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Zerstörung des Amazonas Regenwald-Risiko für Umwelt und Anleger

Waldbrände bei der Kleinstadt Lábrea im südlichen Amazonas

Waldbrände bei der Kleinstadt Lábrea im südlichen Amazonas: Durch Feuer und Abholzung steigen die Umweltkosten – auch für Investoren. Foto: IMAGO / Fotoarena

Während es außerhalb der Region lange Zeit einfach war, Umweltkatastrophen in Lateinamerika nach dem Ausschalten der TV-Nachrichten oder einer Natur-Doku wieder zu vergessen, wurde nun der Kipppunkt erreicht: Die Klimadynamik des Amazonas-Regenwaldes beeinflusst bereits die Niederschlagsmuster in den USA. Pro Minute werden Bäume auf einer Fläche von etwa 36 Fußballfeldern abgeholzt – damit hat der Verlust des Regenwaldes auch globale Auswirkungen.

Graham Stock, BlueBay Asset Management

„Biodiversität und Klimawandel stellen systemische Risiken dar, die die Kreditwürdigkeit eines Landes beeinträchtigen können“, erklärt Graham Stock, Anleihespezialist bei BlueBay Asset Management. Fast zwei Drittel des Amazonasgebiets liegen in Brasilien. Die zunehmend hohen Abholzungsraten sorgen dafür, dass die vergleichsweise hoch verzinsten Staatsanleihen des Landes aus ESG-Gründen weniger interessant werden. Darüber hinaus beeinträchtigt die Abholzung die Chancen Brasiliens, seine forstwirtschaftlichen Vermögenswerte in Zukunft für positive Nachhaltigkeits- und Finanzinitiativen zu nutzen. Das heißt: Die Abholzung verschlechtert die Kreditwürdigkeit Brasiliens und wird wahrscheinlich auch die Preise seiner Vermögenswerte belasten.

30 Vermögensverwalter – fünf Ziele

Aus diesem Grund hat BlueBay Asset Management im Juni vergangenen Jahres begonnen, Maßnahmen für Anleihegläubiger zu ergreifen. Als Co-Vorsitzender des Investors' Policy Dialogue on Deforestation (IPDD) arbeitet BlueBay mit 29 anderen Asset-Managern mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 3,7 Billionen US-Dollar zusammen, um die Zerstörung des Regenwaldes bei der brasilianischen Regierung zu adressieren. Die Ziele der Initiative sind:

1. Eine deutliche Reduzierung der Abholzungsraten.

2. Die Durchsetzung des brasilianischen Forstgesetzes.

3. Die Befähigung der brasilianischen Behörden, die mit der Durchsetzung von Umwelt- und Menschenrechtsgesetzen betraut sind, ihre Mandate sowie alle rechtlichen Entwicklungen, die sich auf den Schutz der Wälder auswirken können, effektiv auszuführen.

4. Die Verhinderung von Feuern in oder in der Nähe von Waldgebieten, um eine Wiederholung der Brände von 2019 zu vermeiden.

5. Ein öffentlicher Zugang zu Daten über Entwaldung, Waldbedeckung und Besitzverhältnisse sowie die Rückverfolgbarkeit von Rohstofflieferketten.

„Unser Ziel ist es, die brasilianische Regierung darauf aufmerksam zu machen, dass das Versäumnis, diese Probleme anzugehen, ein systemisches Risiko für Investoren darstellt“, erklärt Stock. „Abgesehen von den schwerwiegenden Umweltkosten könnten die Finanzierungskosten für Staat und Unternehmen steigen.“

Die Mitglieder der IPDD-Initiative sind etablierte Fixed-Income-Investoren, die auf den Märkten für Staats- und Unternehmensanleihen tätig sind. Damit haben sie eine gute Position, um ihre Botschaft an die richtige Adresse zu bringen. „Dennoch waren die Gesamtzahlen zur Entwaldung 2020 zunächst enttäuschend und fielen noch höher aus als 2019“, sagt Stock. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2019 seien Entwaldung und Brandraten im zweiten Halbjahr 2020 jedoch rückläufig gewesen. Die Zahlen für Januar 2021 zeigten sogar eine beträchtliche Verbesserung, die auf einen Rückgang von 70 Prozent schließen lässt.

„Zwar ist der Januar generell der ruhigste Monat, was Brände angeht. Dennoch sind die Zahlen ein wichtiger Frühindikator“, sagt Stock. „Denn wenn die Abholzung zu dieser Jahreszeit gering ist, sollte insgesamt weniger Material zum Verbrennen vorhanden sein, wenn in sechs Monaten die Hauptbrandsaison ansteht.“

Weniger Geldstrafen für Umweltverbrechen

Was die Durchsetzung des Umweltrechts angeht, ist bislang jedoch keine Trendwende zu beobachten. So ist die Zahl der Geldstrafen, die Brasilien für Umweltverbrechen verhängte, im Jahr 2020 weiter gesunken. Regierungsvertreter betonen laut Stock, dass dies ein verzögerter Indikator sei, da es Jahre dauere, bis die Strafverfolgungsbemühungen ihren Weg durch das brasilianische Rechtssystem fänden. Jedoch gebe es bislang kaum Anzeichen dafür, dass die Durchsetzungsbemühungen zugenommen hätten.

Positiv zu bewerten ist hingegen, dass das brasilianische Militär seine Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Schutz der Wälder einstellen wird. Diese Aufgabe geht wieder auf die Umweltbehörde über. „Wir sehen dies als gute Nachricht“, sagt Stock. „Wir wissen von einer Reihe von Nichtregierungsorganisationen, die mit der Rolle des Militärs in dieser Hinsicht unzufrieden sind.“

Laut Haushaltsvorschlag für das Jahr 2021 soll jedoch ausgerechnet der Etat der Umweltbehörde gekürzt werden. „Die Verabschiedung im Kongress steht noch aus“, erläutert Stock. „Wir werden die Entwicklungen auch hier genau beobachten.“

Engagement in Indonesien

Dass große Veränderungen nicht über Nacht passieren, ist Stock bewusst: „In den ersten sechs Monaten haben wir die Erwartungen mit unserem Engagement dennoch übertroffen“, sagt Stock. „Unsere Botschaft wird in der gesamten politischen Landschaft und dem brasilianischen Finanzsystem gehört und schärft das Bewusstsein. Außerdem gehören nun auch brasilianische Finanzinstitutionen der IPDD an, sodass die Regierung uns nicht mehr so leicht als ausländische Interessengruppe abstempeln kann, um unsere Ziele zu unterdrücken.“

Seit Januar engagiert sich die IPDD zudem auch in Indonesien. „Wir sind besorgt über die Auswirkungen der Abholzung in Indonesien und wollen deutlich machen, dass unser Projekt nicht nur auf Brasilien abzielt ? der Raubbau an Wäldern ist ein gewichtiges globales Problem, das wir angehen müssen.“