Rendite und Risiko So gelingt das perfekte Depot A

Stefan Baumann:

Stefan Baumann:

In den vergangenen Jahren hat sich in der Regulatorik und an den Geld- und Kapitalmärkten einiges entwickelt, was das effiziente Management eines Depots A für ein mittelständisches Institut zunehmend komplex macht. Zum Thema Regulatorik seien beispielhaft die mit Basel III eingeführte Liquidity Coverage Ratio – kurz LCR – und damit auch die Begründung von High Quality Liquid Assets (HQLA), das SREP-Verfahren der Aufsicht (Supervisory Review and Evaluation Process) und die jüngste Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) erwähnt, die unter anderem eine Angemessenheitsprüfung für die bankspezifischen Fondsrisiken brachte.

Daneben ist an den Geld- und Kapitalmärkten nach der Finanzkrise ein neuer Hauptakteur aufgetaucht. So agiert die Europäische Zentralbank (EZB) seit 2015 als ein wesentlicher Nachfrager für Anleihen. Weit über 2 Billionen Euro hat sie bereits investiert. Obwohl der Nettozufluss reduziert werden soll, bleiben die Bestände auch bei Fälligkeit erhalten. So wird die EZB noch lange einer der wichtigsten Marktteilnehmer auf der Nachfrageseite bleiben. Aber auch der negative Zins in Höhe von minus 0,40 Prozent für Geld, das Banken bei der EZB parken, ist eine Herausforderung für das Treasury der Institute.

In den Jahren nach der 2000er-Wende haben viele Banken ihr Treasury opportunistisch als Geschäftsfeld definiert und allerlei neue und strukturierte Produkte eingekauft. Neue-Produkte-und-Märkte-Prozesse nach MaRisk (NPP-Prozesse) wurden in Einzelfällen sogar wöchentlich abgewickelt. Neben einem enormen Arbeits- sowie Dokumentationsaufwand und den damit verbundenen Kosten sahen viele Depots A danach entsprechend fragmentiert aus.

Dort tummeln sich heute noch bei vielen Banken neben einfachen Tagesund Festgeldern sowie Tendern oder Anleihen jeglicher Couleur auch eine ganze Menge anderer Finanzinstrumente: Fonds, Aktien, Zertifikate, Hybride, strukturierte Titel, Derivate, Titel aus Misstrades, Übernahmen aus Kundenbeschwerden und dergleichen. Ein bunter Haufen, zu dem die Aufsicht möglicherweise früher oder später die Frage nach der strategischen Stoßrichtung und nach der Konsistenz der Risikomessmodelle genauso stellen wird wie die Frage nach der Nachhaltigkeit ihres Geschäftsmodells. Schließlich ist das Kerngeschäft einer Regionalbank das Kundengeschäft und nicht ihr Treasury. Einige Institute müssen sich zu Recht vor werfen lassen, dass die Bank nur durch den Strukturbeitrag noch auskömmlich wirtschaftet. Bei dem einen oder anderen Haus könnte man mit Blick ins Depot A schnell den Eindruck gewinnen, dass neben dem klassischen Bankgeschäft noch ein semiprofessioneller Hedgefonds betrieben wird.

Neben dem hohen Aufwand und den aufsichtsrechtlichen Risiken, die eine überkomplexe Depot-A-Struktur mit sich bringt, wird auch das vorhandene Eigenkapital nicht optimal allokiert, da Korrelationseffekte nicht optimal genutzt werden können. Oft fehlt es auch an konsistenten Risikomessmodellen unter den einzelnen Anlagen. Damit die Aufsicht das akzeptiert, werden die Assets regelmäßig als „nicht wesentlich“ eingestuft. Des Weiteren bringen alle strukturierten Produkte ineffiziente Kostenstrukturen mit sich.