Reimann Investors „Der harte Wind des Wettbewerbs kann uns nicht schaden“

Michael Riemenschneider ist Geschäftsführer von Reimann Investors: Das bisherige Single Family Office öffnet sich unternehmerisch denkenden Anlegern, welche die Ziele, Werte und Anlageperspektiven des Family Office teilen.

Michael Riemenschneider ist Geschäftsführer von Reimann Investors: Das bisherige Single Family Office öffnet sich unternehmerisch denkenden Anlegern, welche die Ziele, Werte und Anlageperspektiven des Family Office teilen.

private banking magazin: Herr Riemenschneider, Reimann Investors will sich mit der Öffnung für Co-Investoren und Mitgesellschafter dem Wettbewerb stellen. Was erhoffen Sie sich davon?

Michael Riemenschneider: Als Single Family Office hat man einen Kunden und der Kunde hat einen Dienstleister. Diese wechselseitige Monopolstellung ist strategisch nicht dauerhaft optimal. Es fehlt der Wettbewerbscharakter, der sicherstellt, dass man es sich niemals zu bequem macht. Durch die Öffnung für Dritte spüren wir sozusagen den harten Wind des Wettbewerbs – und das kann uns nicht schaden. Ein weiterer Grund ist das Netzwerk, das durch ein gemeinsames Investieren mit Unternehmern und Unternehmerfamilien entsteht. Typischerweise sitzt ein Family Office unter einer Käseglocke. Und das halte ich nicht für zeitgemäß und für falsch.

Also raus aus der Komfortzone.

Riemenschneider: Wenn Warren Buffet mit anderen Investoren Partnerschaften eingeht, dann muss sich aus meiner Sicht jeder fragen, der dies nicht tut, ob er das Richtige macht. Aus Geldgründen macht Buffet das sicherlich auch nicht. Konkret heißt das, dass unsere Mitgesellschafter alle über eigene Netzwerke verfügen, die in der einen oder anderen Art – und auch sicher geprägt durch Zufälle – die Entwicklung unserer gemeinsamen Beteiligungen befördern können. Diese Möglichkeit ist ein großer Unterschied zum klassischen Venture Fonds – hier kann man sich als Gesellschafter nicht einbringen. Bei uns schon.

Warum haben Sie als Co-Investoren und Mitgesellschafter vor allem Unternehmerfamilien und Familien mit unternehmerischen Hintergrund im Blick?

Riemenschneider: Unternehmer und Unternehmerfamilien haben meist ein ähnliches Netzwerk und ähnliche Werte und Ziele. Im Gegensatz zu klassischen Venture-Capital-Fonds oder Private-Equity-Fonds stehen hinter unseren Investitionen konkrete Personen anstelle mehr oder weniger anonymer institutioneller Investoren. Diese Nähe zu den Gesellschaftern schätzen einerseits die Gründer und Geschäftsführer unserer Beteiligungen. Andererseits fördern wir den Austausch unserer Gesellschafter untereinander und mit unseren Beteiligungen und nutzen damit das Netzwerk eines jeden und erweitern es gleichzeitig. Davon profitieren Gesellschafter und Beteiligungen.

Ein anderer Aspekt, weshalb es für uns wichtig ist, dass unsere Gesellschafter Unternehmertum kennen und leben, ist ein weniger transparent kommuniziertes Thema: Bei unternehmerischen Engagements egal welcher Art ist es nicht die Frage, ob etwas schiefgeht, sondern wann und in welchem Ausmaß etwas schiefgeht. Für einen Unternehmer ist das ganz normal und es bringt ihn nicht aus der Ruhe. Das ist für uns wichtig, denn gerade in schwierigen Situationen gilt es, ruhig und klug anstatt hektisch oder gar panisch zu agieren.

Wie schwer ist es, andere Familien von ihrer Kerninvestitionsstrategie der Direktinvestments zu überzeugen?

Riemenschneider: Wir sind eine recht seltene Kombination aus deutschem Familienunternehmen und auf digitale Wachstumsunternehmen spezialisiertem Venture-Capital-Fonds. Für Unternehmer und Unternehmerfamilien, die genau in diesem Bereich investieren wollen und zwar nicht in Form eines klassischen Venture-Capital-Fonds nach amerikanischem Vorbild, der mehr oder weniger eine Blackbox ist, sind wir ein guter Partner. Wir wollen niemanden überzeugen, es muss inhaltlich und zeitlich einfach passen, dann ist die Zusammenarbeit auch erfolgreich und macht Spaß. Genau diese Kombination und unser Modell der „Nicht-Blackbox“ sind wohl recht attraktiv, zumindest können wir uns nicht über zu wenig Interesse beschweren.

Was spricht im derzeitigen Umfeld für Beteiligungen an Unternehmen, die finanzielle Mittel für Wachstum benötigen?

Riemenschneider: Digitalisierung ist ein großes Wachstumsthema und bietet entsprechendes Wertsteigerungspotenzial. Eine Investition in diesem Bereich hat folglich hohes Renditepotenzial. Unser Fokus auf Unternehmen in der Expansionsphase – also auf Unternehmen, die den Proof-of-Concept erbracht haben und wachsende Umsätze erzielen –, ist dabei weit weniger riskant als die Investition in klassische Start-ups. Das faktische Risiko ist dabei sogar noch geringer als das von außen vermutete. Ein anderer Aspekt, der gerade für Unternehmerfamilien interessant ist: Venture Capital ist im Gegensatz zum herkömmlichen Buy-out nicht mit Fremdkapital gehebelt, es gibt also keine Abhängigkeit von finanzierenden Banken. Damit fühlen sich die Familien häufig wohler.

Sind mit der Öffnung für Dritte auch Änderungen in der unternehmerischen Organisation verbunden?

Riemenschneider: Wir treten weiterhin unter der Marke Reimann Investors auf, wir wollen ja auch in Zukunft so in digitale Wachstumsunternehmen investieren, wie wir dies in den letzten Jahren erfolgreich getan haben. Als Reimann Investors haben wir zwar noch keinen großen Namen. Die enge Zusammenarbeit mit unseren Beteiligungen in den letzten Jahren hat uns aber geholfen, uns als zuverlässigen, langfristig orientierten und aktiven Partner unserer Portfoliounternehmen zu positionieren. Das ist uns letztlich auch wichtiger als der große Name in der Szene. Verändert hat sich, dass wir Bafin-reguliert sind. Da wir auch vorher schon klare Entscheidungsprozesse hatten, hat dies unsere Kernprozesse aber nicht merklich verändert.



Über Reimann Investors:
Reimann Investors wurde 2006 gegründet und ist das Family Office von Mitgliedern der Unternehmerfamilie Reimann, die sich Ende der 1990er-Jahre von ihrer Beteiligung am früheren Familienunternehmen getrennt haben. Die Anlageschwerpunkte sind Kapitalmarktinvestitionen und Direktbeteiligungen an digitalen Wachstumsunternehmen, insbesondere aus den Bereichen Premium-E-Commerce, Fintech und digitalen Dienstleistungen. Das Family Office beschäftigt 20 Mitarbeiter.