Rentenstrategien Sind Anleihen noch ein Basisinvestment im Portfolio?

Scott Thiel, Fondsmanager Blackrock

Scott Thiel, Fondsmanager Blackrock

Mit rund elf Prozent pro Jahr wurde 1982 eine zehnjährige Bundesanleihe verzinst. Das war mehr als attraktiv. Die Erträge aus der Anlage waren gut planbar. Ein Teil davon konnte gar in risikoreichere Anlagen investiert werden, um zusätzliche Einnahmen zu generieren. Ging das schief, blieb Anlegern immer noch genug übrig, um laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dazu kamen Kursgewinne, weil die Renditen seitdem tendenziell immer weiter gesunken sind. Und schließlich schwanken die Kurse von Staatsanleihen bester Bonität in der Regel kaum. Investoren konnten deshalb mit einem Kursrisiko nahe Null kalkulieren.

Diese goldenen Zeiten sind vorbei. Mitte August dieses Jahres fiel die Rendite für zehnjährige Anleihen des Bundes zum ersten Mal unter die Schwelle von einem Prozent. Bei kürzer laufenden Bundesanleihen müssen Investoren sogar etwas zahlen, um dem deutschen Staat Geld leihen zu dürfen. Solche Papiere zu halten, birgt Risiken. Im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre lagen die Zinsen zum Beispiel in den USA durchschnittlich bei drei Prozent, die Rendite zehnjähriger Treasuries betrug 4,5 Prozent. Aktuell aber sind die Zinsen nahe Null, zehnjährige US-Schuldtitel bringen weniger als 2,5 Prozent. 

Auf die Duration kommt es an

Bewegen sich die Zinsen und Renditen also nur leicht in Richtung dieses Durchschnitts, dann drohen herbe Kursverluste im Anleiheportfolio. Für dieses Risiko aber bieten Staatsanleihen bester Bonität mit ihrer extrem niedrigen Verzinsung einfach keine ausreichende Entschädigung. Dennoch können Anleihen weiter ihre Funktion als Stabilitätsanker und als Ertragskomponente erfüllen. Investoren müssen dafür neue Wege gehen und sich auf das veränderte Umfeld am Kapitalmarkt einstellen.

Dies beginnt zunächst bei der Kapitalbindungsdauer eines Portfolios – der Duration. Dies ist eine entscheidende Komponente. Denn je länger die Duration, desto höher fällt im Fall eines Zins- oder Renditeanstiegs der Kursverlust einer Anleihe aus. Ein aktiv gemanagter Fonds zum Beispiel sollte deshalb die Möglichkeit haben, die Duration so zu steuern, dass diese Null oder sogar negativ sein kann. Ein Portfolio kann dann unter Umständen auch in einem Umfeld steigender Renditen Kursgewinne erzielen. Eine andere Alternative, um das Zinsänderungsrisiko zu reduzieren, ist der Einsatz von Anleihe-ETFs, die eine deutlich verringerte Duration aufweisen. 

Flexibilität und Diversifikation sind der Schlüssel zum Erfolg

Beides verleiht dem Anleiheportfolio Stabilität und erhöht die Chance auf attraktiven Ertrag. Zu den ertragreicheren Anleihekategorien zählen beispielsweise höher verzinste Unternehmens- oder Schwellenländeranleihen.

Flexibilität und Diversifikation bei der Auswahl der Anleihekategorien sind für den Erfolg eines Anleiheportfolios im aktuellen Umfeld von entscheidender Bedeutung. Das gilt sowohl für die Möglichkeit, zwischen den verschiedenen Anleihekategorien, unterschiedlichen Branchen oder Ländern jederzeit, flexibel wechseln zu können als auch für die bereits erwähnte Kapitalbindungsdauer.

Dividendenaktien als Alternative

Eine weitere Alternative für ein Basisinvestment sind dividendenstarke Aktien. Ein Teil des Anleiheportfolios kann in Aktien umgeschichtet werden, die auf Grund ihrer Dividendenrendite eine höhere reale Verzinsung bieten. In den vergangenen 20 Jahren haben die Dividendenzahlungen des MSCI World durchschnittlich rund ein Drittel des Anleiheertrags gebracht. Heute sind es, trotz höherer Kurse, rund 50 Prozent. Dividendenstarke Aktien rentieren derzeit überdurchschnittlich.

Die attraktiveren Dividendenrenditen finden Anleger derzeit außerhalb des US-Aktienmarktes. Während amerikanische Titel im Schnitt eine Dividendenrendite von rund zwei Prozent liefern, bringen die anderen Märkte durchschnittlich drei Prozent. Dafür ist das Potenzial am US-Aktienmarkt höher, da dort die Ausschüttungsquoten der Unternehmen recht gering sind. Grundsätzlich aber gilt: Wer gründlich analysiert, findet Firmen, die nachhaltig hohe Dividenden zahlen und im Vergleich zu Staatsanleihen aktuell ein besseres Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag bieten. Damit können auch Aktieninvestments eine Lösung für das Zinsdilemma sein, in dem die Investoren stecken.

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