Resfutura-Studie mit Familien & Family Offices „Die angestrebte Globalität stimmt nicht mit der tatsächlichen Allokation überein“

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Welche praktischen Auswirkungen hat Frau Brückners Forschungsarbeit auf ihr Geschäft?

Richter: Ihre Arbeit liefert uns weniger konkrete Handlungsempfehlungen, mit denen wir losmarschieren und diese umsetzen. Stattdessen bekommen wir wie eingangs geschildert wichtige Hinweise, worauf wir uns künftig einstellen müssen.

Beispielsweise hat Frau Brückners jetzige Studie deutlich gemacht, dass sich hochvermögende Familien zunehmend globaler aufstellen. Während die ältere Generation sehr heimatverbunden und eher nicht bereit ist, ins Ausland zu ziehen, ist die junge Generation da ganz anders. Die heute um die 60-jährigen haben ihre Kinder so international ausgebildet, dass sich für uns komplett andere Fragen stellen: Da werden multinationale Ehen geschlossen, Wohnsitze gewechselt und Unternehmen gegründet.

Das bedeutet für uns, wir müssen fachlich damit umgehen können, dass jemand eine Amerikanerin heiratet und man bei der Unternehmensnachfolge in amerikanische Reporting-Verpflichtungen kommt. Beziehungsweise lieber nicht kommt. Von amerikanischem Ehe- oder Erbschaftssteuerrecht, ganz zu schweigen. Auf diese internationalen Fragestellungen haben wir uns in den vergangenen Jahren sehr stark eingestellt.

Frau Brückner, nach dem Risiko-Thema vergangenes Jahr stand diesmal Diversifikation im Fokus ihrer jetzigen Studie. Was hat Sie an den Ergebnissen am meisten überrascht?

Brückner: In der vergangenen Studie bekamen wir oft zur Antwort, Diversifikation sei das entscheidende Risikomanagement-Tool. In der diesjährigen Studie gaben aber mit 48 Prozent fast die Hälfte der Befragten an, gar keine konkrete Diversifikationsstrategie zu haben und auch Adressen mit einer solchen folgen ihr nicht notwendig konsequent.

Aus meinen Gesprächen weiß ich, unter welchen Umständen gelegentlich Investments zustande kommen: man kennt jemanden übers Golfspielen oder Segeln, der gerade in Dubai ein ganz tolles Investment getätigt hat und erzählt, was für eine visionäre Sache das sei. Viele denken dann, sowas brauche ich auch, besitzen jedoch keine entsprechende Investment-Kompetenz und haben oft auch keinen Dienstleister oder Partner, der sie begleiten kann.

Wenn der Bekannte dann von der zweiten Finanzierungsrunde erzählt, muss vielleicht noch ein Family Officer das Ganze prüfen. Aber wo Emotionen im Spiel sind, wird immer wieder auch dann investiert, wenn dieser zurückhaltend votiert. So kommen manche zu Investments in Spanien, in der Wüste oder andernorts wie die Jungfrau zum Kind. Aber: Auch das ist sicherlich nicht überall der Fall. Es gibt Familien, die da sehr diszipliniert und professionell agieren. Aber 48 Prozent, die heute angeben, keine Diversifikationsstrategie zu haben, ich meine, das ist ja schon ein Wort.

Und wie erklären Sie sich den Trend zur Globalität?

Brückner: Bei der Frage nach der Globalität der Allokation gab es die zweite Überraschung. Denn die seitens vieler Befragter grundsätzlich angestrebte Globalität stimmt überhaupt nicht mit der strategischen Allokation überein, die mit zählbaren Ausnahmen nur sehr begrenzt als global zu bezeichnen ist.

Zwar sagen 54 Prozent, sie zielten bevorzugt auf eine globale Allokation. Wenn man nach Regionen geht, liegen jedoch im Schnitt 73 Prozent des Vermögens in Europa, 18 Prozent in Nordamerika. Aufsummiert sind 91 Prozent in den drei Währungsräumen Euro, Schweizer Franken und US-Dollar allokiert. Hier und da kommt noch etwas in Pfund und Yen hinzu, die aber mit 9 Prozent beinahe vernachlässigbar sind. Tatsächlich fällt die Allokation damit insgesamt nicht sehr global aus.


Über die Interviewten:
Yvonne Brückner hat das Institut für unternehmerische Zukunftsstrategien Resfutura ins Leben gerufen. Brückner ist zudem als Professorin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Gastprofessorin an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien tätig ist. Aus Ihren bisherigen Aktivitäten des Family Office Panels ging auch die Gründung des Berufsverbandes für unabhängige Family Offices (Vufo) hervor.

Wolfgang Richter ist Partner und Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly Roelfs. Der Jurist leitet seit 2011 den Bereich Recht & Steuern bei der Wirtschaftskanzlei. Weitere Berufsstationen umfassen RP Richter & Partner und die Leitung der Steuer- und Rechtsabteilung bei EY in München.