Reich durch Immobilien Wie entsteht Reichtum in Deutschland?

Mario Caroli, persönlich haftender Gesellschafter von dem Bankhaus Ellwanger & Geiger | © Ellwanger & Geiger

Mario Caroli, persönlich haftender Gesellschafter von dem Bankhaus Ellwanger & Geiger Foto: Ellwanger & Geiger

Wie stark tragen Immobilien zur Vermögensbildung bei? Eine Antwort darauf findet sich in einer jüngst veröffentlichten Dissertation, die an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam entstanden ist. Sie ist als Buch unter dem Titel „Wege zum Reichtum“ erschienen. Die Verfasserin Melanie Böwing-Schmalenbrock ging der Frage nach, wie Reichtum in Deutschland entsteht. Basis der Untersuchung waren Interviews mit 472 Personen, deren durchschnittliches Vermögen 2,35 Millionen Euro beträgt.

Wie nicht anders zu erwarten, spielten Erwerbtätigkeit und Erbschaften die zentrale Rolle für die Vermögensbildung. 62 Prozent der befragten Personen waren durch eigene Arbeit reich geworden, wobei Selbständige sehr viel häufiger vertreten waren als Angestellte. Für 35 Prozent der Befragten spielten Erbschaften eine zentrale Rolle der Reichtumsbildung. Auch dies ist sicher kein überraschender Befund.

Immobilien statt Aktien

Schaut man auf die weiteren Gründe, die von den Befragten angegeben werden, dann sagte fast jeder Zehnte (9,5 Prozent), Immobilienbesitz sei der wichtigste Grund, warum man reich geworden sei. Zum Vergleich: Börsengewinne wurden nur von 2,4 Prozent als wichtigster Grund für ihren Reichtum genannt. Die Wahrscheinlichkeit, mit Immobilien reich zu werden, ist demnach fast vier Mal höher als durch Aktien.

Fragt man etwas weiter gefasst nach den Gründen für den Reichtum, dann geben sogar 48 Prozent der Befragten an, Immobilien seien „ein wichtiger Aspekt“ für ihre persönliche Reichtumsgenese gewesen. Von Aktien sagen das dagegen nur 20 Prozent. Auch das ist ein erheblicher Unterschied. Übrigens nannte nur ein Prozent der Befragten andere wichtige Gründe (vornehmlich Lottogewinne) für die Reichtumsgenese.

Leider wurde bei der Befragung nicht ermittelt, ob die betroffenen Haushalte mit der Bedeutung von Immobilien beispielsweise die Vermietung eigener Immobilien, den gewinnbringenden Verkauf von Immobilien oder lediglich die Einkommensvorteile von selbstgenutzten Immobilien meinten.

Tatsächlich spielen Immobilien für die Vermögensbildung sogar eine noch größere Rolle, wenn man nämlich die Erbschaften mit berücksichtigt. Auch dies zeigen die Ergebnisse der oben zitierten Dissertation: 81 Prozent derjenigen vermögenden Haushalte, die bereits geerbt haben, erhielten Geldvermögen, 68 Prozent haben Immobilien vererbt oder geschenkt bekommen. Der Wert der vererbten Immobilien war jedoch mit 300.000 Euro (Median) doppelt so hoch wie der Wert des vererbten Geldvermögens. Auch dies unterstreicht die zentrale Bedeutung von Immobilien bei der Reichtumsbildung.

Immobilien sind jedoch nicht nur ein wichtiger Weg, um überdurchschnittliche Vermögen aufzubauen, sondern spielen auch bei den Ultrareichen weltweit eine zunehmend wichtige Rolle in der Vermögens-Allokation. Dies ergab der „Wealth Report 2014“ von Knight Frank. 600 Privatbankiers und Vermögensverwalter wurden nach den Präferenzen ihrer ultrareichen Klienten befragt. Es handelt sich hierbei um sogenannte UHNWIs (Ultra High Net Worth Individuals), die über ein Nettovermögen von mindestens 30 Millionen US-Dollar verfügen. Davon gibt es auf der ganzen Welt nur 168.000.

Diese Superreichen haben ihr Vermögen zu 24 Prozent in Immobilien angelegt. 47 Prozent der Superreichen wollen diese Quote sogar noch erhöhen, 46 Prozent wollen sie beibehalten, aber nur 7 Prozent wollen sie reduzieren.

Fazit

Offenbar spielen Immobilien also in der Reichtumsbildung eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das trifft sowohl für die „moderat Reichen“ zu, die – wie bei der für die Doktorarbeit durchgeführten Befragung – etwas mehr als zwei Millionen Euro besitzen, als auch für die Superreichen, bei denen die Untergrenze das Zehnfache dieses Betrages ist.

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Mario Caroli ist persönlich haftender Gesellschafter vom Bankhaus Ellwanger & Geiger.