Anhaltender Bullenmarkt Darum könnte die Aktien-Hausse weitergehen

Ist Gründungsmitglied und geschäftsführender Gesellschafter von Mars Asset Management: Jens Kummer

Ist Gründungsmitglied und geschäftsführender Gesellschafter von Mars Asset Management: Jens Kummer

Der aktuelle Bullenmarkt bei deutschen Aktien begann am 12. September 2011. Wir befinden uns damit im sechsten Jahr steigender Kurse. Viele Anleger sind besorgt, ob der Bullenmarkt am Ende ist und ein Ausstieg angesichts der zahlreichen Unwägbarkeiten lohnt.

Richtig ist, dass die Dauer des aktuellen Anstiegs über dem Durchschnitt aller Bullenmärkte liegt. In der Geschichte der deutschen Aktien gab es seit 1872 bisher nur fünf längere Aufwärtsphasen, die jedoch oft vor den Weltkriegen lagen. Da frühere Börsenzyklen womöglich – ohne vernetzte Computer, automatisierten Handel und Glasfaserkabel – tendenziell stabiler waren, ist die Vergleichbarkeit eingeschränkt. Damit ist der aktuelle Bullenmarkt einer der längsten in der „modernen Zeit“.

Der Kursanstieg liegt jedoch unter dem Niveau anderer Bullenmärkte. Im historischen Mittel stiegen Aktien in Aufwärtsmärkten um 150 Prozent. Die aktuellen Kurse erhöhten sich bisher nur um etwa 120 Prozent. Nachfolgende Grafik zeigt alle Aufwärtsphasen des CDAX-Kursindex seit 1872.

>>Vergrößern

Bei der Analyse der einzelnen Bullenmärkte fällt auf, dass es immer Zweifel und zunächst wenige gute Gründe für einen Kursanstieg gab. Erst sehr spät und oft auch nachträglich wurden Begründungen geliefert.

So geschehen auch bei den vergangenen Bullenmärkten von 1992 bis 1998 oder 1998 bis 2000. Erst nach Platzen der Internet-Blase erkannten Anleger, dass dieser Bulle von der Phantasie der Informationstechnologie getrieben wurde.

Die meisten Bullenmärkte gipfelten zudem in großer Euphorie: Ende der 1920er Jahre kam es zur Dienstmädchenrallye, als Straßenkehrer und Hausangestellte mit Getreide spekulierten und Aktien kauften. In den 1960er Jahren setzen Anleger in den USA euphorisch auf wachstumsstarke Qualitätsaktien, den sogenannten Nifty-Fifty. Viele Anleger lernten auf schmerzhafte Weise, dass ein gutes Unternehmen nicht gleichbedeutend mit einer guten Investition ist.

Auch heutzutage haben die Anleger jede Menge Gründe, um sich Sorgen zu machen und zu zweifeln. Egal, ob politische Unwägbarkeiten, zu geringes Wachstum, Anstieg der Inflation oder hohe Schulden. Die Liste von Themen ist jedoch noch länger, über die sich die Anleger schon in den vergangenen sechs Jahren und in allen vorhergehenden Haussen gesorgt haben. Die meisten davon sind entweder längst hinfällig oder zumindest zwischenzeitlich wieder abgeklungen.

Jedoch gleicht keine Hausse der anderen. Die Streuung bei Kursanstieg und Dauer von Bullenmärkten ist hoch. Nur weil der derzeitige Bullenmarkt in der Dauer einen Ausreißer darstellt, muss das nicht heißen, dass er am Ende ist. Die sperrangelweit offenen Geldschleusen der Notenbanken, die nahe der Null festgezogenen Zinsen und vor allem die noch fehlende Euphorie könnten Aktienkurse noch eine ganze Zeit weiter nach oben treiben.

Außerdem sind die Kosten eines vorzeitigen Ausstiegs aus Aktien in einem Bullenmarkt hoch. Gerade in den letzten zwölf Monaten vor den Allzeithochs werden die höchsten Kursanstiege verzeichnet.

Fazit: Der aktuelle Aktien-Bullenmarkt ist einer der längsten in der „modernen Zeit“. Jedoch ist der Kursanstieg unter dem Durchschnitt früherer Haussen. Die meisten Bullenmärkte gipfelten zudem in großer Euphorie, während Sorgen und Unwägbarkeiten in allen Bullenmärkten existierten.



Über den Autor:
Jens Kummer ist Gründungsmitglied von Mars Asset Management und verantwortet als geschäftsführender Gesellschafter zusammen mit Andreas Bichler und Damian Krzizok das Portfoliomanagement. Vor Gründung der Gesellschaft war Kummer elf Jahre bei der SEB Investment als Leiter Multi Asset und Produktmanagement tätig.