Geopolitische Erschütterungen, ein Iran-Krieg, US-Zölle, eine schwächelnde Weltleitwährung – und dennoch: Schweizer Pensionskassen schlossen das Jahr 2025 mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,4 Prozent ab. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Anlagedisziplin. Eine aktuelle Studie[1] liefert dafür eindrucksvolle Belege und bestätigt eine Überzeugung, die wir als Privatbank seit Jahren vertreten: Wer auf Substanz setzt, behält auch in Krisen die Oberhand.
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Geopolitische Erschütterungen, ein Iran-Krieg, US-Zölle, eine schwächelnde Weltleitwährung – und dennoch: Schweizer Pensionskassen schlossen das Jahr 2025 mit einer durchschnittlichen Rendite von 6,4 Prozent ab. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Anlagedisziplin. Eine aktuelle Studie[1] liefert dafür eindrucksvolle Belege und bestätigt eine Überzeugung, die wir als Privatbank seit Jahren vertreten: Wer auf Substanz setzt, behält auch in Krisen die Oberhand.
Realwerte im Aufwind – Anleihen auf dem Rückzug
Ein zentraler struktureller Trend der vergangenen Jahre setzt sich klar fort: Der Anteil festverzinslicher Anlagen in den Portfolios Schweizer Vorsorgeeinrichtungen ist auf ein historisches Tief gesunken. Gleichzeitig sind Aktien erstmals zur grössten Anlageklasse avanciert – und das bereits im zweiten Jahr in Folge. Hinzu kommen Immobilien mit 22,5 Prozent sowie Alternative Anlagen, allen voran Infrastruktur (2,7 %) und Private Equity (2,5 %), die zusammen knapp 10 Prozent ausmachen. Vier von fünf Pensionskassen investieren heute in diese realen Vermögenswerte.
Diese Entwicklung ist keine taktische Modeerscheinung. Sie reflektiert eine fundamentale Erkenntnis: In einem Umfeld erhöhter Inflation, hoher Staatsverschuldung und teilweise negativer Realrenditen auf Anleihen bieten Realwerte den verlässlicheren Schutz.
Vom Zinsportfolio zum Sachwertportfolio
Die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte zeigt, wie tiefgreifend sich die strategische Vermögensallokation Schweizer Pensionskassen verändert hat. Während festverzinsliche Anlagen im Jahr 2006 noch klar dominierten, ist ihr Anteil seither kontinuierlich zurückgegangen. Parallel dazu wurden Aktien, Immobilien und alternative Anlagen systematisch ausgebaut. Die Grafik zum Vermögensmix verdeutlicht diesen langfristigen Trend eindrucksvoll: Der Anteil von Obligationen sank von deutlich über 40 Prozent auf zuletzt 29,2 Prozent, während Aktien heute mit 33,9 Prozent die grösste Anlageklasse darstellen.
Bemerkenswert daran ist weniger die kurzfristige Reaktion auf einzelne Marktphasen als vielmehr die strategische Konsequenz. Schweizer Vorsorgeeinrichtungen haben sich frühzeitig darauf eingestellt, dass nominale Zinserträge allein nicht mehr ausreichen, um Kaufkraft langfristig zu sichern. Stattdessen wurde das Portfolio schrittweise stärker auf produktive Sachwerte ausgerichtet – also auf Unternehmensbeteiligungen, Infrastruktur und Immobilien.
Gerade in Zeiten steigender Staatsverschuldung, strukturell höherer Inflation und geopolitischer Unsicherheit zeigt sich die Stabilität dieses Ansatzes. Die langfristige Entwicklung der Asset-Allokation dokumentiert damit auch einen Mentalitätsunterschied: weg vom kurzfristigen Sicherheitsdenken hin zu einer realwertorientierten, generationenübergreifenden Vermögensstrategie.
Währungs-Chance oder Risiko?
Aus der Sicht deutscher Anleger kann ein Investment auf Basis von Schweizer Franken Teil der Diversifikationsstrategie sein, insbesondere in Realwerten. Mit hoher fiskalischer Stabilität, geringer Verschuldung und einem freiheitlichen Rechtssystem verbinden wir eine stabile Währung die eher Aufwertungspotenzial hat. Deshalb verfolgen Schweizer Pensionskassen eine Philosophie, die auch für private Anleger mustergültig ist: ein stabiler Heimanker kombiniert mit selektiver internationaler Diversifikation.
Mit 22,5 Prozent in Schweizer Immobilien, einem substanziellen Anteil CHF-Obligationen (der für deutsche Anleger anders gestaltet werden kann) und einem starken Fokus auf qualitativ hochstehende Infrastruktur bildet ein Schweizer Portefeuille ein robustes Fundament, um einen Teil des Vermögens von Anlagerisiken im Heimatland zu trennen.
Gleichzeitig investieren auch Schweizer Pensionskassen rund die Hälfte ihres Vermögens im Ausland. Internationales Exposure ist also nicht nur gewünscht, sondern notwendig, um an der globalen Wertschöpfung teilzuhaben. Entscheidend ist dabei, wie mit den damit verbundenen Risiken umgegangen wird.
Langfristigkeit als Wettbewerbsvorteil
Auffällig an der Schweizer Pensionskassenlandschaft ist nicht nur die Höhe der Renditen, sondern vor allem die Stabilität des Investmentansatzes. Die Studie zeigt, dass Schweizer Vorsorgeeinrichtungen auch in volatilen Marktphasen an ihren langfristigen Strategien festhalten und Reserven gezielt aufbauen. Gerade dadurch vermeiden sie prozyklische Entscheidungen in Krisenzeiten.
Diese Kultur der langfristigen Kapitalanlage unterscheidet sich deutlich von kurzfristig orientierten Marktreaktionen, die in vielen Ländern zu beobachten sind. Schweizer Anleger akzeptieren zwischenzeitliche Schwankungen als normalen Bestandteil langfristiger Vermögensbildung. Im Mittelpunkt steht nicht die Vermeidung jeder Volatilität, sondern die nachhaltige Sicherung realer Kaufkraft über Jahrzehnte hinweg.
Das erklärt auch, weshalb Schweizer Institutionen frühzeitig auf Infrastruktur, Private Equity oder internationale Aktien gesetzt haben. Entscheidend ist dabei weniger die Suche nach kurzfristigen Trends als vielmehr die Frage, welche Vermögenswerte auch in zehn oder zwanzig Jahren noch reale Substanz besitzen.
