Gastkommentar zur Rentenkommission Betriebsrente vor dem Durchbruch – doch die Umsetzung entscheidet

Christof Quiring leitet bei Fidelity die betrieblichen Vorsorgelösungen.

Christof Quiring leitet bei Fidelity die betrieblichen Vorsorgelösungen. Bildquelle: Fidelity

Die Rentenkommission setzt wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des deutschen Alterssicherungssystems. Besonders den Einstieg in die Kapitaldeckung der gesetzlichen Rente nach schwedischem Vorbild bewertet Fidelity als längst überfälligen Schritt. Gleichzeitig zeigen die Empfehlungen deutlich: Auch bei der betrieblichen Altersvorsorge steht Deutschland vor einem Wendepunkt.

Die Kommission stellt klar fest, dass die bisherige Akzeptanz der betrieblichen Altersvorsorge nicht ausreicht. Perspektivisch soll eine annähernd flächendeckende Verbreitung erreicht werden – das ist ein wichtiges Signal. Kritisch zu sehen ist, dass die konkrete Umsetzung einem Sozialpartnerdialog überlassen werden soll. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass Sozialpartnermodelle oft langwierige Abstimmungsprozesse erfordern. Angesichts des demografischen Wandels braucht es aber zügige und verbindliche Entscheidungen.

Betriebsrente: Konkrete Reformansätze weisen den Weg

Erstmals liegt ein Bündel an Maßnahmen auf dem Tisch, das die zweite Säule spürbar stärken könnte. Die Kommission nennt dazu mehrere Hebel: die weitere Öffnung der Sozialpartnermodelle, die Einführung von Opt-out-Modellen, automatische Entgeltumwandlungssysteme und perspektivisch sogar ein mögliches Obligatorium in der zweiten Säule.

Besonders positiv ist, dass die Kommission sowohl Auto-Enrolment-Modelle mit Opt-out als auch ein mögliches Obligatorium in der betrieblichen Altersvorsorge ausdrücklich als Reformoptionen nennt. Internationale Erfahrungen zeigen, dass genau diese Instrumente die Verbreitung der Betriebsrente deutlich erhöhen können – beispielsweise in Großbritannien wuchs der Anteil der Bezieher betrieblicher Altersrenten so auf über 80 Prozent. Ähnliche Mechanismen können auch in Deutschland den notwendigen Durchbruch bringen.

Hervorzuheben ist ein neuer Ansatz in der Verzahnung von betrieblicher und privater Vorsorge: Dass Arbeitgeber im Rahmen altersvorsorgewirksamer Leistungen künftig direkt in private Altersvorsorgedepots ihrer Beschäftigten einzahlen können sollen, ist ein potenziell sehr wirkungsvoller Ansatz. Ein betriebliches Altersvorsorgedepot könnte insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen einen einfachen und effizienten Zugang zur kapitalgedeckten Altersvorsorge schaffen.

Jetzt kommt es auf die Umsetzung an

Die Richtung stimmt – es ist erkennbar, dass sich bei der zweiten Säule viel bewegen kann. Entscheidend ist jetzt, dass aus den Reformoptionen verbindliche und praktikable Lösungen werden. Die Politik sollte die Chance nutzen und die Reform der betrieblichen Altersvorsorge zügig vorantreiben.


Über den Autor: 

Christof Quiring leitet bei Fidelity International den Geschäftsbereich „Workplace Investing“ für betriebliche Investment- und Pensionslösungen. 1997 begann er seine Karriere als Unternehmensberater im Bereich Investment Banking bei I&K Consultants. 1999 wechselte er zu Union Investment, bei der er als Leiter für den Bereich „Portfolio Analysis“ zuständig war. 2001 übernahm er bei Invesco die Verantwortung für den neu geschaffenen Geschäftsbereich „Investment and Pensions Solutions“. 2006 wechselte er zu Fidelity International. 

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