Renditeerwartungen sinken Druck auf Schweizer Pensionskassen steigt

Seite 2 / 2

Anspruchsberechtigte bekommen Zinssituation zu spüren

Complementa weist in seiner jüngsten Markterhebung darauf hin, dass die Pensionskassen die sogenannten Vorsorgekapitalien der Arbeitnehmer im vergangenen Jahr nur noch mit 1,4 Prozent verzinst haben. Das sei der tiefste jemals erhobenen Wert. Anpassungen nahmen Pensionskassen auch beim technischen Zins vor, der für die Bewertung der Rentnerkapitalien entscheidend ist. Der langfristige Kalkulationssatz reduzierte sich erneut um 0,1 Prozentpunkte auf nun 2,2 Prozent.

Durch das tiefe Zinsniveau und die steigende Lebenserwartung der Eidgenossen sind die Kassen gezwungen, auch den Umwandlungssatz zu senken. Das ist der Faktor, mit dem das angesparte Alterskapital in eine Altersrente umgewandelt wird. Im Umwandlungssatz sind zwei versicherungsmathematische Größen enthalten: die durchschnittliche Lebenserwartung, die entscheidend für die Rentenbezugsdauer ist, sowie der technische Zinssatz, der eine Zinsprognose für die Zukunft antizipiert. Der für die Anspruchsberechtigten wichtige Umwandlungssatz liegt laut Complementa derzeit mit durchschnittlich 5,64 Prozent nochmals knapp zwei Zehntel tiefer als im Vorjahr. Das heißt: Bei einem Kapital von 100.000 Franken gibt es eine Jahresrente von 5.640 Franken.

Der versicherungstechnisch korrekte Umwandlungssatz liegt bei einer langfristigen Renditeannahme von 2,0 Prozent bei 4,86 Prozent, erläutert Complementa und geht weiter ins Detail: Ein zu hoch angesetzter Umwandlungssatz führt zu sogenannten Pensionierungsverlusten, die jüngere Jahrgänge indirekt durch tiefere Verzinsungen bezahlen müssen. Um diese Umverteilung zu reduzieren, haben Pensionskassen für die kommenden fünf Jahre bereits Reduktionen beschlossen, so dass der durchschnittliche Umwandlungssatz bis 2024 mindestens auf 5,3 Prozent sinken dürfte.

Steigt das Zinsniveau nicht wieder deutlich an, müssen Pensionskassen in großem Umfang höhere Anlagerisiken eingehen, um die aktuell angewendeten Umwandlungssätze ohne Umverteilung zu finanzieren, erläutert Complementa. Für die meisten Pensionskassen dei das aber keine Alternative. Soll das Rentenniveau konstant hochgehalten werden, komme man nicht umhin, über die Intensivierung des Sparprozesses – das heißt frühere und/oder konstant höhere Beiträge – oder ein späteres Renteneintrittsalter zu diskutieren.


Über die Studie:
Die Risiko-Check-up-Studie von Complementa wird in diesem Jahr zum 25. Mal durchgeführt. Die Vorjahresstudie basierte auf Daten von 437 Pensionskassen mit Kapitalanlagen von über 650 Milliarden Franken. Für die vorliegenden Auswertungen und Ausführungen (Stand Anfang Mai 2019) fließen zu etwa 60 Prozent neue Daten aus den Jahresrechnungen 2018 ein. Bei 40 Prozent der Daten werden Hochrechnungen angestellt. Die finalen Ergebnisse werden im September veröffentlicht.