. Sie bringen ein Plus an Stabilität, und die Sorge, sie führten geradewegs in die Kreditklemme, wird sich kaum bestätigen. Und was die Finanzierungskonditionen angeht: Die hängen vor allem von den langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt und der Geldpolitik der Notenbanken ab.

Gibt es weiteren makro- oder eher mikroprudenziellen Handlungsbedarf? Das werden unsere Analysen zeigen. So sehen wir uns beispielsweise fortlaufend die Kreditvergabestandards von Banken und Versicherern an. Bei ausgewählten Banken prüfen wir die Werthaltigkeit von Sicherheiten. Und wir kontrollieren bei Versicherern anhand von Szenarioanalysen, wie sich Preisrückgänge bei Immobilien auf ihre Risikotragfähigkeit auswirken. Je nachdem, zu welchen Ergebnissen wir kommen, können wir kapitalseitig oder mit anderen Maßnahmen eingreifen.

Die derzeitige Gemengelage an den internationalen Kapitalmärkten birgt zudem das Risiko signifikanter Bewertungskorrekturen. Die niedrigen Zinsen und die hohe Liquidität an den Märkten haben die Kurse an den Aktien- und Rentenmärkten über Jahre hinweg steigen lassen. Obwohl gewisse Bewertungen, insbesondere im Technologiesektor oder im Anleihenmarkt, zurückgegangen sind, besteht offensichtlich weiterhin das Risiko einer Abwärtsbewegung.

Was können wir hier tun? Bei den Versicherern werden wir anhand von Szenarioanalysen prüfen, welche Auswirkungen Downgrades von Anleihen auf ihre Risikotragfähigkeit haben. Wir werden außerdem weiterhin sicherstellen, dass Assetmanager, wenn nötig, von den gesetzlich möglichen Liquiditätsinstrumenten Gebrauch machen, um Anlegerinteressen zu schützen.

Verschuldung von Unternehmen ist gestiegen

Hinzu kommt ein Hidden-Leverage-Problem: Die Verschuldung von Unternehmen ist in den vergangenen Jahren gestiegen – vor allem die über komplexe Produkte des Kapitalmarkts. Auf diese Weise sind Kreditrisiken in intransparenten Segmenten des Finanzsystems gelandet, die wenig bis gar nicht reguliert sind.

Dass Banken hieran bislang weniger direkt beteiligt sind, ist auch der Re-Regulierung nach der Finanzkrise 2007/2008 zu verdanken. Und doch gibt es Schnittstellen zwischen dem regulierten Bankensektor und dem NBFI-Sektor. Denken Sie nur an den Fall Archegos oder die Nickelspekulationen an der London Metal Exchange.

Hier sind Risiken eingegangen worden, die auch regulierten Akteuren tatsächlich oder beinahe auf die Füße gefallen sind. An dieser Schnittstelle mit der Welt der Schattenbanken gehen wir konsequent gegen Konzentrationsrisiken vor.

Ein Risiko, das uns seit einiger Zeit umtreibt: die Gesundheit von Unternehmenskredite-Portfolien. Teile der deutschen Wirtschaft laborieren noch an den Belastungen aus der Covid-19-Pandemie. Die befürchtete Insolvenzwelle ist zwar wegen der beispiellosen staatlichen Hilfe ausgeblieben. Mittlerweile weht der Wind aber wieder von vorne. Neben dem Krieg in der Ukraine macht sich unter anderem die Zero-Covid-Politik Chinas bemerkbar. Wir sehen uns daher weiterhin die Kreditrisiken von Banken und Sparkassen sehr genau an. Diesmal aber mit Blick auf die energieintensiven oder rohstoffabhängigen Sektoren.

Gefahr von Cyberangriffen auch für den Finanzsektor groß

Sehr groß und sehr präsent ist die Gefahr, dass Unternehmen des Finanzsektors Opfer von Cyberangriffen werden oder dass es dort zu internen IT-Sicherheitsvorfällen kommt. Solche Vorfälle können im Extremfall der Stabilität des Finanzsystems schaden. Sind wir vorbereitet auf einen wirklich schwerwiegenden Sicherheitsvorfall? Wenn wir ehrlich sind, wissen wir das nicht. Der Krieg hat Cyberangriffe auch auf den deutschen Finanzsektor wahrscheinlicher gemacht.